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NEW RELEASES



Fresh Face - Fresh Henry der Packernacken EP

RELEASE OF THE MONTH


Die Raps mitten in die Fresse, die Beats smooth wie Büffelmozzarella.





http://hhv.de/shop/de/artikel/fresh-face-fresh-henry-der-packernacken-ep-302597


Release Date: 3.4.2013






Action Bronson - Blue Chips

Eigentlich ist ja Action Bronsons „Blue Chips“ weder neu noch ein Album. Ein Jahr danach kommt das Mixtape nun doch noch zu verdienten Ehren und wird auf Vinyl releast. Das ist dann wohl Album-Status, isn‘t it?! Ist ja schliesslich auch besser als eine Vielzahl von echten Alben, dieses Mixtape. Wer sich das Teil bisher noch nicht auf die hauseigene Kiste gezogen hat, der folge bitte unten stehendem Link. Das Vinyl kommt im März. Angekündigt ist es auf den dritten, was insofern doch ziemlich sonderbar ist, als dass der dritte ein Sonntag ist. Ist ja egal, Hauptsache das Teil kommt bald. (ruedi snare)


djbooth.net/index/mixtapes/entry/action-bronson-blue-chips-mixtape


Release Date: 3.3.2013






Waldo The Funk - Toykids EP

Spätestens seit Huss Und Hodn wollen alle wieder conscious sein. Und auf Vinyl releasen. Zweiteres weiss ich natürlich sehr zu schätzen. Wer nun conscious ist und was Consciousness überhaupt bedeutet, sollte jeder für sich selbst erörtern. Ob sich Waldo selbst als conscious MC sieht oder nicht, enzieht sich meiner Kenntnis. Das Etikett wird er indessen so oder so auf die Stirn geklebt bekommen. Die Szene kennt da ebenso wenig Erbarmen wie Journalisten und Blogger. Und ist jemand erstma in eine Ecke gedrängt, wird er gleich mit Vergleichen traktiert, warum jener besser sei und umgekehrt und sowieso. Nein, die „Toykids EP“ ist nicht das Mass aller Dinge, was bei einer solchen Fülle von wirklich guten Releases aus der Deutschrap-Ecke (darf man das sagen?) auch ein überaus ambitioniertes Ziel wäre. Aber die Scheibe ist nice und die Vorfreude gross, sie ins Regal zu den andern Scheiben zu schieben, um sie ab und an wieder hervor zu holen und auf den 1210er zu legen. (ruedi snare)


wsp-entertainment.de/waldo-the-funk


Release Date: 1.3.2013






Submerse - Algorithms And Ghosts

Hip Hop ist nicht mehr in. Wer Beats macht, stört sich an diesem veralteten, gefährlich konotierten Begriff, der meist schlechte Bilder erzeugt. Electronica klingt eh viel schöner. Schliesslich trägt man auch keine weiten Jeans mehr. Heute trägt man Skinny. Ob „Algorithms And Ghosts“ nun mehr Hip Hop oder Electronica oder beides zu gleichen Teilen oder ganz was anderes ist, sei der Einfachheit halber jedem selbst überlassen. Ob‘s gefällt natürlich auch. Soviel sei verraten: Mir gefällt die EP, auch wenn meine Jeans nicht skinny sind. (ruedi snare)


projectmooncircle.com/releases/135


Release Date: 14.2.2013






DXA - DXA EP

Wer nach DXA googelt, wird alles finden, was nichts mit der vierköpfigen Truppe aus NYC zu tun hat. Sucht man nach DXA in Kombination mit Rap funktionierts. Nein, die Jungs haben noch keine grossen Wellen geschlagen. Ist ja auch kein Wunder, is ja nix neues, was die vier Freunde vom Stapel lassen. So jazzy Boom Bap eben, haben die in den Staaten ja schon anfangs der Neuziger perfekt aufm Kasten gehabt. Die haben da wohl was verpennt die Jungs. Conscious eben. Und nice eben auch. Muss ja nicht immer alles 2.0 sein. Inne halten, tut ab und an auch ganz gut. In diesem Sinne... zum Feierabendbier leg ich mir die „DXA EP“ aufn Teller und chill ein bisschen. (ruedi snare)


dxarecords.bigcartel.com/product/pre-order-dxa-self-titled-ep-12


Release Date: 6.2.2013






Herr Sorge - Verschwörungstheorien Mit Schönen Melodien

Zählt nun Vorname oder Geschlecht? Sorge ist Samys Geschlecht und Samy eben dessen Vorname. So steckt schlussendlich wohl ungefähr gleich viel oder eben gleich wenig Wahrheit in beiden Aliasen. Erzählen tun beiden Figuren in etwa dasselbe, bei Herr Sorge klingt nun einfach diametral anders als noch bei Herr Deluxe. Deshalb auch der Aufschrei der Empörung in seiner Fanbase. So verdammt mies, wie das neue Album von seinen Fans und grossen Teilen der Szene gemacht wird, ist es sicher nicht. Aber so gut, wie es Samy wohl selbst findet eben beileibe auch nicht. Herr Sorge wartet wie schon Herr Deluxe mit schönen Wortspielen auf, inhaltlich kratzen ersterer wie auch letzterer aber eben doch bloss ander Oberfläche. Neu erfunden hat sich Samy mit seinem neuen Character nicht. Als Herr Sorge darf er sich einfach mal mit Autotune auf teilweise übelst schlageresken Beats austoben. Nachhaltigkeit klingt anders. Fazit: Zwei drei Tracks sind richtig gut, mindestes soviele sind richtig schlecht und der Grossteil ist nicht mehr und nicht weniger als Mittelmass. Nun, das spielt im Zeitalter von Smartphones und iTunes sowieso keine Rolle, nicht, Herr Sorge? (ruedi snare)


herrsorge.de


Release Date: 30.11.2012






Myka 9 & Factor - Sovereign Soul

Myka 9 für die Raps, Factor für die Beats. So einfach ist das Rezept für „Sovereign Soul“. Einen Haken hat der Beschrieb aber schon, ist Myka 9 doch mehr Vocalist denn Rapper. Im Pressetext zum Album wird mal wieder darauf hingewiesen, dass Myka 9 absurderweise viel zu wenig Echo bekomme, wenn sein Können ins Verhältnis mit seinem Bekanntheitsgrad gesetzt werde. Nun, wer sich keinen Bedürfnissen beugt und sein eigenes Schaffen und die Kunst über alles stellt, wird sich von solchen Kleinigkeit sicher nicht von seinem Weg abbringen und weiterhin das tun, was er am besten kann. „Sovereign Soul“ hat seine starken und schwachen Momente, wobei erstere überwiegen. Hätte man nur schon 3 der 13 Tracks gestrichen, wäre „Sovereign Soul“ wohl ein richtig gutes Album. So hat es da und dort eine leicht fahlen Beigeschmack und ist genau das richtige für das iTunes-Zeitalter, aber nichts fürs Plattenregal. (ruedi snare)


humrecords.ch/detail.php?id=144549


Release Date: 1.11.2012






Kid These Days - Traphouse Rock

Macie Stewart (Vocals/Keys), Nico Segal (Trumpet), J.P. Floyd (Trombone), Vic Mensa (Rap), Lane Beckstrom (Bass), Greg Landfair Jr (Drums) und Liam Cunningham (Guitar/Vocals) sind Kids These Days. Mit „Traphouse Rock“ haben die jungen Musiker ihr Debütalbum abgeliefert. Das Ensemble in irgendeine musikalische Ecke stellen zu wollen, ist ein unmögliches Unterfangen. Kids These Days ist Jazz, Blues, Hip Hop, Funk, Pop, Brass Band, Soul und Punk. Das Septett aus Chicago macht sich alle Styles zu eigen, spielt mit dem Charme einer Schülerband und zitiert sich rotzfrech durch die Musikgeschichte vergangener Jahrzehnte. So gibt es immer wieder musikalische Zitate und Anspielungen zu entdecken, die einem zuweilen an den Rand des Wahnsinns treiben. Damn, den Scheiss kenn ich doch…?! Nirvana, Marvin Gaye & Tammi Terrell, Pixies, Roy Hargrove, Grover Washington Jr., Radiohead, Stevie Wonder und Solomon Burke. Von all jenen, die ich vergessen habe, aufzuzählen oder die beim ersten Hördurchgang schlicht nicht auf meinem Radar erschienen sind, ganz zu schweigen. Zum Schluss des Album gibt‘s dann noch eine fantastische Reinterpretation von D‘Angelos „Africa“ und eine Synthese von James Browns „It‘s A Man‘s World“ und „Summertime“ aus der Oper Porgy and Bess. Yep, „Traphouse Rock“ ist ein dickes Ding in allerlei Hinsicht. Irgendwie vereint Kids These Days Attitüde, Energie und Spielfreude The Roots, N.E.R.D. und Odd Future-in sich, ohne dabei Abstriche den eigenen Charakter betreffend zu machen. Kids These Days ist trotz dieser Vergleiche und der Unzahl an musikalischen Zitaten auf ihrem Album nicht der Hauch einer Blaupause. „Traphouse Rock“ macht Spass von der ersten bis zur letzten Sekunde und Lust auf mehr. Shit is so f%+=$#g fresh! Und erst noch für lau! Den Downloadlink gibt‘s auf der Homepage der Truppe.


kidsthesedaysband.com


Release Date: 30.10.2012






Fid Mella - Tatas Plottn

Dass Melting Pot Music das Zuhause der Cracks an Pads ist, weiss die Gemeinde spätestens seit der ersten Episode des noch nie kopierten weil eh nicht erreichbaren Hi-Hat Clubs. Eines der Mitglieder eben dieses Clubs ist Fid Mella, der sich den vierten Akt mit Brenk geteilt hat. Brenk hat schon vor ner ganzen Weile nachgelegt, jetzt hat Fid Mella es ihm gleich getan und „Tatas Plottn“ in die Ladenregale gestellt. Das Teil, dessen Rohstoffe Tatas Plottn sind, ist 29 kurze, äusserst freshe Beats stark. Der gute Tata scheint in jungen Jahren Progrock gemocht zu haben, was auch das Albumcover untermauert. Schonmal von King Crimson gehört, liebe Gemeinde? Was Fid Mella aus den Rohstoffen geschmiedet hat, ist urfeinste Kost und erinnert, obschon dem Bastler aus Wien der ureigene Style unmöglich abgesprochen werden kann, an Dillas Donuts. Ob der Herr Papa auch Soul, Jazz oder Volksmusik im Plattenregal stehen hatte, wird uns Fid Mella irgendwann vielleicht auch noch verraten. Bis dahin haben wir viel Spass mit „Tatas Plottn“. (ruedi snare)


mpmsite.com/?area=records&view=detail&id=858


Release Date: 12.10.2012






JJ DOOM - Key To The Kuffs

Wer DOOM ist, das weiss die Gemeinde. Hinter dem Kürzel JJ verbirgt sich Jneiro Jarel, seineszeichens Beatschmied und MC aus Brooklyn, der heute in Philadelphia zuhause ist und auch als Dr. Who Dat? und Kopf hinter Shape Of Board Minds ist. Nun haben die beiden als JJ DOOM den Longplayer „Key To The Kuffs“ releast. Was die beiden auf die Szene loslassen, wäre vor ein paar Jahren noch als abstrakt oder avantgardistisch betitelt worden. Heute sind die Sounds der beiden zwar nicht Normalfall, aber etabliert, will heissen, Heads erschrecken nicht mehr, wenn sie DOOMs monotones, laszives Genuschel oder Beats, die sich nicht an das die-Kick-auf-die-Eins-und-die-Snare-auf-die-Drei-Schema halten, auf die Lauscher geklatscht bekommen. Trotzdem ist „Key To The Kuffs“ noch heute eine überaus gelungene Abwechslung zum Gros der aktuellen Releases. Trotz holpriger Drumsounds nicken Köpfe automatisch mit und DOOM zwingt einem förmlich dazu, ihm zuzuhören, nicht zuletzt deshalb, weil man meist mindestens zweimal hinhören muss, bis angekommen ist, was der Herr da eigentlich vom Stapel lässt. Yep, „Key To The Kuffs“ ist Dickesding. For real! (ruedi snare)


http://humrecords.ch/detail.php?id=143874


Release Date: 6.9.2012






Brother Ali - Mourning In America And Dreaming In Colour

Er war der Nette. Der, der anders war. Ein Albino aus Wisconsin, der so gar nicht dem zu entsprechen schien, was Hip Hop und Rap gegen aussen getragen hatte. Nicht böse, nicht wütend, nicht frech, nicht überheblich. Keine Battles, keine Eskapaden. Seine Texte drehten sich um das einfache Leben. Klar, auch er sprach in seinen Texten Schattenseiten des Lebens an. Und mit seinem zweiten Album „Shadows Under The Sun“ (2003) hat er sowas wie einen Underground-Classic hingelegt. Mit seinem neuen Album „Mourning In America And Dreaming In Colour“ haben sich nun die Winde gedreht. Yep, Brother Ali kann kann auch anders. Albumcover und -titel sagen eigentlich schon alles. Auf dem neuen Album öffnet Ali den Zoom und legt dar, was ihm nicht passt in Tagen wie diesen. Vorallem der Titeltrack und „Gather Round“ sind unmissverständliche Statements zur Lage der Nation und zum globalen Treiben dieser Tage, ohne dabei wegen übermässigem Gebrauch von F-Wörtern und ähnlichem ständig ausgepeept zu werden. Die Beats auf dem Album gehen allesamt aufs Konto von Jake One, der seine Sache zwar gut macht, dann und wann aber doch ein wenig ins Belanglose abdriftet. Nichts desto trotz weiss „Mourning In America And Dreaming In Colour“ zu gefallen und ist ein willkommener Antipode zu all dem immergleichen Geschwätz und überholten Attitüden von Aushängeschildern der Szene. (ruedi snare)


http://brotherali.com


Release Date: 31.8.2012






Max Herre - Hallo, Welt!

