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CLASSICS



Oxmo Puccino - L amour est mort

1974 in Mali geboren, wandert Abdoulaye Diarra mit seinen Eltern nach Paris aus. In Frankreich angekommen gilt seine volle Aufmerksamkeit schon früh dem Mic. Aus Abdoulaye wird OXMO PUCCINO. 1995 taucht dieser Name als Teil des Kollektivs Time Bomb Commando erstmals auf einem Release auf. Zwei Jahre später macht sich OXMO mit seinem Track PUCC FICTION einen Namen in Frankreichs Rap-Szene. Knapp ein Jahr darauf erscheint dann sein äusserst erfolgreiches Album-Debut OPERA PUCCINO. Danach vergehen drei Jahre, bis der Mann aus Mali nachlegt. Mit L’AMOUR EST MORT vermag OXMO PUCCINO die hohen Standards, die er mit seinem Erstlingswerk gesetzt hat, problemlos zu halten – zumindest was den musikalischen Teil des Unterfangens anbelangt. In Sachen Verkaufszahlen vermag L’AMOUR EST MORT nicht mit seinem Vorgänger mithalten. Nichts desto trotz ist dieses Album ein Meilenstein des französischen Raps und dessen Beats. L’AMOUR EST MORT ist 22 Tracks stark und vollgepackt mit poetisch-bildlichen Texten über Leib, Leid und Liebe. Was den Gehalt seiner lebensnahen mit komplexen Metaphern gespickten Texte auf L’AMOUR EST MORT anbelangt, so wird OXMO PUCCINO in Frankreich gerne mit dem legendären Chansonnier Jacques Brel verglichen. Was die musikalische Untermalung seiner Raps anbelangt, so bewegt sich diese in vornehmlich ruhigen Gefilden. Die sehr persönlichen und sozialkritischen Texte werden vornehmlich von souligen, die Inhalte perfekt in Szene setzenden Beats ergänzt. L’AMOUR EST MORT vermag durch die Liebe zum Detail, ohne sich darin zu verlieren, die Wärme der tiefen Stimme des Mannes am Mic, die vermittelten Inhalte und die souligen Arrangements der Beats zu bestechen. Wem L’AMOUR EST MORT kein Begriff ist, dem sei hiermit dringend angeraten, dem Zweitlingswerk des Pariser MCs mit malinesischen Wurzeln eine Chance zu geben und es sich zumindest einmal anzuhören. (ruedi snare)


www.myspace.com/oxmopuccino


Release: 2001






Freundeskreis - Esperanto

1996 veröffentlichten Maximilian und sein Freundeskreis die Single „A-N-N-A“. Der Song verhallte ungehört. Ein Jahr darauf releasten Freundeskreis (Max Herre, Don Philippe und DJ Friction) dann ihr Debüt-Album „Quadratur des Kreises“. Auf dieser LP befand sich auch der Song „A-N-N-A“ in einer überarbeiteten Version. Der Track wurde 1997 abermals als 12“ veröffentlicht, re-released quasi. Und die Ironie des Schicksals wollte es nicht anders, als dass eben dieser Song zum grössten Hit werden sollte, auf den der Freundeskreis je zurück blicken wird. Zwei Jahre nach dem Release des Album-Debüts legte der Freundeskreis nach und releaste die LP „Esperanto“. Dieses Album sollte das letzte „echte“ Album (2000 erschien ein FK-Livealbum und 2007 eine Best Of-Compilation) von werden. Wie schon beim Debüt setzte Freundeskreis nicht auf bewährte Rap-Klischees, sondern vertonte ihre eigene Vision, eine Melange von gehaltvollen, mit Metaphern angereicherten, sehr persönlichen Texten und souligen Beats. Schon der Albumtitel suggerierte, was der Freundeskreis an Beats und Raps zu schätzen wusste. „Esperanto, kein Manko wenn ihr’s nicht gleich versteht, wichtiger ist, dass ihr zwischen den Zeilen lest“ (Titeltrack „Esperanto“). Max philosophierte („Esperanto“, „Nebelschwandenbilder“), politisierte („Sternstunde“, „Tabula Rasa“), blickte zurück („Erste Schritte“) und stylete und representete („Pulsschlag“, „Eimsbush bis 0711“). Und auch ein Hit findet sich auf „Esperanto“. „Mit Dir“ (feat. Joy Denalane) stieg zwar nicht ganz so hoch im Verkaufswettstreit, wie dies damals „A-N-N-A“ schaffte, sorgte aber mit der zweiten Hitsingle „Tabula Rasa“ (feat. Mellowbag & Gentleman) dafür, dass „Esperanto“ des Freundeskreis’ erfolgreichstes Album und eines der einflussreichsten Deutschrap-Releases wurde. (ruedi snare)


www.freundeskreis10.de


Release: 1999






Stieber Twins - Fenster zum Hof

Seit den 80ern sind die Brüder aus Heidelberg in der Szene aktiv. Damals waren die beiden mit Blackbook, Bleistift und einem Rucksack voll Dosen ausgerüstet. Anfangs der Neunziger wandten sie sich dann den Beats zu. Die Rede ist von (Dr.) Martin (Jeckyll) und (Mr.) Christian (Hyde) Stieber, besser bekannt als STIEBER TWINS. Auf dem Album ‚Alte Schule’, das auf MZEE erschien, wurden 1993 ihre ersten Instrumentals veröffentlicht (‚Just Writin My Name’ und ‚Breakers Revenge 93’). Die ersten Tracks, auf denen die STIEBER TWINS auch am Mic standen, heissen ‚Hip Hop Und Rap’ und ‚Allein Zu Zweit’ und erschienen 1995 auf dem Album ‚The Sound Of MZEE’. 1997 veröffentlichten die STIEBER TWINS ihr erstes und einziges Album FENSTER ZUM HOF. Mit diesem Album prägten die Heidelberger Hip Hop-Urgesteine die deutsche Szene entscheidend. Keine anderen MCs aus Deutschland verstanden es, ihre Aussagen so pointiert in schnörkellose Flows zu verpacken, wie dies Chris der Tischler und Mar der Koch auf den 13 Tracks des Longplayers FENSTER ZUM HOF zu tun vermochten. Die gradlinigen Beats nach dem Vorbild der Beatbauer aus New York City der frühen neunziger Jahre zimmerten die Zwillinge im Kinderzimmer ihres Elternhauses. Für viele Heads von damals und heute sind die STIEBER TWINS der Innbegriff von Echtheit, von Realness. Chris und Mar hingegen definieren den Realness-Begriff weit weniger eng, als dies grosse Teile der Szene tun. Real zu sein, bedeutet für die Stiebers nicht mehr, als sich selbst zu sein, seine Ansichten im Rap 1:1 wieder zu geben, keine Schönrednerei zu betreiben und keine Dinge zu sagen, von denen ein MC glaubt, das Publikum wolle dies von ihm hören. Natürlich zollen die Jungs mit Hauptquartier in Heidelberg den Elementen und den Vätern der Kultur Tribut, betrieben selber Breakdance und waren fest in der Graffiti-Szene verwurzelt (‚Wir studiern Daze Pieces und Ken-Swift Freezes, hören Miles Davis bis mein’m Technics schlecht ist’), aber das Hauptaugenmerk lag und liegt noch immer auf dem kompromisslosen Sich-Selbst-Sein. Insofern dürften die Stiebers die aktuellen Debatten um Realness und deren Voraussetzungen wohl als ein Am-Thema-Vorbei-Reden einstufen. Zum Abschluss dieser Rezension des deutschen Rap-Klassikers schlechthin sei folgende Textpassage aus dem Titeltrack zum Album FENSTER ZUM HOF zitiert, die meiner Meinung nach auch die Streitereien dieser Tage um die Echtheit von Rap-Texten und die Definition von Hip Hop auf den Punkt bringt: ‚Ich weiss, das was ich weiss das weiss ich, Rap ohne Weitsicht uhh ich weiss nicht, oft sitz ich vor meinem Blackbook und spitz mein’ Bleistift, aber heute nicht, heute reim ich, heute text’ ich, was ich mein mein ich ehrlich, gute Rapper sind spärlich, ein falsches Rap-Image ist und bleibt mir zu gefährlich, denn es geht nicht um Hip-Kleidung Hop-Konsum, der Kaufmonsum zerstört mein Hip Hop-Heiligtum, Modeboom, ich dreh mich um und verstumm - welch Szenarium, welch Spektakulum’. (ruedi snare)