Die Gemeinde atmet auf. Yep, der verlorene Sohn ist zurück. Endlich. Geschlagene acht Jahre hat er nichts von sich hören lassen, sieht man von den zwei Tracks und der Tour im Zuge des runden Geburtstags vom Freundeskreis und vom Soloalbum von vor drei Jahren, was ja nun wirklich nicht hätte sein müssen, mal ab. So sieht das wohl ein Grossteil der Gemeinde. Ich getrau mich ja schon fast nicht zu sagen, dass mir „Ein Geschenkter Tag“ gefällt. Nun denn, sei‘s drum. Max Herre ist also zurück. Und wer zurück ist, der sagt hallo. Der Musiker aus Stuttgart, der schon eine ganze Weile in Berlin lebt, sagt aber nicht bloss hallo, nein, er sagt „Hallo, Welt!“. Schliesslich hat er was zu sagen. Natürlich lässt er sich selbst und sein Umfeld nicht aussen vor. Aber die Welt ist eben gross, der Horizont weit und die Zeiten bewegt. Max war schon immer Lebemensch und Moralphilosoph, ohne sich in Klatschspalten wieder zu finden oder den Zeigefinger zu bemühen. Das zeichnet Max‘ Schaffen aus. Die Mischung stimmt. Das gilt auch für die Beats, die Produkte der Arbeit mit Konsolen und Instrumenten vom Produzenten-Team KAHEDI (Samon KAwamura, Max HErre und Roberto DI Gioia) sind. Nein, den Soul hat Max nicht zurück ins Spiel gebracht. Wer dies behauptete, täte Heads wie Dexter, Morlockk Dilemma oder Twit One unrecht. Mit „Hallo, Welt!“ bringt Max das Feeling der zweiten Hälfte der 90er zurück ins Spiel, ohne dabei auch nur ansatzweise altbacken zu klingen oder Freundeskreis neu aufzulegen. Zugegeben, jeden einzelnen der 17 Tracks hätte ich nicht gebraucht. Neben Lenny Kravitz und Billy Preston sieht der Stuttgarter Jung nicht in erster Linie wegen der Hautfarbe dann doch gar blass aus. Und die Radiosingle steht so gar nicht für das, was „Hallo, Welt!“ eigentlich ist. Aber erstens sind solche Fehltritte ja sowieso immer subjektives Empfinden und zweitens ist der Rest der Scheibe so verdammtnochma fresh, wenn Max vom Jahr der Wahrheit erzählt („1992“) und zusammen mit Megaloh erklärt, was „Rap ist“, wenn er mit „DuDuDu“ meine, deine und nicht zuletzt seine eigene Beziehungskiste aufräumt, wenn er mit Samy Deluxe zum Aufstehen und Queerschlagen aufruft („Einstürzen Neubauen“), wenn er mit Unterstützung von Marteria den „Kahedi Dub“ zelebriert, wenn er von der neckisch lächelnden kleinen Cameriera beim Lieblings-Italiener „Abserviert“ wird oder „Yvonne“ inständig darum bittet, ihm sein Herz zurück zu geben, dass solche Fehltritte sowieso keine Rolle spielen. Und wenn Max hingeht, um mit Tua die Tristesse des Lebens zu erklären („Solang“), seiner Tochter „Vida“ ihr Dasein und das Leben näher zu bringen und mit Unterstützung von Sophie Hunger die Geschichte von Ellie und ihrem Vater, die im Herbst 1938 zwischen Berlin-Weissensee und Tel Aviv spielt, zu erzählen („Berlin - Tel Aviv“), dann wird alles andere zur Nebensache. Nein, mit „Hallo, Welt“ hat Max Herre weder den Soul noch Freundeskreis zurückgebracht. Mit „Hallo, Welt“ zelebriert Max Herre sein Verständnis von Rap und Musik und schenkt uns ein Album mit Songs, die wir uns nicht nur anhören können, sondern erleben dürfen. (ruedi snare)


www.maxherre.de


Release Date: 24.8.2012






The Alchemist - Russian Roulette

Seit den frühen Neunzigern ist der Mann aus Los Angeles aktiv, damals als Teil der Whooliganz. Mitte der Neunziger wurde er ein Soul Assassin und wurde von DJ Muggs in die hohe Kunst des Diggens und Produzierens eingeführt. 1998 steuerte Beats zum Debüt der Dilated Peoples bei. Mit dem Beat für Dilateds „Worst Comes To Worst“ („Expansion Team“, 2001) hat er sich in die Herzen der Gemeinde gesamplet. Yep, die Rede ist von The Alchemist. Obschon der Producer aus Los Angeles umtriebig wie kaum ein anderer ist und das so gut wie das gesamte Who Is Who der Rapszene der Staaten mit seinen Beats ausgestattet hat, von seinen Soloprojekten ganz zu schweigen, ist er bis heute sowas wie ein Geheimtipp oder The Most Underrated geblieben. Daran wird sein neues Album „Russian Roulette“ wohl kaum etwas ändern, obschon er auf schwerste Geschütze auffährt. Auf 45 Minuten Spielzeit verteilt auf 30 Anspielpunkte verbrät ALC ausschliesslich russische Schätze und lässt den Underground aus Ost und West Verse ins Mic spucken, wobei der Fokus stets auf den Beats bleibt. Mit seinem Konzeptalbum „Russian Roulette“ versorgt The Alchemist die Gemeinde mit dem feinsten Stoff seit Dillas Donuts, Madlibs Indienreise und Onras Chinastreifzügen. (ruedi snare)


http://deconrecords.com/2012/05/the-alchemist-announces-russian-roulette


Release Date: 24.8.2012






Cadence Weapon - Hope In Dirt City

Cadence Weapons Debütalbum „Breaking Kayfabe“ (2005) hat mich nicht sonderlich interessiert. Mit dem Zweitling (2008) hat sich das genauso verhalten. Nun hat der MC und Producer aus Edmonton seinen dritten Longplayer releast und wurde erstmal von meinem Radar erfasst. Dies obschon „Hope In Dirt City“ nicht eines jener Alben ist, die ich mir am Stück anhöre. Dafür sind Candence Weapons Flows und Stimme doch allzu monoto. Aber sein neuster Streich hat seine starken Momente, was nicht zuletzt den Beats zu verdanken ist. Mal ist der Beat jazzy, mal soulful, dann wieder reaggesk. Dann wird man in die 80er mitgenommen, um über Breakbeats der 90er wieder im Hier und Jetzt zu landen. Zu den erwähnten wirklich starken Momenten sprich Songs auf „Hope In Dirt City“ zählen der Titeltrack, „Cheval“ und „No More Names“. (ruedi snare)


www.hhv.de/item_283300.htmlhttp://www.hhv.de/item_283300.html


Release Date: 7.8.2012






Aesop Rock - Skelethon

Vor fünfzehn Jahren hat Aesop Rock sein Debüt releast. Eben hat der MC und Producer aus San Francisco sein sechstes Studioalbum nachgelegt. Obschon Aesop schon seit jeher selber in Pads, Tasten und Saiten greift, ist „Skelethon“ der erste Longplayer, den er komplett selber produziert hat. Diese Personalunion mit sich selbst steht Aesop Roch ausserordentlich gut. Die Drums klingen sehr organisch, sind stets mit einer guten Portion Reverb ausgestattet und gehen, obschon sie nie dem üblichen einfachen Kick auf die 1 und die 3 und Snare auf die 2 und 4-Schema folgen, straight nach vorne. Mal klingt der Beat dank verzerrter Gitarre nach Jimmy Hendrix, ein anderes Mal dank weiträumiger Synthesizer nach Tricky. In der Szene klebt man Aesop gerne das Attribut „abstrakt“ auf die Stirn. Mag sein, dass der Grossteil der Rezipienten Mühe bekundet, wenn ein Act anders klingt als das Gros der Szene. Aesop mit dem Attribut „abstrakt“ abzutun, wird der Sache aber nicht gerecht. Klar, der Mann aus San Francisco klingt anders, was dem Spiel insofern gut tut, als dass er so trotz eher düsterer Sounds und Inhalte auf „Skelethon“ Farbe ins Game bringt. Freunde von Acts wie El-P, Busdriver oder Beans werden keine Berührungsänste haben. Das sollten andere Heads auch nicht haben, vor allem dann nicht, wenn in ihren Plattenregalen Scheiben von The Roots, Black Milk, Oh No, Lewis Parker oder sogar Drake oder Hova stehen. (ruedi snare)


www.hhv.de/item_276186.html


Release Date: 25.7.2012






V.A. - Where The Wild Creatures Meet

Steht MPM drauf, is fresh Ding drinne. \\\"Where The Wild Creatures Meet\\\" heisst der Label-Sampler, den es seit der ersten Juliwoche im Laden Deines Vertrauens steht. Auf dem Labelsampler erwartet Interessierte, das was sie nicht erwarten. Ja, Dexter kann auch anders. Damn, Dexter kann eigentlich alles. Der Sinatra Brenk und der Bonny Miles legen mit ihrem Track eine verführerische Duftmarke ihres gemeinsames Albums. The Ruffcats laden für einmal zum Träumen ein. Aischa Traidia auch. Uhuru Peak ist Jazz, Electronica, Soul und Hip Hop in einem. Und Suff Daddy (Suffy ist und bleibt Suffy und liefert mit seinem Track den wunderbaren Korbleger ab, der auf seinem letzten Album gefehlt hat), Funkommunity, BRZZVLL, TBRCK und HADE X Gutta durchlaufen nacheinander alle Stadien von Funkyness. Mein persönliches kleines Highlight liefert aber Medline ab, dies in Form einer unglaublich freshen Interpretation eines Tracks der Stylistics. (ruedi snare)


www.mpmsite.com/?area=records&view=detail&id=822


Release Date: 6.7.2012






Open Mike Eagle - 4NML HSPTL

Nach dem Release der EP „Rent Party Extension“ Ende April hat Open Mike Eagle, Musiker aus Chicago mit Wurzeln in Uganda, nun das Album „4NML HSPTL“ veröffentlicht. Das 13 Tracks starke Werk ist die Symbiose von Rap und Spoken Word, von Electronica und Hip Hop Beats. Wer Acts wie Busdriver oder das Anti Pop Consortium mag, sollte Open Mike Eagle nicht ungehört an sich vorbei ziehen lassen. „4NML HSPTL“ ist definitiv keine leicht verdauliche Kost, weder lyrisch noch soundtechnisch. In Zeiten, in denen zuviele Produktionen schon weichgekocht und vorverdaut wurden, halten Alben wie „4NML HSPTL“ das Spiel am leben. (ruedi snare)


www.hhv.de/item_278582.html


Release Date: 4.7.2012






MF Kauz - Du Nid De Zigoto: The Remix Files

MF Kauz hat‘s wieder getan. Er hat sich in seinem Nest verkrochen, um dort nach Samples zu diggen, diese zu chopen, loopen, mit Drums zu versehen und Vocals abzuschmecken. Resultat sind zehn Remixe von Slum Village, Pete Rock & Grap Luva, Method Man, Das EFX, Pharcyde, Redman, Erykah Badu, Common Sense, Wu-Tang Clan und den Jungle Brothers & De La Soul. Den Download von „Du Nid De Zigoto: The Remix Files“ gibt’s auf Bandcamp. Enjoy! (ruedi snare)




soulmzk.bandcamp.com/album/du-nid-de-zigoto-the-remix-files


Release Date: 4.6.2012






The Ruffcats - The Essence Vol. 1

Wer Jazz-Funk aus den 70ern liebt, wird an The Ruffcats nicht vorbeikommen. Die 8-köpfige Combo aus Berlin wird zumindest Anhänger von Bremen‘s Finest Flo Mega ein Begriff sein. Alle andern tun gut daran, ihre Wissenlücke zu beheben. Mit „The Essence Vol. 1“ bringt das Oktett eine Perle ganz in der Tradition von Genre-Legenden wie James Brown, Herbie Hancock, Miles Davis, Gary Bartz oder Donald Byrd an den Start. Die Werkzeuge sind Drums und Percssion Bass, Gitarre, Keys und Bläser, die Zutaten Funk und Jazz in rohen Mengen. Verfeinert wird die Mélange mit Elementen aus afrikanischen und südamerikanischen Rhythmen. Und beim Track „The Baaang!“ schaut dann auch noch Jimmy Hendrix kurz rein. Nenn es Jazz-Funk, nenn es ganz einfach Funk, nenn es Fusion, nenn es wie Du willst. Fest steht, die Sounds sind verdammtnocheins ruff und die Cats haben a whole lotta Soul. (ruedi snare)


facebook.com/TheRuffcats


Release Date: 23.5.2012






Reks - Straight, No Chaser

Es gibt sie, die Leute (nenn sie Heads, nenn sie Reformer, nenn sie Journis, nenn sie wie Du willst), die das Rad immer wieder neu erfunden haben wollen, die denken, Rap kranke, sei kurz vorm Ersticken und/oder komme nicht vom Fleck. Diesen Leuten wird das neue Album von Reks nicht gefallen. „Straight, No Chaser“ heisst die Scheibe, die klingt, als wäre sie in der zweiten Hälfte der 90er erschienen. Die Tempi immer irgendwo um 94bpm, da darf‘s mal ein bisschen schneller, dort ein wenig langsamer sein, keine hektischen Hats, Sampling, keine Synthesizer. Der Mann an den Pads ist Hip Hops Hans Dampf Statik Selektah. Genau wie der Mann für die Beats hält‘s auch der Mann am Mic. Nicht bloss „Ich bin eh besser als du und hab Bitches, Autos und Autos und Autos und Kohle“, sondern Delivery. Yep, Reks hört man gerne zu. Wegen der Inhalte und wegen der entspannten Flows. Nicht neues unter der Sonne. Die einen sehen Rap sterben wegen solcher Alben, die andern sehen in Alben wie „Straight, No Chaser“ die Konstante, die Rap erst am Leben hält. Mir gefällt das Album. Drei, vier richtig schöne Perlen wie auch einen, vielleicht zwei Tracks, die nicht nötig gewesen wären, featuret das Ding. Der Rest ist guter Stoff. Zugegeben, wenn das Album durch ist, hör ich es mir nicht gleich nochmals an, aber ich kann‘s problemlos am Stück hören, was in Tagen wie diesen keine Selbstverständlich und wie schon in den goldenen Zeiten ein Qualitätsmerkmal ist. (ruedi snare)


facebook.com/pages/Reks/121049345732


Release Date: 22.5.2012






MaLLy & The Sundance Kid - The Last Great...