www.myspace.com/stiebertwins


Release: 1997






A Tribe Called Quest - Beats, Rhymes & Life

A TRIBE CALLED QUEST, das sind Q-Tip and Phife Dawg, Ali Shaheed Muhammad und Jarobi. Gegründet wurde die Formation 1985 unter dem Namen QUEST. Das A TRIBE CALLED wurde erst von ihren High School Buddies - den Jungle Brothers - bei deren gemeinsamen Aufnahmen zum Song Black is Black vor das QUEST gestellt. ATCQ releasten ihr bis dato viertes Studioalbum BEATS, RHYMES & LIFE 1996. Es war ihr drittes Studioalbum und in zweierlei Hinsicht ein Wendepunkt in der Karriere der Truppe aus Queens/NYC. Zum einen sass neben Ali Shaheed ein gewisser James J DILLA Yancey an den Reglern und drückte der Produktion seinen spätestens ab diesem Zeitpunkt unverwechselbaren Stempel auf. Diese unverkennbaren Soundkonstrukte aus Soul-, Funk- und Jazzsampels prägen die Stimmung des Albums und machen es zu einem einmaligen Hörerlebnis. Zum andern durchleuchten Q-Tip und Phife Dawg mit ihrem Rap die Szene und den zu diesem Zeitpunkt aufkommenden Hype um Hip Hop und das damit einhergehende positiv-laszive Zur-Schau-Stellen von Ghetto-Attitüden kritisch und steuern so in andere Fahrwasser als viele andere Acts, die das grosse Geld zu riechen scheinen. So machen Tip und Phife darauf aufmerksam, dass Ghetto-Attitüden Rap und Hip Hop nicht voran bringt: We are the No. 1 motivators, ghetto mentality aint innovate us, some if you may hate us, but we dont be sour, all we wanna do is rock along (Motivators). (ruedi snare)


www.atribecalledquest.com


Release: 1996






E.K.R. - Dä Siech

Er ist einer der Pioniere im Heidiland. An der Dose, an den Turntables, am Beat und am Mic. Anfangs der 80er versuchte er sich als Breakdancer, stieg dann auf Dosen und Caps um, versuchte sich bald auch an Turns und Rap. 1988 nahm er an den DMC teil und belegte den zweiten Rang. Anfangs der 90er war er in den Staaten und produzierte und anderem für Kool Keith. Nach seinem Aufenthalt in NYC siedelte er nach London über, bevor er wieder zurück in die Schweiz kam. Die Rede ist von E.K.R. 1995 releaste er sein erstes Album „E.K.R (Dä Siech)“. Es war dies der erste Dialekt-Longplayer überhaupt. Auf dem Album befinden sich Klassiker wie „Oh Susi“, „7siech“ und „Rekrutbolliger“. Die Beats sind knochentrocken und orientieren sich grösstenteils am Sound der 80er-Jahre. Rohstoff ist Funk. Am Mic stand der Spassfaktor im Vordergrund. Politische Inhalte sollten erstmals mit dem Release von „Chreis 5“ ins Zentrum rücken. (ruedi snare)


www.myspace.com/eknaton


Release: 1995






The Youngstaz Illy Funkstaz - I ll make you famous

Die YOUNGSTAZ, ein Trio aus Philadelphia bestehend aus den Brüdern Tajj und Qu’ran, ergänzt durch ihren Cousin Tarik, fanden ihren Ursprung Anfang der 90er Jahre, als sie 1991 mit ihrem Debutalbum SOMETHIN 4 DA YOUNGSTAS in den Musikmarkt eindrangen. Mit ausgefeilten Styles, mächtig Potential aber – noch viel wichtiger – selbst geschriebenen Lyrics (was zu dieser Zeit für sogenannte Kiddy Acts nicht selbstverständlich war) erwischten die ILLY FUNKSTAZ jedoch einen schlechten Zeitpunkt, um die Musikwelt zu erobern. Denn zeitgleich machte das ebenfalls noch junge Rap-Duo Kris Kross viel Rummel um ihre Person und stellte somit die Arbeit der YOUNGSTAZ in den Schatten. So geschah es, dass SOMETHIN 4 DA YOUNGSTAZ trotz hervorragender Kritiken nicht die entsprechenden Verkaufszahlen erreichte. In den folgenden zwei Jahren erschienen zwei weitere Long Player der Combo, nämlich THE AFTERMATH in 1992 und NO MERCY in 1993. Während dieser Zeitspanne mutierten die Kiddy Rapper langsam aber sicher zu Männern. Bei diesem Werdegang wurde ihnen von wahren Hip Hop Grössen wie DJ Premier, Pete Rock, Marley Marl, den Beatnuts und K-Def unter die Arme gegriffen. So kam es, dass ihr viertes 1995 veröffentlichtes Werk I LL MAKE YOU FAMOUS ein ganz anderes Level erreichte. Mit männlicheren Stimmen, ernsthafteren Themen und dunkleren, härteren Beats, geschmückt mit Features von Mobb Deep, machte dieses Release einen sichtbar professionelleren Eindruck. Die Hälfte der Tracks wurden von Qu’ran alias QBall, welcher schon bei früheren Alben gelegentlich Hand an den Boards anlegte, produziert. Bedauerlicherweise erlangte dieses Release nicht die Aufmerksamkeit, die es verdient hätte. Danach verschwand das Trio als solches von der Bildfläche. Heutzutage ist QBall als Producer mit Acts wie Missy Elliot, Amerie, etc. beschäftigt, während Tajj, heute besser bekannt als Tajmahal, als Solokünstler weiterhin eine Musikkariere verfolgt. (dj fleyva)


www.myspace.com/dayoungstas1


Release: 1995






The Notorious B.I.G. - Ready to die

Die Aufnahmen zu READY TO DIE begannen schon kurz nachdem Christopher Wallace - also known as THE NOTORIOUS B.I.G. – Sean Puffy Combs vorgestellt wurde. Nach Problemen mit dem Label, lancierte der damalige A&R und ambitionierte Geschäftsmann Combs einfach sein eigenes Label Bad Boy Entertainment.
1994 war es endlich soweit. Das Album konnte mit Produktionen von Easy Mo Bee, DJ Premier, Lord Finesse und - ach ja - Puffy himself aufwarten. Beats werden jedoch zum Beigemüse, wenn THE NOTORIOUS B.I.G mit seiner tiefen, pregnanten Stimme seinen sicken Flow und Raps über das Leben, gespickt mit etlichen Pornofantasien, darüber spuckt. Mit READY TO DIE hat es BIGGIE geschafft, sich vom Freestyler zum echten Songwriter zu wandeln, um sich nebenbei die Krone des KING OF NEW YORK aufzusetzen. Der Film THE NOTORIOUS wird seinen Legendenstatus noch ein weiteres Mal unterstreichen. Think big! R.I.P. (dj clapto)