MaLLy & The Sundance Kid ist ein Tagteam aus Minneapolis. Ersterer ist der Mann für die Raps, letzterer der für die Beats. Mitte Mai haben die beiden „The Last Great...“ releast. Yep, das Teil ist verdammtnochma fresh. Richtig derbe fresh. Sowohl was die Raps als auch was die Beats betrifft. Fresh vom ersten bis zum letzten Takt. Ausfälle? Keine. Uuund... das Teil ist gratis. Zumindest für jene, die sich mit dem Download zufrieden geben. Wer eine CD will, kann eine kaufen. Wer Vinyl will, hat Pech. Gibt‘s nicht. Gäb‘s „The Last Great...“ auf Plastik, dann würd‘s in meinem Regal stehn. Is ja schliesslich echt dicke Post, was die beiden da abgeliefert haben. Richtig dicke. Gäste am Mic sind K.Raydio, Claire De Lune, Truth Be Told und Brother Ali. (ruedi snare)


www..soundcloud.com/mallympls/sets/mally-the-sundance-kid-the-3/


Release Date: 15.5.2012






Roger - 4S Punks

Der Roger ist der vom Topf, der mit den Augenzwinkerlyrics, dem Schmunzeln, der mit den WM Rap-ortagen, der Alfred Hip Hop, der Edgar Allen Flow, was er liebt, ist ein dicker und Beat und ‘n Bass, und was er hasst, dass das den andern Mietern nicht passt. War 2008 noch „Alles Roger“, sieht Roger in diesen Tagen überall „4S Punks“. Mit „4S Punks“ karikiert Roger die Gesellschaft. Hat er seine Karikaturen auf früheren Releases noch mit einem guten Schuss Ironie versehen oder mit einem Schmunzeln vorgetragen, spielt Roger auf seinem neuen Album härter auf den Mann, geht härter mit der Gesellschaft, mit sich selbst als Teil der Gesellschaft und auch mit sich selbst als ein Individuum ins Gericht. Trotz dunkler Momente ist „4S Punks“ kein düsteres Album. Wer es sich angehört hat, wird danach nicht seine Dienstwaffe aus dem Schrank holen, um in der Innenstadt wahllos auf Passanten zu schiessen, weil er mit sich und der Welt nicht mehr im Reinen ist. Wer sich „4S Punks“ angehört hat, wird vielmehr einen Moment inne hallten, um über dich, mich und sich selbst nachzudenken und sich fragen, in welchem Film wir hier eigentlich sitzen und wer Regie führt. Natürlich dürfen wir manchmal auch schmunzeln und dank des Tracks „Serienkiller“ eine übelst freshe Liebeserklärung an Rap geniessen. An den Pads bekommt Roger Unterstützung von sich selbst, hat er doch das komplette Album selber produziert. Das Egokonzept geht voll auf, legt der Roger am Beat dem Roger am Mic doch Steilvorlage um Steilvorlage auf. Dabei schaut er weder links noch rechts, jagt keinen Trends nach, sondern macht schlicht und einfach sein Ding. Sollte ein Konzept hinter dem Album stehen, dann war‘s wohl die Intention und der unbedingte Wille, seinen eigenen Film zu vertonen. Hut ab, in Zeiten von „4S Punks“ ist es schliesslich nicht mehr üblich, eigene Wege zu gehen. (ruedi snare)


facebook.com/rogerswelt


Release Date: 14.5.2012






Min King - Am Bluemeweg

Der Irrglaube, Weisse hätten keinen Soul, ist noch immer weit verbreitet. In der westlichen Welt kommt man mit Herzensgüte und Ehrlichkeit ja auch nicht besonders weit. Klingt wohl zynisch und mag eine Fehleinschätzung meinerseits sein, aber Gegenbeweise mit vernüftiger Halbwertszeit sind mir bis dato keine unter gekommen. Nun gut, der Beweis, dass nicht bloss Schwarze Soul haben (und ich meine nicht soulige Popmukke oder moderner R&B, ich rede vom Phänomen, das in der zweiten Hälfte der 50er mit Ray Charles, Sam Cooke und James Brown begann und zwanzig Jahre später mit Al Green endete), wurde ja auch noch nicht allzu häufig angetreten. Amy Winehouse, Joss Stone, Eli Paperboy Reed, Mayer Hawthrone, Alice Russell und Ben L’Oncle Soul kommen mir spontan in den Sinn (es wird natürlich kein Anspruch auf Vollständigkeit der Aufzählung erhoben). Wenn’s dann noch eine andere Sprache als Englisch sein soll, wird’s richtig schwierig. Unser grosser Bruder im Norden hat gerade mal Jan Delay und Flo Mega hervorgebracht. Gewisse Berührungsängste scheinen eben doch da zu sein. Das betrifft nicht bloss die Hautfarbe, sondern auch die Zeit. Man kann die Zeit ja schliesslich nicht mehr zurück drehen, auch wenn man sich das manchmal wünschte.
Hier bei uns in der Schweiz ist Soul sowieso noch nicht angekommen. Das Misstrauen dürfte zu gross und der Markt zu klein sein. Und jetzt das! Plötzlich hat die Schweiz ihr erstes Soulalbum. Quasi aus dem Nichts. Dem Sascha Rossier gefällt’s. Min King stehen mit ihrem Debüt „Am Bluemeweg“ momentan auf Rang vier der iTunes R&B/Soul Downloadcharts. Zwischen Earth, Wind & Fire und Whitney Houston. Dabei ist das erste Soul-Album auf Schwiizerdütsch beinahe sowas wie ein Betriebsunfall, zumal ja Plenty Enuff 2010 schon mit einem neuen Album in den Startlöchern standen. Nicht mehr im Geiste von Kingston Town, sondern in jenem vom Südwesten der Vereinigten Staaten der 60er Jahre (der Schritt von Rocksteady zu Soul ist nicht so gross, wie manche vielleicht denken). Die Texte wie sich’s gehört in Englisch.
Nun ist fast alles anders gekommen. Plenty Enuff sind Geschichte. Aus dem harten Kern der Truppe (Gebrüder Albrecht und Dave Aro) ist Min King hervorgegangen. Die Texte sind nun nicht mehr in Englisch, sondern in Mundart. Den Spirit des Südwestens der Staaten haben Min King in ihren Proberaum an den Blumenweg geholt. Resultat ist besagstes Debütalbum. Mundartsoul!? Da haben Min King doch tatsächlich ein neues Genre aus dem Boden gestampft! Haben sie das? Nööö, haben sie nicht. Wir reden hier von Soul. Soul hat eben herzlich wenig mit Sprache zu tun, sondern vielmehr mit Ausdruck, mit Inbrunst und Groove. Yep, Min King spielen Soul. Schon die ersten Takte des Albumopeners „Froh Bisch Da“ lassen keine Zweifel offen. Einfach nur so dasitzen, funktioniert nicht. Da wird man dubedänzig. Zu innig und überwältigend vereinnahmend sind die Grooves vom Bluemeweg.
Min King haben die klassische Besetzung einer Soulband aus den 60ern. Drums (René Albrecht), Bass (Marc Zimmermann) und Gitarre (Boris Aebischer) für den Groove. Orgel (Dave Aro) und Bläser (Roger Greipl am Saxophon und Philipp Labhart an der Trompete) für Melodien und Call and Response, das soultypische von Gospel und Worksongs inspirierte Hin und Her zwischen Bläsersatz und Stimme (Philipp Albrecht). Eben diese Stimme mag wohl der stärkste Trumpf der Truppe sein. Philipp singt nicht einfach, er liebt und leidet, schreit und flüstert, wechselt von Brust- zu Kopfstimme und wieder zurück und liefert so neben den Texten auch die Inhalte, die zwischen den Zeilen stehen mit. Nun ist es aber so, dass man nicht mit dem stäksten Trumpf, sondern mit dem stäksten Blatt das Spiel gewinnt. Min King gewinnen das Spiel. Und das nicht, weil sie ein neues Genre erschaffen hätten, was sie nicht haben, sondern weil sie die Menschen ihre Spielfreude spüren lassen, wenn sie ihre Grooves auf die Bühnen und in die Wohnzimmer tragen. Das ist Soul. Deshalb steht die Scheibe in meinem Plattenregal dort, wo auch Otis Redding, Al Green und James Brown ihren Platz haben. (ruedi snare)


minking.ch


Release Date: 20.4.2012






Dramadigs - Das Muss Doch Nu Wirklich Nich Sein

Nach den Stadtmusikanten war’s um Bremen lange totenstill. Und nun taucht die Stadt im hohen Norden gleich zweimal in kurzer Folge auf den Radarschirmen von Liebhabern gediegener Mukke auf. War Flo Mega Urheber des ersten Erscheinens auf der Landkarte deutscher Grooves, geht der zweite kleine grüne Punkt aufm Bildschirm auf das Konto von Dramadigs. Tsnd Mark und Konfus sind Dramadigs, ein Duo an Pads und Mics. Auf Radarschirmen sind die beiden dank ihres Albums „Das Muss Doch Nu Wirklich Nich Sein“ erschienen. Vorerst aber nur auf den Schirmen einiger weniger. Einer dieser wenigen war jedoch der nie kopierte (weil schlicht nicht möglich) Twit One. Das ist der mit den Augenringen unter dem dritten Auge und dem Taschenbilliard. Der, der aus Köln sowas wie das Oxnard unserer grossen Bruders im Norden gemacht hat. Er hat „Das Muss Doch Nu Wirklich Nich Sein“ im Netz entdeckt und als viel zu gut für einen blossen Gratisdownload, was besagtes Album anfangs Jahr ja noch war, befunden. Seit der zweiten Aprilwoche gibt’s das Album von Dramadigs in einer gegenüber dem Originalgratiserlease leicht abgespeckten Variante auf schwarzem Gold. Ist nun zwar nicht mehr gratis das Teil, was aber nicht weiter schlimm ist, weil ich a) sonst eh nicht Wind von dem Teil bekommen hätte, b) Vinyl für Bares eh gescheiter ist als Data für gratis und c) die Jungs das Release auf Schwarzgold, die Aufmerksamkeit, das Lob und die wenige Kohle mehr als verdient haben. Das Rad haben Tsnd Mark und Konfus nicht neu erfunden. Sample suchen, schnipseln und puzzeln, Drums drüber und Bass drunter und fertig ist das Teil. Die Jungs haben aber so schöne Dinger gedigt und mit wunderbar humpelnden Drums versehen, dass dem Liebhaber ab dem ersten Takt warm ums Herz wird. Die melancholischen Texte, die immer am schmalen Grat zwischen Ironie und Sarkasmus spielen, tragen ihres dazu bei. In den Schilderungen vom Duo aus Bremen wird sich wohl manch einer wiederfinden. Yep, der Blick ins Leere und ein schwermütiges Lächeln gehört eben auch zum Leben und das ist auch gut so. Ohne Melancholie ginge dem Leben die Seele abhanden. „Dass Muss Doch Nu Wirklich Nich Sein“ hat Soul. Und Musik ohne Soul ist nichts als Plastik. Frag Jan Delay. (ruedi snare)


www.dramadigs.de


Release Date: 4.4.2012






Moka Only & Ayatollah - Bridges

Der Typ ist die Arbeitswut in Persona. Moka Only hat in den vergangenen eineinhalb Dekaden gegen sechzig Releases rausgehauen. Anfangs als Teil von Swollen Members. Den Grossteil solo. Mal als MC, dann als MC und Producer in Personalunion. Wie manch einer im Spiel auch mal unter „falschem“ Namen. „Bridges“ heisst der neuste Streich des Tausendsassas aus Vancouver. An seiner Seite Ayatholla, die Producer-Legende aus Queens. Das Album der beiden zählt fünfzehn respektive zwanzig Tracks (digitale Deluxe Edition). Und gleich vorweg: Knapp die Hälfte hätten‘s auch getan. Yep, eine EP hätte tatsächlich gereicht. Viele der Tracks sind knapp gehobenes Mittelmass bzw. nahe an der vollkommenen Belanglosigkeit. Ausserdem sind Beats und Raps sehr stark Madlib- und DOOM-affin, womit sich die beiden auf nur sehr schwer begehbares Terrain wagen. Es ist echt verblüffend, wie Mokas anderes Ich Ron Contour mit den Flows von DOOM und der Stimme von Madlib operiert. Wegen der Fülle an Füllmaterial und Paralellen zu bösen Buben aus Oxnard und Maskenmännern aus Long Island drohen Perlen wie „Come Anlong“, „I Tell Ya“ oder „Betcha Neva Know“ regelrecht unterzugehen. Das ist echt schade, weil die Perlen auf „Bridges“ eben echte Perlen bzw. grosse Momente sind und es verdient haben, gehört zu werden. Falls sich die beiden nicht dazu entschliessen werden, die dicken Dinger auf einer Single oder EP mit wie vielen Inches auch immer zusammenzufassen, wovon ich ausgehe, weil Moka Only zum einen noch nie durch Singleauskopplungen aufgefallen ist und zum andern Geschmäcker ja eh verschieden sind, kann man sich im digitale Zeitalter ja problemlos die Tracks rauspicken, die man mag. (ruedi snare)