en.wikipedia.org/wiki/Ready_to_Die


Release: 1994






The Beastie Boys - Ill Communication

Michael MIKE D Diamond (Rap, Drums), Adam MCA Yauch (Rap, Bass) und Adam ADROCK Horowitz (Rap, Gitarre) sind die BEASTIE BOYS. Die Wurzeln des legendären Trios aus New York City reichen ins Jahr 1979 zurück. Damals machte die Truppe unter dem Namen The Young Aborigines in der Besetzung Michael Diamond, John Berry und Kate Schellenbach die Clubs von NYC unsicher. 1981 stiess dann Adam Yauch zur Band. Mit dieser Erweiterung wurde aus The Young Aborigines THE BEASTIE BOYS. 1982 wurde John Berry durch Michael Horowitz ersetzt. Zwei Jahre später entdeckte und signte Def Jam-Gründer Rick Rubin die Combo, was für die BEASTIE BOYS den Startschuss einer beispiellosen Karriere bedeutete. Kate Schellenbach nahm aufgrund von Differenzen mit Rubin den Hut. 1984 erschien die EP Rock Hard. Den ersten Karrierehöhepunkt markierte 1986 das Album License To Ill, eine Mixtur von knochentrockenen Old School Beats und verstimmten Gitarrenriffs, erklomm die Spitze der Billboard Charts. Der Song Fight For Your Right (To Party) schaffte es bis auf Platz 7 der Single-Charts. Bis und mit 1992 veröffentlichten die BEASTIE BOYS zwei weitere Studioalben (Pauls Boutique und Check Your Head).
1994 releasten Mike D, MCA und Adrock auf Grand Royal/Capitol Records dann den legendären Longplayer ILL COMMUNICATION. Diese LP ist für die BEASTIE BOYS als auch für die Hip Hop Szene was die Musik als auch den Erfolg und Hype angeht ein Markstein. Den Hype verdanken die BEASTIE BOYS nicht zuletzt auch dem Erfolg der ersten Singleauskopplung SABOTAGE und dem dazugehörigen Video, eine herausragende Persifalge auf Polizei-TV-Serien der 70er-Jahre. ILL COMMUNICATION besticht als Ganzes durch Open Mindness, wie sie die Szene wohl kein zweites Mal erleben durfte. So zollt das Trio ihren Roots mit zwei kurzen Hardcore Punk Songs Tribut (Tough Guy, Heart Attack Man), besticht mit Tracks, deren Hauptaugenmerk auf harten aber eingängigen Gitarrenriffs und den urtypischen Rapflows von Mike D, MCA und Adrock liegt (Sabotage, Alright Hear This, Scoop), überzeugt den hinterletzten Realkeeper mit dem Ohr für DEN Loop schlechthin (Sure Shot, B-Boys Makin With The Freak Freak, Root Down, Get It Togheter feat. Q-Tip, Flute Loop, Do It feat. Biz Markie), wandelt mit den Delirium-Rap-Tracks für funky Drums und übersteuerte Stimmen (The Update, Bodhisattva Vow) auf holprigen Pfaden und nimmt ihre Zuhörerschaft mit instrumentalen Tracks, die sich in den Tiefen von Funk, Jazz und Dub verlieren, um zum Ende doch auf den Punkt zu kommen, mit auf eine Reise in die Weiten des Universums BEASTIE BOYS (Bobo On The Corner, Sabrosa, Futtermans Rule, Eugenes Lament, Rickys Theme, Shambala, Transitions).
Als Titeltrack des Albums könnte man Get It Togheter (feat. Q-Tip) bezeichnen, da der Track mit folgenden Zeilen ausläuft: Gonna get it togheter (watch it), gonna get it toghter (Ma Bell), I’m like Ma Bell, I got the ill communication, Ma Bell, I got the ill communication. Ma Bell steht für die amerikanische Telekommunikationsfirma Bell System (AT&T), die von 1913 bis 1984 eine staatlich beglaubigte Monopolstellung einnahm und immer wieder wegen technischer Schwierigkeiten negativ auffiel. Diesen Missstand (staatlich subventionierte Kommunikationsstörungen) bezeichneten die BEASTIE BOYS als Ill Communication.
Nach License To war Ill war ILL COMMUNICATION das zweite Album der BEASTIE BOYS, das die Billboard Charts toppte und erreichte in den Staaten dreifachen Platinstatus. (ruedi snare)

Videos:
Sure Shot: http://www.youtube.com/watch?v=M5GXj1jwb1U
Root Down: http://www.youtube.com/watch?v=XUrBt0VSjlA&feature=related
Sabotage: http://www.youtube.com/watch?v=H4PN7Xbexq4&feature=related


checkyourhead.beastieboys.com


Release: 1994






Nas - Illmatic

Nasir bin Olu Daru Jones (* 14. September 1974 in Queens, New York), besser bekannt als Nas, veröffentlichte sein Albumdebüt „Illmatic“ am 19. April 1994 auf Columbia Records. „Illmatic“ gilt als Meilenstein der Rap-Geschichte, dies dank Nas’ zum diesem Zeitpunkt einzigartigen Flows und Texten, die das harte Leben afroamerikanischer Jugendlicher Ende der Achtziger- und anfangs der Neuzigerjahre in Queens aufgriffen und in wortgewaltiger Bildsprache schilderten. Nas verarbeitet auf „Illmatic“ seine Eindrücke vom Leben und den eigenen meist schlechten Erfahrungen. Als Nasir acht Jahre alt war, liessen sich seine Eltern scheiden. Gut vier Jahre später schmiss er die Schule und begann seinen Lebensunterhalt mit Dealen zu bestreiten. Was Geschichte und Politik anbelangte, blieb Autodidakt Nas am Ball und befasste sich intensiv mit den Wurzeln und der Gegenwart des Schwarzen Mannes in Afrika und den Staaten, mit der Bibel und dem Koran. Auch die Nation Of Gods And Earth (einigen wohl besser bekannt als Five Percent Nation) stand im Zentrum seines Interesses. Mit dieser Geisteshaltung stand Nas nicht alleine da. So vertraten auch der Wu-Tang Clan, Gangstarr, Brand Nubian oder Rakim dieses Gedankengut. Auch Shafiq Husayn greift diese Ansichten in seinem im September erscheinenden Album „En’ A-Free-Ka“ auf.
So stellt Nas auf „Illmatic“ den Konsum und Handel mit Drogen, Waffengewalt und Perspektivenlosigkeit sowie die Unterdrückung der Schwarzen Gesellschaft in den Staaten ins Zentrum seiner Raps. Im Opener „N.Y. State Of Mind“ berichtet er über das Leben und die Hackordnung in den Strassen von Queens („Got younger niggaz pullin’ the triggers bringin’ fame to they name, and claim some corners, crews without guns are goners”) und im Track “Life’s A Bitch” vom Überlebenskampf und der Hoffnungslosigkeit („Life’s a bitch and then you die, that’s why we get high, cause you never know when you gonna die”). Die Beats auf “Illmatic” stammen von den Szenegrössen DJ Premier, Pete Rock, Q-Tip, L.E.S. und Large Professor. Letzterer featurte Nas 1991 auf dem Album „Breaks The Atoms“ seiner Combo Main Source auf dem Track „Live At The Barbeque“. Einziger Gast am Mic auf “Illmatic” ist AZ. Auch Nas’ Vater Olu Dara hat einen Gastauftritt auf der LP. Der Jazzmusiker spielte für den Track „Life’s A Bitch“ die Trompete ein. (ruedi snare)


www.myspace.com/nas


Release: 1994






Wu-Tang Clan - Enter The Wu-Tang (36 Chambers)

Rückblende: Damals versuchten wir uns in allem. Björn blieb auf der Matte, weil er der Mann für Windmühle, Headspins und dergleichen war. Christoph und Ruben zogen in Nacht-Und-Nebel-Aktionen von Wand zu Wand. Mit Ruben rockte ich Freestyle Sessions in seinem Zimmer, er an den Turns, ich am Mic. Hängengeblieben bin ich schlussendlich aber an Reglern und Loops. Für diese Liebesbeziehung war unter anderem auch mein erstes Album auf Vinyl ENTER THE WU-TANG (36 CHAMBERS) verantwortlich.

In der zweiten Hälfte der 80er-Jahre fanden die Cousins Gary Grice (The Genius) und Robert Diggs (Prince Rakeem) mit Russell Jones (The Specialist) zusammen und gründeten die Crew Force Of The Imperial Master. Das Dreigestirn konnte sich keinen Plattendeal erarbeiten, machte sich aber in der Untergrund-Szene von New York City einen Namen. The Genius und Prince Rakeem releasten 1991 beide ihre erfolglosen Solodebüts und wurden von ihren Labels gedropt. Alsbald wurde aus Prince Rakeem RZA und aus The Genius GZA. Auch Russell Jones gab sich eine neue Identität und war fortan als Ol Dirty Bastard bekannt. Bis 1993 wuchs die Crew um Beatbastler und Mastermind RZA auf 9 Mitglieder an, spielte als WU-TANG CLAN Demos ein und veröffentlichte die Promo-12inch Proteck Ya Neck. Diese blieb nicht ungehört. Und so kam es, dass der Klan am 09. November 1993 auf Loud Records das Album ENTER THE WU-TANG (36 CHAMBERS) veröffentlichte. RZA produzierte alle Beats und war auch am Mic präsent. Neben RZA standen GZA, ODB, Method Man, Raekwon, Ghostface Killah, Inspektah Deck, U-God und Masta Killa in der Booth und recordeten die Raps für das legendäre und für den Hip Hop-Sound der 90er wegweisende Album. So verwendete RZA für seine Beats vor allem Samples aus der Sparte Soul, mit Vorliebe von Songs, die für Filmmusik verwendet wurden. Zuvor dominierten rohe Sounds von Acts wie Run DMC oder den Beastie Boys, der Funk von Afrika Bambaataa und der Westcoast oder der Jazz von Heads wie Ali Shaheed von A Tribe Called Quest das Spiel. The RZA und parallel dazu auch Pete Rock brachten mit ihren Produktionen neue Aspekte in den Produktionsprozess mit ein.