www.hhv.de/item_275136.html


Release Date: 4.4.2012






Aphroe - 90

Oden an Klassiker haben wir in jüngster Vergangenheit ja gleich zwei vorgesetzt bekommen. Zum einen hat Elzhi „Illmatic“ von nach Queens nach Detroit geholt und mit Hilfe von Will Sessions reinterpretiert und zum andern hat Textas Flip verschiedene Perlen aus den 90ern nachgebaut, um deren Texte dann zusammen mit Average 1:1 ins Deutsche zu übersetzten. Nur die Schauplätze wurden nach Wien verlegt und die Namen geändert. Und nun ist auch noch Aphroe mit „90“, seiner Oder an die Golden Era, um die Ecke gekommen. Dabei hat sich der MC der Ruhrpott AG wie auch Flip und Average verschiedene Klassiker rausgepickt und mit deutschen Texten versehen. Im Gegensatz zu seinen Kollegen aus Wien hat Aphroe aber davon abgesehen, die Raps zu übersetzten. Der MC, der ein Teil der legendären Klasse von 95 ist, hat es dabei belassen, die Flows und Phonetik originalgetreu zu halten. Die Aussagen sind seine eigenen. Was die Beats anbelangt, haben sich PH7, Mirko Machine, DJ Stylewarz und Aphroes Weggefährte Beat Sampraz aka Mr. Wiz wie schon Flip für „Tuesday Classics“ grösstenteils an die Vorlagen gehalten. Resultat sind zehn Tracks, deren Beats und Flows wir schon kennen. Nur sind die Texte nicht die Aussage ist nicht die ursprüngliche. Mag sein, dass es Heads gibt, die auf solche ‚Covers’ überhaupt nicht klarkommen. Ich als einer jener, der die Originale im Regal stehen hat, habe mit der Herangensweise von Aphroe keinerlei Probleme. An die Originale kommt er zwar nicht heran. Liegt ja irgendwie auch in der Natur der Sache. Und auch Elzhis „Ellmatic“ ist eine Nummer grösser als Aphroes „90“. Trotzdem macht das Album Freude. Wer sich das Album anhört, wird spüren, wieviel Liebe Aphroe in die Tracks gesteckt hat. Es it wirklich eindrücklich, wie er die staubigen Hüllen, sprich Flows und Phonetik, der Originale mit neuen Inhalten versehen hat. Und was der MC aus Bochum in Sachen Inhalten auf dem Kasten hat, sollte ja hinlänglich bekannt sein. Dank seiner Inhalte und Storyteller-Fähigkeiten fällt Aphroe trotz Vorlagen von Legenden wie Guru, Rakim oder Q-Tip und Phife Dawg auch nicht zwischen Stühle und Bänke. Zu fesselnd sind seine Raps. „90“ steht heute zwischen all den unvergessliche Originalen in meinem Plattenregal. Yep, diesen Platz hat sich Aphroe redlich verdient. (ruedi snare)


https://www.facebook.com/Aphroe


Release Date: 28.3.2012






Demograffics - Cheese

Die Demograffics, das sind Maniac am Mic und den Pads und DJ Rufflow an den Tellern. Ersterer sollte einem Teil der Gemeinde wohl seit dem Release mit Dexter („Raw Shit“) von vor eineinhalb Jahren ein Begriff sein. Maniac ist ein Bayer, der auf Englisch rappt. Da mag der eine oder andere aus Prinzip die Nase rümpfen und den Mann und seine Ergüsse ignorieren. Kennt man ja, diese Reflexe. Nur sollte sich diejenigen welchen bewusst sein, dass sie was verpassen. Mit „Cheese“ veröffentlichen Maniac und Rufflow ihr bis dato drittes Album. Das Teil ist sechszehn Anspielpunkte stark. Bis auf zwei Ausnahmen gehen alle Beats auf Maniacs Kappe. Der Dexter durfte auch seinen kleinen Teil zu „Cheese“ beisteuern. Auch auf der textlichen Ebene hat Maniac die Alleinherrschaft. Neben dem Hausherrn dürfen lediglich Chrizondamic und Simple ihren Gastpart droppen und Rennee Rai Benson und U-Cee ihre Sangeskünste präsentieren. Ist also quasi eine One-Man-Show die Scheibe. Dennoch vermag sich zu keinem Zeitpunkt Langeweile breit machen. Zu verspielt und abwechlsungsreich ist das Ganze, auch wenn die Beats den klassischen Boom Bap-Appeal haben. Und dann hat der Mann ja auch noch was zu erzählen, auch wenn er nicht in der Grossstadt, sondern in der Provinz haust. Auf „Cheese“ gibt’s keine 0815-Phrasedresche, sondern Geschichten, die das Leben schreibt. Dass Hip Hop ein grosser Teil im Leben von Maniac ist, ist nicht zu überhören. Daher rührt auch der Albumtitel. „Cheese“ eben, nicht Käse. Ausführungen dazu gibt’s im Titeltrack. Zuhören und mitcheesen! (ruedi snare)


www.demograffics.net


Release Date: 27.3.2012






DJ Low Cut - NY Minute

DJ Low Cut ist ein Bastler aus Paris, der für sein aktuelles Release „NY Minute“ MCs aus den Staaten um sich gescharrt hat. Weshalb er die Platte „NY Minute“ und nicht „US Minute“ gennant hat, sei sein Geheimnis, geben auf der Scheibe zwar auch MCs aus New York ihre Verse zum Besten. Es kommen aber auch Rapper aus anderen Winkeln der Staaten zum Zuge. Wahrscheinlich klingt „NY Minute“ einfach besser als „US Minute“. Nun denn, ist ja auch egal. Fakt ist, dass Low Cut sein Producer-Album mit viel Boom und noch mehr Bap vollgepackt hat. Und da und dort kann er die Finger nicht von heissen Kartoffeln lassen, wobei die heisse Kartoffel im Falle von „NY Minute“ das Sample ist. Wer sich das Album gibt, wird wissen, wovon ich spreche. Die Finger verbrennt sich Low Cut an den Kartoffeln sowenig wie er sich daran verschluckt. Mit „NY Minute“ erfindet der Mann aus Paris das Rad nicht neu. War sicherlich auch nicht seine Intention. Vielmehr bietet er sehr solide Kost. Das eine oder andere Schmankerl findet sich auf der Platte auch. Am Mic finden sich neben unbekannten Acts auch Guilty Simpson, Reef The Lost Cauze, Blaq Poet und Ruste Juxx. (ruedi snare)


www.hhv.de/item_271589.html


Release Date: 21.3.2012






The Liquid Crystal Project - The Liquid Crystal Project 3

Vor bald einer Dekade lancierte der umtriebige J Rawls The Liquid Crystal Project. Neben LCP-Vater Rawls (Production, DJ) sind die Herren B Jazz (Keys), Charles Cooper (Sax), Eddie Bayard (Sax) und Rob Riley (Drums) am Projekt beteiligt. 2006 erschien das Debüt der Truppe aus den Staaten. Zwei Jahre später hat das Quintett nachgelegt. Eben haben Rawls und seine Mannen mit „The Liquid Crystal Project 3“ ihren dritten Longplayer releast. Die Scheibe ist 15 Tracks stark und verzaubert wie schon die ersten beiden Alben mit wunderbar smoothen, mal souligen, dann wieder funky Jazz Hop Produktionen ganz im Geiste von Legenden wie John Coltrane, Herbie Hancock, George Duke, DJ Premiere, Pete Rock und J Dilla. Wie schon vor sechs und vier Jahren wird auch auf dem aktuellen Longplayer Tribute gezollt. Kamen 2006 und 2008 Dilla, Bobby Hutcherson, Pete Rock & C.L. Smooth, Tom Scott, The Beatnuts, Da Beatminerz und Souls Of Mischief Respekt zu verdienten Ehren, bekommen auf dem aktuellen Album De La Soul, John Coltrane und A Tribe Called Quest Tribute Tracks. Auf „The Liquid Crystal Project 3“ geben neben den Bandmitgliedern auch George Duke, Ramsey Lewis und Pharez Whitted ihr Können zum besten. (ruedi snare)


www.thejazzhopmovement.com


Release Date: 16.3.2012






Boys On Pills - Nacht

Mit „Nacht“ haben Boys On Pills ihr drittes Album veröffentlicht. Gralshüter werden wohl ihre liebe Mühe haben mit den 20 Tracks. Auf „Nacht“ ist die Bassdrum ist nicht auf der 1 und der 3, die Snare nicht auf der 2 und der 4. Also manchmal schon, aber zu einem guten Teil eben nicht. Die Hats zappeln dann und wann hektisch. Es zischt und schleift. Organische Sounds sind so gut wie inexistent. Die Synthesizer sind Trance, die Bässe Dub, die Rhythmen irgendwas zwischen Garage und Minimal. Sogar die Inhalte sind vielfach genreuntypisch. Und dann besitzen die Jungs erst noch die Frechheit, zu behaupten, niemand ausser ihnen sei Hip Hop („Nid Hip Hop“). Kompromisse gehen Jonny Bunko, Baze und DJ Kermit keine ein. Nein, leicht verdaulich ist „Nacht“ nicht. Die Sounds und Raps sind irgendwas zwischen dem Schluck zuviel, Stechapfel, Euphorie, Nüchternheit, dem Blick in den Spiegel, Kontrast, Konfrontation und dem Kater danach. Die Bildsprache von Jonny und Baze ist gewaltig. Wäre dem nicht so, würde ein Track wie „Si Sy Wider Wäg“ oder „Ir Nacht“ nicht funktionieren. Ein Nichts von einem Beat braucht seinen starken Gegenpart. Yep, „Nacht“ lebt von solchen Kontrasten. Dank solcher Kontraste ist das Album nicht einfach nur genial, sondern ein Erlebnis. Und der Track ist nicht einfach bloss fresh, sondern ein bleibener Eindruck. (ruedi snare)


www.facebook.com/boysonpills


Release Date: 16.3.2012






MDMA (Steezo & Skor) - Clean

MDMA. 3,4-Methylendioxy-N-methylamphetami. E, weisch. Yep, ich weiss. Aber E greift zu kurz. Das wär dann doch zu einfach. EPMD. Kännsch? Erick und Parrish sind EPMD. Und Marco und Daniel sind MDMA. 2009 waren Pretty Steezo und Skor „Not Clean Yet“. Drei Jahre später sind sie „Clean“. „Alles Guet“ jetzt. („Mir goht’s guet wiä goht’s dir? Perfekt! Bin clean und nüme im Dräck“). Seit vergangenem Freitag ist das neue Album der beiden MCs aus der Stadt der Chreise im Handel. Zwölf Tracks stark ist das Teil. Und das Teil ist stark. Bärenstark. Steezo und Skor sind ein perfekt eingespieltes Tagteam am Mic. Sie erzählen von den Anfängen („Steeskorgraphie“), von Nachmittagen „Im Park“ mit den Jungs, von der Liebe für Mitmenschen und Leidensgenossen („Mis Quartier“), fürs Leben („Machs Gross 2.0“) und von der Liebe fürs Spiel („Damn“). Die Ode an ihre Velos („Mis Velo“) auf einem G-Funk-Brett von Ripa lässt manch eine Ode an Lowrider an der Westküste blass aussehen. Höhepunkt des Albums ist „Dä Coup“. Storytelling wie es die Schweiz bis vor ein paar Tagen noch nicht gehört hat. Der Beat von TZA ist Soul aus den 70ern, Blaxplotion, Steezo und Skor führen den Dialog am Mic. Yep, das ist grosses Kino. Der Film läuft vor dem inneren Auge ab. Ich bin mitten drin. An der Ecke dort drüben stehen Barry White und Isaac Hayes. Ein Knistern liegt in der Luft. Ob der Plan wohl aufgeht? Nah... auch wenn der grosse Deal am Ende eben doch misslingt, steht eines fest: Jungs, Ihr hättet es verdient. Definitiv. Der krönende Abschluss des Albums ist „Dä Cypher“, das 10-Minuten-Battle-Epos mit Unterstützung von Sulaya, Manillo, Semantik, Griot, T-Rotz, Piment, Sentino, Baze, Tinguely, CBN und MO. Yep, „Clean“ ist grosses Kino. Die Beats von TZA, Ripa, Mono, Sam B und SAD sind Steilvorlagen für das Duo am Mic. Nur eine Baisse gilt’s zu verkraften, fällt doch Toes Beat dann doch ein wenig ab und aus dem Rahmen. Das grosse Ganze ist trotzdem etwas vom besten, was Schwiizrap bis heutewiderfahren ist. Jetzt fehlt nur noch das Video zu „Dä Coup“ und MDMA auf Vinyl. Träumen soll doch schliesslich erlaubt sein. (ruedi snare)


www.exlibris.ch/musik/cd/mdma/clean/?id=7640121660252


Release Date: 16.3.2012






Project Mooncircle - 10th Anniversary Compilation

Schon zehn Jahre ist es hin, seit Gordon Gieseking Project Mooncircle gegründet hat. Anfangs lag der Fokus auf der Veröffentlichung von Compilations, die Beatheads auf sich vereinten, deren Grooves Genregrenzen verwischten oder ganz einfach ignorierten. Schubladendenken hatte auf PMC nie Platz. Auf die Compilations folgte der Schulterschluss mit hhv.de und die Öffnung des Sichtfeldes, will heissen, ab 2004 tauchten auch Alben einzelner Acts im PMC-Katalog auf. Heute ist Mooncircle Mama zweier Sublabels (Squared und Finest Ego). Zum zehnten Geburtstag von Project Mooncircle veröffentlichten Gordon Gieseking und seine Freunde, Mitstreiter, Helfer und Helfershelfer die „10th Anniversary Compilation“. Das Ding featuert 46 Tracks von 46 Acts. Der Bärenanteil der Stücke auf der Werkschau ist instrumental. Wer das Album einem Genre zuordnen möchte, wird aus vorweg genannten Gründen unweigerlich scheitern. Der gemeinsame Nenner ist der Spirit. Auf dem Pressesheet werden dem Album die Stempel Future Bass, Dubstep, Electronic, Dub, Techno, Hip Hop, Wonky, Glitch und Soul aufgedrückt, wobei Wonky die Scheibe dann doch am treffendsten charakterisiert. Dies nicht zuletzt deshalb, weil der Begriff Wonky all das in sich vereint, was man eben in keine Schublade stecken kann. Wonky ist sowas wie der Soundtrack für den Sonnenaufgang am Morgen danach, für brummende Schädel und leere Köpfe. Sowas wie die Meditationsmusik fürs 21. Jahrhundert. Dann und wann gibt‘s auch mal was für Tanzbeine. Der Grossteil der wonky Beats sind aber Futter für Geist und Seele. Manchmal sind mir die Sounds in ihrer ganzen Leichtigkeit dann doch ein bisschen zu sperrig, wohl auch deshalb, weil Köpfe an einem normalen Dienstagmorgen einfach zu voll sind für musikalische Abenteuerreisen ins Nichts. Ein Kaltstart funktioniert nicht. Zumindest bei mir nicht. Mit ungefähr der Hälfte der Tracks hab ich bis heute meine liebe Mühe. In die andere Hälfte hab ich mich bereits verliebt. Dass Liebe vergehen kann, das ist kein Geheimnis. Es ist aber ebenso wenig ein Geheimnis, dass Liebe auch wachsen kann. Genau dieses Spannungsfeld, das Liebe ausmacht, ist die grosse Stärke des Albums. (ruedi snare)