ENTER THE WU-TANG (36 CHAMBERS) verzeichnete überraschend grosse Chartserfolge, bedenkt man, dass das Album mit dem kleinstmöglichen Budget und folglich im kleinstmöglichen Studio recordert wurde. Weil sich die Clan-Mitglieder bei den Aufnahmen in den engen Räumlichkeiten quasi auf die Füsse standen, liess RZA die MCs angeblich gegeneinander battlen, um herauszufinden, wer wann auf welchem Beat seine Lines spitten sollte. So entstand auch der Track Meth vs Chef, der zwar nicht auf dem Album zu finden ist, ein Jahr später aber dem Solodebüt von Method Man auftauchte. Der grösste Erfolg hatte der 1994 als 12inch veröffentlichte Track C.R.E.A.M., der in den Billboard-Charts bis auf die Position 60.

Neben den Produktionen von RZA waren auch die Raps auf dem Album wegweisend für viele Produktionen der 90er-Jahre, sowohl was die Flows als auch was Inhalte der anbelangt. So erzählten die MCs vom harten Leben in NYC (aber nicht wie dies Public Enemy mit dem Fokus auf Rassismus gegen die Schwarze Gemeinschaft tat, sondern ganz generell) und vom Drogenmissbrauch zwecks Realitätsflucht. So entstanden Bilder, die mit Eindrücken aus Martial Arts Films (der fernöstlichen Variante von Action Filmen) und Impressionen aus Comics angereichert wurden, was eine ganz eigene Sichtweise der Dinge ergab. Dies soll aber nicht heissen, alle Clan-MCs hätten denselben Style, nein, das Gegenteil ist der Fall. So liess jeder der ganz eigenen Charaktere seine Sicht- und Ausdrucksweisen, seinen Humor und seinen unverkennbaren Flow in die Produktionen einfliessen, was ENTER THE WU-TANG (36 CHAMBERS) zu einem Highlight der Musikgeschichte machte. (ruedi snare)


www.wutang-corp.com


Release: 1993






Geto Boys - The Geto Boys

Protest und Explicit Lyrics sind zwei wichtig Attribute, die für das Schaffen und die Ausdrucksform von Scarface, Willie D und Bushwick Bill - besser bekannt als GETO BOYS - stehen. Was Straight Outta Compton für NWA, war THE GETO BOYS für die drei Mannen aus Houston/Texas. Auf beiden Alben wird harte Sozialkritik am Weissen Amerika geübt, die GETO BOYS gehen was Wortwahl und Bildsprache betrifft aber noch ein wenig härter zur Sache als ihre Brüder im Geiste aus Los Angeles. Das Album THE GETO BOYS erschien 1990 über Rick Rubins Def Jam Label und war eine Zusammenstellung von älteren Songs, die durch zwei neuen Tracks ergänz wurde. Geffen Records sollte das Album vertreiben, weigerte sich aber, da ihrer Ansicht nach im Track Mind Of A Lunatic die explizite Darstellung von Vergewaltigungen, Nekrophilie und Mord nicht tragbar gewesen sei. Schliesslich übernahm Giant Records den Vertrieb. Auf dem Nachfolger zu THE GETO BOYS verarbeiteten Scarface, Willie D und Bushwick Bill diese Erfahrungen im Song Mind Playing Tricks On Me, der nicht nur innerhalb der Szene grosse Beachtung fand. (ruedi snare)