projectmooncircle.bandcamp.com/album/10th-anniversary-compilation


Release Date: 16.3.2012






Twit Uno & Flo Mega - Noodles

AUDDA-Mastermind und Radio Love Love Gründervater Twit One hat sich mit Flo Mega verabredet, um Nudelgerichte zu kochen. Nebenprodukt der Herdplattenkoproduktion ist die EP „Noodles“. Der Soundtrack des kulinarischen Beisammenseins der beiden Musiker ist acht Tracks stark und kommt bis auf zwei Ausnahmen ohne Vocals aus, wobei eine der beiden Ausnahmen das 30 Sekunden kurze Outro ist. Die Noodles-Vibes könnten laid backer und die Tracktitel (z.B. „School Of The Hardgnocchis“ oder „Adriano Celentini“) bezeichnender nicht sein. An Loosey-Gooseyness ist „Noodles“ nicht zu überbieten. Die vertonten Nudelgerichte der Köln-Bremen-Kollabo verwöhnen Ohrmuscheln, Trommelfelle und Gehörschnecken gleichermassen und vermögen Verspannungen jegwelcher Art spielend zu lösen. Buon appetito! (ruedi snare)


http://soundcloud.com/flomegacloud/twit-uno-x-flo-mega-noodles


Release Date: 1.3.2012






Gangrene - Vodka & Ayahuasca

Der Begriff Ayahuasca stammt aus der indigenen Sprache Quechua und bedeutet übersetzt „Liane der Geister“ oder „Ranke der Seelen“. Das Gebräu aus selbiger Pflanze wird mit deren Blättern zubereitet. Wer sich das bittere Gebräu hinter die Binde kippt, wird von einer seelisch-orientierten Grundstimmung, Visionen und Halluzinationen berichten. Ausserdem schärft der Konsum von Ayahuasca das Gehör. Wer nun den bitteren Saft mit Vodka runterspült und mit süssem Grünen kombiniert, muss sich in etwa so fühlen, wie sich „Vodka & Ayahuasca“, die neue Platte von Gangrene aka Oh No und The Alchemist, anhört. Mitten in die Fresse. Kompromisslos. Verdammt Raw und doch smooth. Als hätte Jimmy Hendrix Finger und Saiten im Spiel gehabt. Wurde der Gesamteindruck von Gangrenes Erstling noch vom einen oder andern Lückbüsser-Track getrübt, vermochte das Tagteam an Pads und Mic das Niveau auf „Vodka & Ayahuasca“ konstant hoch zu halten. Und dies obschon die Oh No und The Alchemist in erster Linie Producer und keine Mannen am Mic sind. (Ruedi Snare)


deconrecords.com/collaborators/gangrene/


Release Date: 24.2.2012






Union - Analogtronics

OJ und Gold sind Union. Ersterer ist besessen vom Geist von Dilla, letzterer hat seine Wurzeln im Jazz. Das Producer-Duo aus Paris hat anfangs Februar ihr Debütalbum „Analogtronics“ releast. Die 17 Tracks starke Scheibe vereint Sounds aus den späten 70ern und den frühen 80ern mit solchen aus der Zukunft. Auf ihrem Erstling lassen OJ und Gold analoge auf digitale Synthesizer treffen. Das Resultat ist „Analogtronics“ („the analog at the service of the electronic“), Boom-Bap fürs neue Jahrtausend, Sounds ganz im Geiste von Pionieren wie Isao Tomita, Pink Floyd, George Clinton, Herbie Hancock, Jean-Michel Jarre, Dâm-Funk und J Dilla. Auf ihrem Debüt featuren OJ und Gold einige sehr illustre Gäste am Mic. So geben auf „Analogtronics“ Elzhi, DOOM, Talib Kweli, Moka Only, Guilty Simpson, Roc Marciano, Rapper Big Pooh, Sly Johnson, Rachel, Janice und Mani Hoffmann ihre Raps und Sangeskünste zum besten. Die Hälfte der Tracks kommt gänzlich ohne Vocals aus. Unions erster Streich ist eine äusserst gelungene Symbiose zwischen gestern, heute und morgen, aus Funk, New Wave, Soul, Jazz und Hip Hop. Mit „Analogtronics“ führen Union die Gemeinde in die Welt des \"hypnotic interstellar boom-bap\" ein. (ruedi snare)


www.hhv.de/hitem_262845.html


Release Date: 7.2.2012






Marsimoto - Grüner Samt

Mit „Halloziehnation“ hat Marten Laciny 2006 einen gewissen Marsimoto, einem deutschen Pendant zu Madlibs Lord Quas, auf die Gemeinde losgelassen. Sechs Jahre danach ist diese halluzinogene Gestalt im Mainstream angekommen, hat Marsi sein drittes Album „Grüner Samt“ doch auf Four Music releast. Nun, Mainstream wird in der Gemeinde ja als Schimpfe für Nichtrealness verwendet. Dass aber auch einer, der im Mainstream angekommen ist, sein Ding kompromiss- und konzessionlos durchziehen kann, scheint manch einem jener besagten Realkeeper entgangen zu sein. Man kann sich natürlich auch darüber streiten, was den Mainstream überhaupt bedeutet und wo dessen Grenzen zu ziehen sind. Item. Das soll an dieser Stelle nicht abgehandelt werden. Auf „Grüner Samt“ vereinigt Marsimoto zusammen mit seinem Producer-Team Kid Simius, Nobodys Face und Dead Rabbit die Goldene Ära mit Zukunftsmusik, lässt verschiendste Sounds auf seine heliumgeschwängerten Flows treffen und erschafft so Welten, wie sie Szenetreue und Andersartige noch nicht gehört haben. Klar, die gepitchte Stimme ist nicht jedermanns Sache. Dem grünen Samt aber allein wegen der Stimme eine Abfuhr zu erteilen, ist definitiv der falsche Weg. Manch ein Skeptiker, der Marsi eine Chance gibt, könnte von „Grüner Samt“ positiv überrascht werden, sowohl was die Sounds als auch was die Inhalte der Platte anbelangt. So ist Marsi zwar ohne Zweifel der kleine, kiffende Szenekobold. Seine Obesession verbildlicht er aber dank dem Track „Ich Tarzan, Du Jane“ wie kein zweiter vor ihm. Neben grünenen Hymnen, die nicht den Bärenanteil des Albums ausmachen, ist Marsimoto gesellschaftskritisch wie wohl kein anderer. Zum Beispiel dann, wenn er von seinem Leben als Wal berichtet, die Rolle des Indianders ausleuchtet, von Alice im WLAN Land berichtet, Schreckgespenster und Ängste ausleuchtet oder für Uwe durch das TV-Angebot zappt. Neben der Gesellschaft bekommt dank „Wellness“ auch die Szene den Spiegel vorgehalten. Mit „Grüner Samt“ hat Marsimoto nicht nur Torchs „Blauer Samt“ neu interpretiert, sondern auch einen Meilenstein des deutschen Raps abgeliefert und die Messlatte für 2012 schon im Januar in schwindelerregende Höhen gelegt. (ruedi snare)


marsimoto.de


Release Date: 25.1.2012






DCS - Silber

Damit hab ich nicht gerechnet. Und das gleich in zweierlei Hinsicht. Zum hat mich schon ihre Rückkehr in die Booth, ins Plattenregal und auf die Bühne auf dem falschen Fuss erwischt und zum andern hätte ich nicht damit gerechnet, dass mich ihr Comeback-Album in seinen Bann zu ziehn vermag. „Don’t call it a comeback“! Diese Line von Herr Smith wird ja immer wieder gerne zitiert, wenn jemand aus der Versenkung auftaucht. Beim Kölner Trupp DCS handelt es sich aber um ein astreines Comeback. Astrein ist das Comeback nicht zuletzt deshalb, weil Die Coolen Säue mit „Silber“ ein wirklich gelungenes Album präsentieren. DCS waren am Start, als Deutschrap in der zweiten Hälfte der Neunziger zu seinem Siegeszug ansetzte, standen aber im Schatten von Acts wie Dynamite Deluxe, Absolute Beginner, Eins Zwo, Fünf Sterne Deluxe, Massive Töne oder Freundeskreis. Ich mochte DCS, muss aber gestehn, dass das Quartett aus Köln dennoch nie ganz zu mir durchgedrungen ist. Mein Lieblingsalbum war (und ist) „Fenster Zum Hof“. Irgendwer stand den Säuen immer vor der Sonne. Anderen Acts ging es zu dieser Zeit genauso. Gut zwölf Jahre danach sind DCS also zurück. Die Besetzung ist noch dieselbe wie zu Beginn. Nun ja, fast dieselbe. DJ Lifeforce war nicht von Anfang an mit dabei. Und Rotzlöffel heisst nun Ro Kallis und DJ Peerbee Peer Formance. Auch sonst hat sich nicht viel verändert. DCS machen die Musik noch immer in erster Linie für sich selber, nicht für irgend eine Zielgruppe. Die MCs haben noch immer weder die spektakulärsten Flows noch die härtesten Punches oder markantesten Stimmen. Was sich aber geändert hat, ist die Tatsache, dass mich „Silber“ in seinen Bann zieht. Das haben dessen Vorgänger nicht geschafft. Die freshen Produktionen von Peer Formance und DJ Lifeforce sowie von Crada, DJ Adlib und Roe Beardie gehen mit den Raps die perfekte Symbiose ein. Bloss von Raps zu sprechen, würde den MCs eh nicht gerecht werden. Was die Jungs abliefern, sind eben Lyrics. Hier wird nicht um sich gebattelt. Der Schwanzvergleich steht nicht im Zentrum der Betrachtung. Ob Mann den Härtesten hat oder der härteste ist, spielt auf „Silber“ nicht mal eine Nebenrolle. Die Lyrics sind direkt aus dem Leben gegriffen. „Silber“ hat Soul. Diese Eigenschaft fehlt so manch einem Release. Insofern ist DCS das Comeback wunderbar gelungen. Das Album ist ein dickes Ding. Gegen Ende der Spielzeit verläuft das Ganze dann aber doch ein bisschen im Sande. Schade. 17 Tracks stark ist das vierte Album von DCS. Drei oder vier Tracks weniger hätten „Silber“ gut gestanden. Und das Artwork reisst mich nicht eben vom Hocker. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau. (ruedi snare)


dcsweb.de


Release Date: 25.1.2012






DJ Adlib - Hi-Hat Club Vol. 6: Haus & Garten

Nach dem sich der Hi-Hat Club verübergehend nach Berlin, Stuttgart, Wien und Amsterdam verabschiedet hat, bringt ihn DJ Adlib wieder zurück nach Köln. Und obschon der Club, was die geographische Komponente anbelangt, zurück zum Ursprung geht, öffnet DJ Adlib mit seinen Sounds das Feld doch um mehr als nur eine Dimension. Electronica haben zwar schon Adlibs Vorgänger Full Crate und FS Green eingebracht. Hat das Duo aus den Niederlanden aber dem Publikum noch eine Art modernen Boom Bap präsentiert, so serviert Adlib den Hörerinnen und Hörern da Dubstep-affines, dort irgendsone Art Trip Hop, um dann seine Interpretation eines House-Tracks nachzulegen. All diese Elemente gibt er zusammen mit traditionellem Boom Bap, Dilla, Jazz, P-Funk und Soul in den Shaker et voilà, schon steht bei Adlib im Haus und schaut aus dem Fenster in seinen artenvielfältigen Garten. Mag sein, dass der eine oder andere Hi-Hat Clubber sich diesem musikalischen Quantensprung nicht gewachsen fühlt. Doch damit nicht genung, bricht Adlib doch tatsächlich noch sowas wie ein Tabu des Clubs, reichert der Producer und DJ aus Köln doch tatsächlich vier der vierzehn Tracks mit Raps und Gesang an. Nun, unter uns gesagt, hätte ich auf Black Spade, The Primeridian, Planet Asia, Frank Nitt und Declaime auch ganz gut verzichten können, das Vergnügen an „Haus & Garten“ vermag mir die Vokalakrobatik der eben genannten Protagonisten aber in keinster Weise zu nehmen. Und auch das überaus breite Soundspektrum ist weit mehr Reiz denn Frust. Auch die sechste Ausgabe des Hi-Hat Clubs ist rundum gelungen und dank deren Vielseitigkeit wohl kaum tot zu spielen. (ruedi snare)


mpmsite.com/?area=records&view=detail&id=800


Release Date: 13.1.2012






Ruedi Snare & MF Kauz - Soulmzk Beat Tape Vol. 2

Herr Snare und der Kauz haben ihr zweites Beat Tape an den Start gebracht. Das Teil featuret sage und schreibe 47 Beats. Wer mag, kann sich das Teil gratis auf den hauseigenen Rechner ziehn, indem er/sie oben auf Downloads klicke oder diesem Link folge:


http://soulmzk.bandcamp.com/album/beat-tape-vol-2


Cheers!




soulmzk.bandcamp.com/album/beat-tape-vol-2


Release Date: 31.12.2011






Action Bronson & Statik Selektah - Well Done

Nein, Statik Selektah und sein x-ter Tag Team Partner Action Bronson beschreiten keine neuen Wege, sondern ausgetretene Pfade. Die Beats Boom Bap, die Raps ähnlich wie Ghostface. Den Vorwurf, eine plumpe Ghosface-Kopie zu sein, hat Action Bronson schon mehrfach über sich ergehen lassen müssen. Und tatsächlich, Parallelen, was Stimme und Flows anbelangt, lassen sich nicht von der Hand weisen. Fakt ist auch, dass die Beats, die Statik für den gelernten Koch aus Queens gebastelt hat, Tony Starks ebenso gut stehen würden. Die Statik-Bronson-Kollabo deswegen als nicht relevant abtun zu wollen, würde dem Album aber nicht gerecht werden. Mit „Well Done“ haben der MC aus NYC und der DJ und Producer aus Massachusetts das Rad zwar nicht neu erfunden, aber fünfzehn mehrheitlich freshe Tracks an den Start gebracht. Der Skipfinger zuckt nicht, dafür werden Hals- und Nackenmuskulatur beansprucht. Beats und Raps haben Drive. Und Action Bronsons Styles haben trotz gewisser Parallelen zu einem gewissen MC ureigene Vibes. Zu ungezwungen sind die Flows, um blosse Kopie zu sein. In diesem Sinne... well done guys! Und dass die Gemeinde noch viel vom MC aus Queens zu hören bekommen wird, daran zweifle ich nicht im geringsten. (ruedi snare)


www.hhv.de/item_256936.html


Release Date: 22.11.2011






MF Kauz - Remix Tape

MF Kauz hat der digitalen Gesellschaft anfangs Woche sein „Remix Tape“ zugänglich gemacht, auf dass der virtuelle Mensch dieses auf die Festplatte seines Rechners sauge und in der analogen Welt seinen wirklichen Freunden davon erzähle. Für das „Remix Tape“ hat der Kauz Raps von Snoop Dogg, Nas, Kack Norris, den Beleidigern, E.K.R., den Beatnuts, Dike, Mos Def, Raekwon, Akbar, DOOM und Jay-Z mit eigenen Beats ausgestattet und so den einen oder andern Track in ein ganz neues Licht gestellt.


Download >>> http://soulmzk.bandcamp.com/album/mf-kauz-remix-tape



soulmzk.bandcamp.com/album/mf-kauz-remix-tape


Release Date: 19.11.2011






Flip & Average - Tuesday Classics

Rap Classics wie „Check The Rime“, „Nuthing But A G Thang“ oder „They Want EFX“ vom Englischen ins Deutsche übersetzen? Naaa, lass sein Alter, klingt bestimmt scheisse. Flip (Texta) und Average waren anderer Meinung und haben genau das getan. Die beiden haben sich jeden Dienstagabend einen solchen Klassiker vorgenommen, um das Resultat am darauf folgenden Donnerstag bei Tribe Vibes zu präsentieren. Vorgehensweise: Flip baut den Beat nach, der Text wird sinngemäss ins Deutsche übersetzt (Namen werden natürlich geändert und Tatorte werden nach Linz verlegt), in die Gesangskabine und ab damit. Resultat dieser dienstäglichen Sessions sind die „Tuesdays Classics“. Neben anfangs genannten Tracks haben sich Flip und Average Klassiker von Warren G, Lords Of The Underground, Outkast, Camp Lo, Biz Markie, Smif-N-Wessun, Run DMC, Group Home und Jay-Z zur Brust genommen und durchgenudelt. Die Vibes der unvergesslichen Rap-Gassenhauer aus den 80ern und der Golden Era wurden durch die unübliche Nachbehandlung durch das Duo aus Linz nicht zunichte gemacht. Die 12 Tracks gehen wie die Originale direkt in den Nacken und die Hüftgegend und vermögen mir zudem ein breites Grinsen ins Gesicht zu legen. Die Scheibe ist eine einzigartige und freshe Ode an Rap. Dazu passt, dass man sich die „Tuesday Classics“ auf die Teller legen kann, haben die Flip und Average doch eine Vinyl-Auflage von 300 Stück an den Start gebracht. Nice! Wer mag kann sich die Tracks auf den Rechner saugen. Mittellose und Geizhälse können sich die Classics kostenlos geben. Wer mag, darf gerne einen freiwilligen Unkostenbeitrag leisten. (ruedi snare)


flip1.bandcamp.com/album/tuesday-classics


Release Date: 9.11.2011






Dabu Fantastic - Disco Titanic

Mehr oder weniger pünktlich zum Jahrestag des letzten Albums bringen Dabu Fantastic ihr neues Album an den Start. Es scheint fast so, als stünde Konzeptdenken hinter dem Handeln der Musiker aus dem Zürcher Oberland, haben sie doch im März 2009 ihr Debütalbum „Agglo Disco“, im April 2010 dessen Nachfolger „Discochugle“ releast und nun, anfangs November 2011, legen Dabu und Arts ihr neues Baby „Disco Titanic“ nach. Scheint so, als wäre der Disco-Dampfer auf Grund gelaufen und der neue Longplayer der letzte Teil einer Trilogie. Für diejenigen, die die beiden ersten Dabu Fantasitc-Alben kennen, wird diese Sichtweise wohl durchaus Sinn ergeben, werden sie doch feststellen, dass auf „Disco Titanic“ ruhigere Töne angeschlagen und melancholischere Geschichten erzählt werden, als auf den Vorgängern. Jeder weiss, dass die Titanic, das damals grösste Passagierschiff der Welt, 1912 auf Grund gelaufen ist. Ein Drama, wie es die Passagierschifffahrt bis dato nie wieder erlebte. Auf „Disco Titanic“ verarbeitet Songschreiber Dabu sein Aufgrundlaufen, sein ganz persönliches Drama um eine zerbrochene Beziehung. Aber nicht alle leisen Töne sind die Konsequenz vom Trennungsschmerz einer gescheiterten Liebe, auch der Blick auf sich selbst und seinen Platz in einer Gesellschaft, die immer mehr orwell’sche und huxley’sche Charakteristika aufweisen, lassen Dabu tiefer graben. Nichts desto trotz setzen Dabu und Arts auf „Disco Titatnic“ auch auf alte Stärken wie den Discofinger und Gesellschaftssatire. Haben auf „Discochugle“ noch iJünger ihr Fett weg bekommen, werden auf dem aktuellen Album diejenigen auf die Schippe genommen, die den Kaffee zum Statussymbol erklären, schliesslich ist der Coffee-To-Go für Modebewusste ja ebenso Accessoire wie der schicke Schal. Ja, „Disco Titanic“ ist was Wort und Ton anbelangt wirklich breit gefächert. Laut Pressetext gibt’s auf der Platte kein einziges Sample mehr (laut Gerüchten wurden aber doch noch eines oder gar zwei verbraten). Alles ist echt. Die Drums, die Bassläufe, die Gitarren, die Streicher und die Bläser. Und da und dort haben die beiden Fantastischen mit ihrem Synthesizer Pointen gesetzt. Dabu Fantastic in irgend ein Etikett aufrücken zu wollen, fällt schwer, deshalb lässt man es am besten gleich bleiben. Dabu Fantastic ist Dabu Fantastic. Wer gerne zuhört, wird „Disco Titanic“ mögen, egal ob einer der ruhigen Tracks oder einer für den Discofinger läuft. Mag sein, dass dem einen oder andern die eine oder andere Hook dann ein wenig zu lalala aka catchy ist. Das grosse Ganze ist aber dennoch stimmig und hat sowohl Respekt aus der Szene (wenn es diese denn noch gibt) als auch Erfolg, und sei es auch nur ein bisschen, verdient. Ich jedenfalls drücke nicht auf Stopp, sondern auf Repeat. Und um die These zum Albumtitel wenn nicht zu widerlegen, dann doch von einer anderen Seite auszuleuchten, sei noch angefügt, dass Disco Titanic der Name eines Tanzpalastes mit Meerblick in Kroatien ist, der heute nicht mehr betrieben wird und deshalb langsam zu einer Ruine zerfällt. (ruedi snare)


http://dabufantastic.ch/


Release Date: 4.11.2011






Kwest & Chocolococolo - Off Beat OST

Vor vier Jahren sorgte Jan Gassmann zusammen mit Christian Ziörjen (* 7. Okt 1982; † 27. Nov 2005) mit dem Dokumentarfilm „Chrigu“ für Aufsehen. Nun hat Gassmann sein Spielfilmdebüt an den Start gebracht. „Off Beat“ wurde anfangs Jahr an der Berlinale ausgestrahlt und hat gestern im RiffRaff in Zürich Premiere gefeiert. Gassmann erzählt in „Off Beat“ die Geschichte der Dreiecksbeziehung von Rapper Lukas (Chocolococolo), seinem Producer und Geliebten Mischa und seinem kleinen Bruder Sämi. Gassmanns Low Budget Movie ist wohl sowas wie die Schnittmenge der Plots von „8 Mile“, „Brokeback Mountain“ und „Hangtime“, wird in „Off Beat“ doch Bruderliebe und -zwist, das Milieutabu Homosexualität und das Luftschloss Erfolg aufgearbeitet. Die Handlung spielt im Dunstkreis der Rap Szene. Die Filmmusik zu „Off Beat“ geht bis auf wenige Ausnahmen auf das Konto der Mundartisten Kwest (The Coyote Wrestler) und Chocolococolo (Jean Jaques). Die Beats sind mal sanft, dann hart, aber immer in Moll, melancholisch, manchmal vergrämt. Für die Raps gilt dasselbe. Nein, die beiden klingen in keinem Moment wie das grosse Ganze, das Gros der Szene. Standards werden links liegen gelassen. Kwest und Chocolococolo fahren ihren ureigenen Film, sowohl was Musik als auch Inhalte anbelangt. Vor allem Chocolococolos plakativ nonchalante Art zu rappen und sein Talent mit Worten Bilder zu erzeugen machen ihn zum Szeneunikat. Und Kwest vermag mit wunderschönen Beats wie „Foca“, „Drive In 4PM“ und „If I Ever Leave You“ bleibende Eindrücke zu hinterlassen, was Chocolococolo mit „Volt“ ebenfalls gelingt. Mit dem Soundtrack zu „Off Beat“ erschaffen die beiden Musiker einen Film im Film und tragen so massgebend zur Qualität des Streifens bei. „Off Beat“ läuft seit gestern in verschiedenen Kinos und der Soundtrack ist ab heute im Handel erhätlich. (ruedi snare)


www.offbeat-film.com/web


Release Date: 4.11.2011






Quelle - Shotgun & Sleek Rifle

Als House Shoes Quelle (Crown Nation) vor einem Jahr mit dem Release von „Blue Mondays / Slutbag Edition“ über den grossen Teich brachte, hatte sich der Jungspund in seiner Heimatstadt Detroit seine Sporen schon abverdient. Mit „Shotgun & Sleek Rifle“ bringt der junge Rapper und Producer aus Motor City ein 16 Tracks starkes Album an den Start, das unverbrauchter und echter kaum sein könnte, ohne das Rad neu erfinden zu wollen. Bis auf drei Beats gehen alle auf Quelles Konto. Die Rezepte sind beleibe keine neuen, aber gängige Standards interessierten Quelle dennoch nicht. Er hat den Boom Bap wie die 90er und die rohen Sounds wie Detroit und Oxnard. Die Beats erinnern mich dann und wann an Oh No’sche Rawness. Quelle seinen eigenen Style absprechen zu wollen, ginge aber nicht in Ordnung. Nein, der Junge rockt seinen eigenen ureigenen überfreshen Leckt-Mich-Alle-Ich-Machs-Wie-Ichs-Will-Style, ob nun an den Pads oder am Mic. Er flowt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist und fingert intuitiv auf den Pads rum. Er lässt’s knistern und knastern, holpern und stolpern, humpeln und rumpeln. Die Tracks haben Soul und sind roh. Dann und wann ist ein Mix nicht eben bestechend. Vielleicht ist das mit ein Grund, weshalb „Shotgun & Sleek Rifle“ nicht auf Vinyl releast wurde. Wer weiss, vielleicht ist „Shotgun & Sleek Rifle“ ja nur die Vorspeise. Sollte dem so sein, dann wird die Hauptspeise alles wegfegen. (ruedi snare)


http://crown-nation.com/artists/quelle/


Release Date: 1.11.2011






Hiob - Drama Konkret

Er ist der begabteste Dilettant und ein beschissener Pessimist. Hiob, vormals V-Mann, hat Bilanz gezogen und ist zum Schluss gekommen, dass das Leben unter dem Strich nichts als „Drama Konkret“ ist. „Das ist ein Drama Konkret, die nächste Flasche geleert, die nächste Nase gelegt, und jeder fragt wie es nach Babylon geht, das ist kein Leben verdammt, es ist ein Drama Konkret“ (Intro). Nein, das Leben ist kein Zuckerschlecken, Babylon allgegenwärtig. Hiobs Botschaften handeln von durchzechte Nächten, Einbahnstrassen, Ernüchterung, Schlachtformationen, dem Zerrfall einer Bewegung, den Abgründen von Kulturen und der Sackgasse unserer plutokratischen Diktatur. Noch vor vier, fünf Jahren wäre Hiob wohl noch als realitätsfremder Schwarzmaler abgehandelt worden. In Zeiten wie diesen nimmt „Drama Konkret“ für ach so manch einen da draussen Gestalt an, tritt aus dem Schatten ans Licht. Und obschon Hiob in seinen Texten die dunklen Seiten von Leben und Macht abhandelt, transportiert er nur bedingt Wut. Hass schon gar nicht. Vielmehr sind seine Ausführungen von Melancholie und Weltschmerz geprägt. Nicht zuletzt sind die Beats dafür verantwortlich, die zwar roh, aber meist weder böse noch düster sind. Oh ja, die Beats, die Hiob allesamt selbst gebastelt hat, haben Soul, viel zu viel Soul, um wirklich böse oder düster zu sein. Mit „Drama Konkret“ stellt Hiob ein überaus dopes Album in die Plattenregale. Nörgler werden anmerken, es klinge wie damals in den Mittneunzigern. Mag ja sein. Nur ist dies kein Argument, das zählt. Erst recht nicht, wenn Beat und Rap Kopf, Nacken und Bauch gleichermassen bedienen und vereinahmen. (ruedi snare)


www.hhv.de/item_255225.html


Release Date: 20.10.2011






Ugly Duckling - Moving At Breakneck Speed

1999 klatschte Andy Cooper, Dizzy Dustin und Young Einstein der Gemeinde „Fresh Mode EP“ mitten in die Fresse. Zwei Jahre darauf folgte das Debütalbum. Mittelerweile hat das Trio aus Long Beach fünf Alben am Start. Das aktuelle Album „Moving At Breakneck Speed“ klingt noch genauso Long-Beach-untypisch wie ihr Debüt. Andy und Dizzy kicken ihre Old School Flows hin und her und hin und her und Einstein verbrät ein derbe funkyfreshes Sample nach dem anderen und versüsst die Endprodukte mit Cuts. Da besteht natürlich die Gefahr, dass der Funke früher oder später nicht mehr überspringt. Aber irgendwie schaffen es die hässlichen Entlein immer wieder, den Funken zu zünden. Der Kopf nickt zum Beat und die Geschichten, die Andy und Dizzy erzählen, lassen die Hörerschaft schmunzelnd zurück. Das aktuelle Album bestätigt dieses Ugly Duckling Klischee einmal mehr. Bis auf zwei oder drei Durchhänger vermag „Moving At Breakneck Speed“ überaus gut zu gefallen. Nein, das Rezpet ist kein neues, aber es schmeckt. (ruedi snare)