www.virginrecords.com/geto_boys/memory


Release: 1990






Run DMC - Raising Hell

Jason Mizell aka Jam Master Jay († 30. Oktober 2002), Darryl McDaniels aka DMC und Jospeh Simmons aka Run aus Queens/NYC gründeten 1982 die legendäre Rap-Combo RUN DMC. Ihren ersten Plattenvertrag unterschrieben die Jungs 1983 bei Profile Records. Zu diesem Deal kamen sie dank der Connections von Josephs älterem Bruder Russell (gründete 1984 zusammen mit Rick Rubin Def Jam Records), der seinem jüngeren Bruder Ende der 80er-Jahre den Job als Kurtis Blows DJ vermittelte, dessen Promoter Russell damals war. Joseph blieb aber nicht bei den Turntables, sondern griff zum Mic und begann zu beatboxen und Raps zu kicken.
1983 releasten RUN DMC ihre erste 12inch ITS LIKE THAT/SUCKER MCS. Ein Jahr darauf folgten das Albumdebüt RUN DMC und 1985 ihr Zweitling KING OF ROCK. Mit diesen Releases gelang es RUN DMC bereits beachtliche Erfolge in den Billboard Charts zu landen und bei MTV auf Heavy Rotation abgespielt zu werden. Der richtig grosse Wurf gelang ihnen 1986 mit dem Release ihres dritten Longplayers RAINSING HELL.
Das Album erschien am 18. Juli auf Profile Records und wurde von Russell Simmons und Rick Rubin produziert. RAISING HELL blieb bis in die zweite Hälfte der 90er-Jahre das Rap-Album, von dem mit Abstand die meisten Einheiten verkauft wurden. Dies nicht zuletzt dank der Zusammenarbeit mit der legendären Rocktruppe Aerosmith, mit denen RUN DMC deren Song Walk This Way neu auflegten. Diese genreübergreiffende Zusammenarbeit sollte als einer der grössten Hits der 80er-Jahre in die Musikgeschichtsbücher eingehen. Ausserdem brachte dieser Song die Truppe um die Toxic Twins Perry und Tyler wieder zurück ins Geschäft und festigten RUN DMCs Ruf als eine Art Crossover-Band. Die drei Mannen aus Queens hatten seit Anbeginn ihrer Karriere keinerlei Berührungsängste, was den Mix mit eigentlich für Rap doch eher untypischen Musikstilen betrifft. Neben dem Überhit Walk This Way finden sich mit den Tracks My Adidas – die Bilder der Crew in Adidas Superstars ohne Laces gingen um die Welt und bescherten Adidas einen Hype, der bis tief in die 90er-Jahre hinein anhalten sollte – und Its Tricky zwei weitere Rap-Evergreens auf dem Album.
Die meisten Tracks auf RAISING HELL kommen ohne Gimmicks aus. Ein Satz knochentrockene Drums wurde mit Scratches und Raps versehen, et voilà, fertig war der Track. Das mag altbacken klingen, war 1986 aber eine neue Herangehensweise. So stellt RAISING HELL für die einen den Höhepunkt der Old School dar, für die andern dagegen markiert das Album den Beginn der New School. Und zwar nicht nur was die Sounds, sondern auch was das Erscheinungsbild der Protagonisten betrifft. So waren Acts wie Afrika Bambaataa, Kool Herc, die Sugarhill Gang, Schooly D oder Grandmaster Flash And The Furious Five stark vom Funk- und Disco-Sound der 70er-Jahre, wie ihn George Clinton mit seinen Bands Funkadelic und Parliament zelebrierte, sowie von den Pionieren der elektronischen Musik wie Kraftwerk inspiriert. Catchy und tanzbar musste die Musik sein, schrille Outfits, Sonnenbrillen und Lederhandschuhe dominierten das Erscheinungsbild der Akteure. RUN DMC hingegen brachten als erste die rohen Styles – the raw shit – was den Rap, die Beats und auch die Outfits betraf. Ausserdem schafften sie es dank der Kollabo mit Aerosmith als erster Rap-Act, auch die Weisse Mittelschicht in ihren Bann zu ziehen und an ihre Konzerte zu locken, was ihnen in der bis dato Schwarzen Szene nicht nur Freunde bescherte. So gelang RUN DMC mit RAISING HELL der vollständige Tabubruch, was sie ansatzweise schon mit ihren ersten Releases erreichten. Die Beastie Boys schlugen als die ersten weissen Rapper mit Punk-Attitüde in eine ähnliche Kerbe und rissen mit ihrem 1986 veröffentlichten Album Licensed To Ill Tabus von der anderen Seite des Games ein. (ruedi snare)


www.rundmc.com


Release: 1986




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