www.uglyduckling.us


Release Date: 11.10.2011






Flo Mega - Die Wirklich Wahren Dinge

Rap setzt seit spätenstens Mitte der 90er konsequent auf die Muttersprache. Alle andern Genres sind damals den umgekehrten Weg gegangen. Heute sind deutsche Liedtexte wieder beinahe selbstverständlich. Nur die Sparten Soul, Funk und Blues tun sich diesbezüglich noch schwer. Klar, es gibt Jan Delay, Max Herre und Joy Denalane, die die Flagge in den Wind halten. Unlängst haben die drei Unterstützung aus Bremen erhalten. Die Rede ist von Flo Mega und seinen Ruff Cats, die eben beim Raab seinem Song Contest fast zuoberst auf dem Treppchen gestanden und nach der vor einem Jahr veröffentlichten „Filmriss“ EP nun ihr Debüt „Die Wirklich Wahren Dinge“ an den Start gebracht haben. Die Scheibe ist 13 Tracks stark und featuert feinsten 60ties Soul, 70ties Funk und eine gute Portion echten Blues. Konzessionen an den Mainstream wurden keine gemacht. Nun gut, mag ja sein, dass manch einer die aktuelle Single „Zurück“ als eine solche Konzession wertet. Ist ja aber eigentlich schnurzpiepegal, weil eh niemand ernsthaft behaupten kann (und wird), die Truppe hätte den Soul und den Funk und den Blues nicht. Flo Mega mit jemandem vergleichen zu wollen, ist müssig, fährt er doch seinenen ureigenen Film. Nichts desto trotz kann ich nicht anders, als mich an dieser Stelle eines Vergleichs zu bemühen, sehe ich im Mann von der Weser doch sowas wie die Symbiose von Udo Lindenberg und James Brown. Und dieses Bild gefällt mir, wie das Album, überaus gut. (ruedi snare)


flomega.de


Release Date: 30.9.2011






Sir Serch - Antigroove 2

Sir Serch? Rapper aus Oberhausen. 2001 mit „Antigroove“ am Start. 2007 mit „Hasenfuss“. Nun die Fortsetzung von dem Teil von vor zehn Jahren. Inwiefern die Fortsetztung wirklich eine Fortsetztung ist, kann meiner einer nicht beurteilen, kenne ich das Release von vor 10 Jahren nicht. Ich kenn ja nicht mal den Sir Serch. Also jetzt schon, aber nicht den Rapper, sondern nur dessen neues Album „Antigroove 2“. Infos zum Mann am Mic gibt’s nämlich keine. Zu „Antigroove 2“ gibt’s die eine oder andere Info. Die Beats haben die Herren A Kid Called Drum, Tillevision, Hieronymuz und Dra Q Antiheld produziert, wobei der Bärenanteil auf die Kappe des erstgenannten Producer geht. Erschienen ist die Scheibe Ende September auf Spoken View. Stricke zerreisse wird „Antigroove 2“ freilich keine, werden viele an solchen Releases Interessierte gar nicht erst Wind bekommen von dem Teil. Werbung für „Antigroove 2“ wird nämlich so wenig gemacht, wie’s Infos zu Sir Serch gibt. Wer - wie ich - irgendwie an Sir Serchs dritten Streich gelangt ist, wird vielleicht - wie ich - Mühe bekunden, Zugang zu finden. Wer - wie ich - Anfangsschwierigkeiten Anfangsschwierigkeiten sein lässt, wird sich spätestens bei „Heimweg“ beim Mitnicken erwischen. „Heimweg“ ist der vierte Track. Die drei ersten Tracks sind vor allem beattechnisch weit störrischer als besagter vierter. Was die Textebene anbelangt, so sei darauf hingewiesen, dass man Sir Serch zuhören muss, da gibt’s kein Dranvorbeikommen (ausser man zieht die Reissleine aka drück auf Stopp), weil der Serch eben nicht einfach bloss rapt, sondern gleichermassen erzählt, mal mit nem Augenzwinker, mal mit leerem Blick. „Antigroove 2“ ist ein gelungenes Album, das, was den Groove betrifft, so anti nun auch wieder nicht ist. Wer Audio88, Tufu, Illoyal & BassDeaph oder Zweipunktnull mag, wird wohl auch an Sir Serch seine Freude haben. (ruedi snare)


facebook.com/pages/Sir-Serch/256929084345840


Release Date: 29.9.2011






Brenk Sinatra - Gumbo II: Pretty Ugly

Er scheint dieser Tage Premos Liebling an Pads und Keys zu sein, oder wie’s im Pressetext heisst: Brenk Sinatra is your favourite producer’s favourite producer. Der Mann aus Wien, der Detroit an die Westküste holt, dem Sample einen Korg gibt und die Golden Era ins Hier und Heute beamt, hat Soul wie nur einer vor ihm. Wer sich den Albumtrack “Predido” gibt, müsste wissen, wovon bzw. von wem ich spreche. Mit “Gumbo II: Pretty Ugly” hat Brenk ein 23 Beats starkes Album an den Start gebracht, das ihn nach der Krone greifen lässt. Freilich ist das Muster dasselbe, wie bei Dilla und Madlib. Kurzer Beat folgt auf noch kürzeren. Vocalschnipsel und andere gekonnt in Szene gesetzte Effekte runden das ganze ab. Nur schafft es Brenk als einer der wenigen, aus dem Schatten der Überväter herauszutreten. Yauww, “Gumbo II: Pretty Ugly” vermag auf ganzer Linie zu überzeugen. Lückenfüller gibt’s auf dem Album keine. Wer meint, sich die Scheibe kaufhausmusik-like nebenher geben zu können, irrt gewaltig. Zu fresh und dementsprechend vereinnahmend sind Brenks Gumbo-Beats. Und wer nicht weiss, wo sich die Repeat-Taste am iPod befindet oder wie es sich anfühlt, die Nadel von Anfang bis Ende, nicht eines Songs, sondern einer ganzen Seite, in der Rille zu belassen, der wird dank “Gumbo II: Pretty Ugly” sein Wissen in diesen Fragen zweifelsohne ausbauen können. Brenk Sinatras “Gumbo II: Pretty Ugly” erscheint am 23. September auf Melting Pot Music. Ach ja, auch das Cover Artwork von Cone! ist überfresh. (ruedi snare)


humrecords.ch/detail.php?id=142293&PHPSESSID=79b587871ceaa3736036acd4aa8ea20b


Release Date: 21.9.2011






Samy Deluxe - SchwarzWeiss

Szenegralshüter werden mit dem aufschreien und dem Finger zeigen. Nein, der Baus wird wohl kaum alle seine Fans aus vergangenen Zeiten mit auf seine Reise nehmen können. Mit Sicherheit werden andere zusteigen. „SchwarzWeiss“ heisst die neue Platte von Samy Deluxe. Der Albumtitel suggeriert, wovon die Liedtexte handeln. Im Zentrum der Betrachtung stehen Kontraste, in einer Zeit, die kontrastvoller kaum sein könnte. Und obschon dies zweifelsohne nicht weg zu diskutieren ist, steht selbst der Kontrast als solcher im Kontrast zum Immergleichen dieser Tage, das aus schwarz und weiss grau macht. Auf „SchwarzWeiss“ leuchtet Samy auch diese Grauzonen aus und zeichnet mit dem Blick auf sich selber und das grosse Ganze ein beeindruckendes Bild der Wirklichkeit. Natürlich hat’s auch auf dem Deluxe seinem aktuellen Album Platz für Battleraps. So hat der MC aus Hamburg denn auch den Track „Hände Hoch“ als Erstauskopplung auserkoren und mit einem Video versehen. Ja, Samy Deluxe ist Rapper. Ein verdammt guter dazu. Dass er aber auch andere Themen als die Szene und seine Skills anschneidet, ist beleibe kein neues Faktum. Trotzdem ist „SchwarzWeiss“ vielschichtiger und tiefgehender als alle seine andern Releases. Auf der Ebene der Inhalte geht Samy auf „Eines Tages“, „Vater Im Himmel“ und „Doppelt VIP“ bis zum Äussersten, kehrt sein Innerstes nach aussen, erzählt ohne schiefe Metaphorik von sich, vom Tod seines Vaters und zur Beziehung zu seinem Sohn. Diese drei Tracks sind denn auch die stärksten Momente auf „SchwarzWeiss“. Was die Musik betrifft, gelingt Samy der Brückenschlag von Rap zu Pop und Singing/Songwriting. Langeweile mag keine aufkommen, wenn Herr Deluxe singt, auch wenn er kein Sänger ist, oder wenn er sich von einer Akustikgitarre begleiten lässt, anstatt auf harte Beats zu rappen. Scheint so, als wäre Samy von Max Herres musikalischer Metamorphose beeindruckt und inspiriert. Der Max aus dem Schoss der Kolchose ist denn auch das einzige Feature auf Sams neustem Streich. Wer Scheuklappen trägt, wird nicht auf „SchwarzWeiss“ klar kommen. Alle andern machen sich mit Samy auf zu neuen Ufern. (ruedi snare)


www.samy-deluxe.de


Release Date: 28.7.2011






V.A. - Beat Power

Und er hat es wieder getan. Twit One hat die Crème de la Crème der deutschen Beatbastler zusammengetrommelt, um diese auf der A.U.D.D.A. Labelcompilation „Beat Power“ zu vereinen. Die Hauptstadt des deutschen Bastlertums ist dieser Tag Köln, sind doch 20 der 30 auf „Beat Power“ gefeaturten Artists in Köln zuhause. Die Beatlaboratorien der Nicht-Kölner finden sich irgendwo zwischen München und Berlin, in Wien (Feuc), NYC (Asio Kids), Santiago de Chile (Brous One) und im Nirgendwo des Hohen Nordens (Ruoy Yaw). Die Sounds auf „Beat Power“ sind insofern Alte Schule, als dass das Sample im Zentrum steht und zumindest was die Drums anbelangt grösstenteils straight Boom Bap. Ausserdem sind die Sounds entgegen dem Albumtitel meist laid back, oder anders gesagt, mehr Soul und Jazz denn Funk. Mehr, aber nicht nur. Retrogott hat den Funk, Beatvadda hat den Funk und DJ Ara hat den Funk. Andere Bastler wie Mr. Boots und Lazy Jones bringen die futuristische Komponenete ein, ohne klassichen Sampling zu entsagen. „Beat Power“ ist abwechlungsreich und bietet dank subtiler Beatkonstrukte und Arrangements immer wieder neue Aspekte und Facetten. Ja, wer denkt, Boom Bap komme ohne Rap nicht aus und Sampling sei nur was für Ewiggestrige, der irrt gewaltig. A.U.D.D.A. und MPM bringen „Beat Power“ auf Doppelvinyl am 22. Juli an den Start. Wer nicht mehr warten mag, der kann sich das Album seit Montag als Digital-Release auf die hauseigene Kiste ziehen. (ruedi snare)


audda.bandcamp.com/album/beat-power


Release Date: 22.7.2011






Kack Norris - Euphonie 2

Kack Norris der Kuschelraptoa hat auf seinem Irrflug durch die Unweiten des Universums kurz Halt auf Mutter Erde gemacht, um der Menschheit „Euphonie 2“ zu überbringen. Der Bärenanteil der Beats auf dem 19 Anspielpunkte starken Dingsbums kommen aus den Köchern der Herren Munoz und Melodiesinfonie. Akryte und Devonwho haben auch je einen Beat zum Werk des astrogalaktischen Leadsängers Kackimoto begesteuert. „Euphonie 2“ zelebriert laszives Entspanntsein auf höchstem Niveau. Ob die Scheibe aber wirklich gut ist, ist eine andere Frage, die der Kack im selbstverfassten Pressetext, der keiner ist, abgehandelt hat.

Ich hab einen Pressetext geschrieben, den die Presse wohl nicht interessiert - so wie die meisten Pressetexte des schweizerischen Hip Hops. Also bezeichne ich diesen Pressetext einfach mal spontan als Text, der das kommende Release bewerben soll. Auch doof, aber los gehts:
Ich finde mich selbst nicht so gut. Ich finde mich schon gut. Ich finde mich manchmal gut im Vergleich zu anderen Rappern, aber nicht so gut im Vergleich zu wieder anderen Rappern. Gar nicht gut finde ich mich beispielsweise im Vergleich mit Musikern, die die Samples für unsere Musik liefern. Oder so. Ich glaube sowieso, man kann sich selbst gut finden, aber andere teilen diese Ansicht nicht und umgekehrt. Deshalb sage ich jetzt nichts mehr über das Gutsein. Ich sage nicht, Euphonie 2 sei gut, aber ich persönlich mag Euphonie 2. Ja, das wars schon. Ich bedanke mich bei allen Leuten, deren Musik ich gut finde und natürlich bei den Beatmachern, die mir ihre Beats ausgeliehen haben um meinen Worten eine rhythmische Vorlage zu geben. Wer will, kann sich Euphonie 2 auf Rapblog.ch anhören.

Nun denn, nehmt all euren Mut zusammen und saugt das avantgardistische Inferno des Umkehrschlusses der hiesigen Populärkultur auf eure Rechner. Prost! (ruedi snare)


www.rapblog.ch/2011/07/21/exclusive-kack-norris-euphonie-2


Release Date: 21.7.2011






Illoyal & BassDeaph - Das Krankenhaus Ist Unendlich

Irgendwo an den Schnittstellen von Spoken Word und Rap und Störgeräuschen und Boom Bap finden sich Illoyal & BassDeaph. „Das Krankenhaus Ist Unendlich“ heisst das Album des Esseners am Beat und des Wahl-Kölners am Mic, der mich an den unvergleichlichen MC Reiner erinnert, einfach ohne Pitch. Nun gut. Auf den zwölf Tracks schleifts, hängts, fliessts, stampfts, zerrts, rauschts, rumpelts, quietschts und ratterts. „Quatsch“, mögen die einen grummeln, „Avantgarde“, mögen die anderen schreien. Tatsache ist (so scheint es zumindest), dass das Duo auf irgendwelche Schemata und Schubladen einen gepflegten (?) Fick gibt. Heimatlos müssten sie sein, könnte man meinen, weil es solche Querköpfe in unseren linearen Breitengraden nicht immer einfach haben. Sind sie aber nicht. Illoyal & BassDeaph sind bei Twit One und Hazenberg (Dakkord) unter gekommen. „Nu komm aba ma aufn Punkt du! Mag nimma weitalesn...“, beziehungsweise; der nicht eben langer Reder kurzer Sinn: Ich find das Album fresh, weise an dieser Stelle eindringlich darauf hin, dass man sich am besten selbst ein Bild von dem Ding macht, da erstens Genrebezeichnungen, die ja eh fürn Arsch sind, im Falle dieses Releases noch ein Quäntchen mehr fürn Arsch sind als sonst, und zweitens Geschmäcker bekanntlich verschieden sind. Übrigens... Gäste auf dem Album sind neben form die von gewissen Kreisen der deutschen Szene als Retter und Heilsbringer eben dieser auserkorenen Retrogott und Hulk Hodn. Prost. (ruedi snare)


www.grooveattackrecordstore.com/product_info.php?info=p13067760_das-krankenhaus-ist-unendlich.html


Release Date: 15.7.2011






Shape - Eine Wie Keine

Shape. Im Spiel seit anfangs 90er. Erste EP als Teil des Wrecked Mobs 1996. Zwei Jahre später Wrecked Mob-Album, AOH Family-EP und DJ Dimos-EP. 1999 Dynamic Duo, oft kopiert aber nie erreicht. Pause. 2004 die erste Solo-LP. 2005 Dynamic Duo back on the set. Und jetzt „Eine Wie Keine“. An Pads und Keys TZA, der Mann für Soul- und Funk-Breaks. Zusammen gehen die beiden zurück zu ihren Wurzeln. Golden Era Sounds. Sample ausgraben, loopen, Bass drunter, Drums drüber und Raps drauf. Simpel, oder? Neu sind die Rezepte auf „Eine Wie Keine“ beleibe nicht. Alleine deshalb wird Shape wohl eine kühle Brise entgegen wehen. Immerhin schreiben wir T+11 und „Eine Wie Keine“ ist doch so 1995. Ob die Jugend überhaupt noch um Phänomene wie Soul und Funk weiss? Alte Männer wie mich lassen die Tracks von Shape und TZA hingegen in Erinnerungen schwelgen. Nichts desto trotz hatte ich ein wenig Mühe, mich in „Eine Wie Keine“ zu finden. Irgendwie sind die ersten sechs Tracks mit Ausnahme von „Zuekunft Pt. II“ dann doch ein bisschen zu berechenbar, um nicht zu sagen fade. Dann kommt der Track „Schwöster“ und alles ist anders. Das Teil fühl ich. Definitiv. Obschon das Rezept auch kein anderes ist. Shape und TZA haben mich nun auf ihrer Seite. Auf „Rapshit“ („Ich sag ich mach Sound, sie frooge was füren Instrument spielsch?, ich sag mis Instrument isch Rap Shit“) und „Niemer Wie Mir“ („Ich bin no vom letschtä Johrtuusig, für mich isch Rap nid bloss Musig“) werden feinste Battle-Raps aufgetischt und auf „Funk Flavour“ zelebrieren Shape, Spoo und TZA eben diesen. Das Schlussbouquet besteht aus aus dem Dre-liken Banger „Palermo Connection“ und dem Dilla-affinen „Zäme Schaffe“. Und so ist zum Schluss doch wieder alles im Reinen. Der Shape und der TZA sind zwar Szene-Grosseltern, aber den Swing, den haben die beiden zweifelsohne noch immer („Scho über zwei Johrzähnt drby und immerno dinn, bring no mis Ding so fresh und no immer mit Swing“, „Eine Wie Keine (Intro)“). Bleibt zu hoffen, dass „Eine Wie Keine“ im Rap-Einheitsbrei dieser Tage nicht unentdeckt bleibt. (ruedi snare)


www.gleismusic.ch/artists/shape


Release Date: 1.7.2011






Shaolin Afronauts - Flight Of The Ancients

Der Mann, der über allem steht, ist Olufela Olusegun Oludotun Ransome-Kuti, besser bekannt als Fela Kuti (* 15.10.1938 Abeokuta, Ogun State, Nigeria; † 02.08.1997). Fela Kuti führte in der zweiten Hälfte der 60er-Jahre traditionelle westafrikanische Rhythmen und Gesänge mit Jazz und Funk zusammen. Der Afrobeat war geboren. Musiker wie Roy Ayers, Isaac Hayes und Curtis Mayfield haben Fela Kutis Vibes in die Populärkultur hineingetragen. Nach der Jahrtausendwende hat der Afrobeat ein eigentliches Revival erlebt. Dies dank neuer Acts wie Kokolo, Nomo oder die Budos Band, Afrobeat-Grössen wie Tony Allen (Fela Kutis Drummer) und Hugh Masekela und Hip Hop Acts wie Madlib, The Roots und Blitz The Ambassador. Ein neuer Stern am Afrobeat-Firmament ist die 11-köpfige Truppe The Shaolin Afronauts aus Australien. Die Band hat Ende Juni mit dem Release von „Flight Of The Ancients“ ihr acht Tracks starkes Album-Debüt an den Start gebracht. Viel gibt’s dazu eingentlich gar nicht zu sagen, als dass man zu den Sounds unmöglich still sitzen oder stramm stehen kann, zu pulsierend und mitreissend sind die Rhythmen. Gesang und Chants sind auf „Flight Of The Ancients“ nicht zu finden, was in keinster Weise weh tut. Zu fesselend und einnehmend ist die Instrumentierung der Stücke der Shaolin Afronauts, die mit „Flight Of The Ancients“ ein grossartiges Album-Debüt an den Start gebracht haben. (ruedi snare)


www.myspace.com/theshaolinafronauts


Release Date: 28.6.2011






Miles Bonny - Lumberjack Soul

Kansas City Soul-Barde Miles Bonny dropt heute sein MPM-Album-Debüt „Lumberjack Soul“. Tatsächlich ist das Album mehr eine Best Of-Compilation denn ein neues Album, finden sich auf der 16 Tracks starken Scheibe doch lediglich fünf zwar nicht neue aber bis dato unveröffentlichte Songs. Dies schmältert natürlich in keinster Weise die Qualität der Songs bzw. des Album als Ganzes. Wer sich schon in Miles’ Schaffen reingehört hat, wird wissen, wovon ich spreche. Auf „Lumberjack Soul“ vereint der Forstwirt des Souls mit Hilfe von Heads wie Suff Daddy, Testiculo Y Uno (Hulk Hodn & Twit One), DJ Day, The Ins, TE1 oder Fleur Earth Jazz, Soul, Hip Hop und Pop-Melodien zu einer einzigartigen Mixtur. Wer diese Mixtur live geniessen möchte, möge einen der Gigs von Miles Bonnys Deutschland-Tour, die er zusammen mit Suff Daddy besteitet, besuchen. Enjoy! (ruedi snare)


mpmsite.com/?area=records&view=detail&id=759


Release Date: 22.6.2011






The Midnight Eez - The Midnight Eez EP

The Midnight Eez, oder: Skurile Geschichte hinter freshem Release. „So this is how the story goes.. A long long time ago on a galaxy far away, that is to say pre-internet, 1995 or 1996 to be not very exact, [...]“. So beginnt der Pressetext zum Release. The Midnight Eez soll ein MPC-Zweigestirn aus der Bronx sein, das Mitte der 90er-Jahre fleissig Beats gebastelt hat. All City Gründungsmitglied Splyce bekam damals, so heisst es, von zwei Jungs ein Tape in die Hand gedrückt, auf dass er word spreade. Auf dem Tape stand laut Saga nur der Name des Duos und eine Pager-Nummer. Nun gut, Splyce soll sich für das Tape nicht sonderlich interessiert, es irgendwo hingelegt und vergessen haben. Anfangs des Jahres sei das Tape bei Büroaufräumarbeiten wieder aufgetaucht und für so fresh befunden worden sein, dass es knapp fünfzehn Jahre nach Entstehen seinen Vinyl-Release bekommen sollte. Aber, ach, oh Schreck, die zwei Urheber seien nun nicht mehr auffindbar. „Scheiss drauf, Wir machen das Ding!“, dachte man sich All City Hauptquartier. „Die werden sich schon wieder melden, wenn sie davon Wind bekommen.“ Und so ist die Welt seit Ende Mai um ein weiteres freshes Beat-Tape auf Vinyl reicher. Der Mood der Tracks passt durchaus in die Mitt-90er, obschon die Drums manchmal eher nach Ende 80er klingen. Sachdinliche Hinweise zum Kuriosum The Midnight Eez sind sehr willkommen. (ruedi snare)


www.allcityrecordlabel.com/releases/the-midnight-eez-midnight-eez-ep-actmelpx1


Release Date: 24.5.2011






Blitz The Ambassador - Native Sun

Samuel Bazawule kam 1982 in Accra/Ghana zur Welt. Seinem älteren Bruder und Public Enemy („It Takes A Nation Of Millions To Hold Us Back“) verdankt er seine Leidenschaft zu Hip Hop und Rap. Mit 19 Jahren zog es Samuel in die Staaten, wo er an der Kent State University in Ohio studierte. 2004 brachte Samuel als Blitz sein Albumdebüt „Soul Rebel“ an den Start. Mit dieser Platten und seinem Bachelor in Betriebswirtschaft in der Tasche zog er weiter nach New York, wo er sein zweites Album „Double Consciousness“ recordete. 2009 legte Samuel als Blitz The Ambassador und mit The Mighty Embassy Ensemble im Rücken „Stereotype“ nach und vermochte mit der Single „Breathe“ zu ersten Mal in seiner Karriere Aufmerksamkeit über Szenegrenzen hinaus zu generieren. Ein Jahr danach hat Blitz The Ambassador nun sein viertes Studioalbum „Native Sun“ am Start. Das aktuelle Album fängt dort an, wo sein Vorgänger aufgehört hat. „Native Sun“ ist Rap mit Messages, wie Blitz es von Acts wie Public Enemy und Nas kennt und liebt, auf zeitgenössischen Afrobeats im Geiste von Übervater Fela Kuti. Neben Fela Kuti, Public Enemy, Rakim und Nas sind The Roots ein weiterer Referenzpunkt, sowohl was die Musik - der Track „Victory“ erinnert stark an „75 Bars (Black’s Reconstruction)“ - als auch die Inhalte anbelangt. Black Thought und The Roots, Rakim, Nas und Public Enemy haben ausserdem gemeinsam, als dass sie als Verfechter des Afrozentrismus gelten. Diese Eigenschaft darf man Samuel Bazawule durchaus auch zuschreiben. Auf seinem neuen Longplayer erzählt Blitz seine Geschichte. Die Geschichte eines jungen Ghanesen, der, als er 19 Jahre alt war, von der Dritten Welt ins Land der unbegrenzeten Möglichkeiten zog und nun, zehn Jahre danach, seine Eindrücke und Erfahrungen aus der Sicht des jungen Ghanesen in NYC schildert. Blitz legt mit „Native Sun“ sowas wie seine Version von Huntigtons „The Clash Of Civilizations“ dar. Wie schon bei Huntigton ist mit The Clash nicht Kampf, sondern das Aufeinandertreffen gemeint.
Mit „Native Sun“ hat er ein tiefsinniges und vielschichtiges Album geschaffen, das sowohl musikalisch als auch sprachlich (vermag Blitz doch mühelos zwischen englisch, afrikanischem Piegeon und ghanaischem Twi hin und her zu switchen) auf ganzer Linie zu überzeugen vermag. Nun ja, den einen kleinen Wehrmutstropfen gibt\\\'s dann doch noch, ist der Song „Best I Can“ doch sowas wie der statistische Ausreisser, die Ausnahme, die die Regel bestätigt, im Falle von „Native Sun“ der fade Popsong, der nicht aufs Album passt, aber die Freude am grossen Ganzen nicht zu trüben vermag. (ruedi snare)


embassy.mvmt.com/2011/02/13/blitz


Release Date: 12.5.2011






Tyler, The Creator - Goblin

Hip Hop ist schon tausendundeinen Tod gestorben, um dann wiederaufzuerstehen. Aktuell vermeintlicher Retter von Hip Hop ist die OFWGKTA-Posse, eine Gruppe junger Wilder aus Los Angeles, die weder rechts noch links schauen, sondern straight ihr Ding durchziehn. Der Mann der 13-köpfigen Truppe, der den Grossteil der Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen vermag, ist Tyler, The Creator. 2009 hat er sein Debüt „Bastard“ als Gratis-Download releast und damit für gehörig Wirbel gesorgt. Spätenstens seit dem One-Shot-Video zum Track „Yonkers“ gilt er zumindest für einen Teil der Szene und vor allem für die Zunft der Journalisten als der Auserwählte, der Retter, der Hip Hop und Rap einmal mehr wiederauferstehen lässt. Ob diese Mission allerdings überhaupt eine solche ist und wenn ja, ob Tyler mit seinem neuen Album „Goblin“ die Rettung gelingen wird, geht dem jungen Mann (und auch dem Grossteil der Szene) wohl gewaltig am Arsch vorbei. Dies obschon manch ein Beobachter meinte, Tyler stehe unter immensem Erwartungsdruck. Ob Tyler allerdings auch nur einen Hauch dieses Erwartungsdrucks von aussen gespürt hat, wage ich an dieser Stelle zu bezweifeln. Sollte irgendein Druck bestanden haben, dann war dessen Fundament wohl die eigene Erwartungshaltung an sein Album. Nun denn, was Tyler mit „Goblin“ auf jeden Fall gelungen ist, ist das Faktum, keine Kompromisse eingegangen zu sein, weder für die Szene, noch für die Medien. Und das macht den Mann aus L.A. echter als manch einen selbst ernannten Teacher oder Realkeeper. Keiner der Songs auf „Goblin“ ist radiotauglich, weder was die Texte noch was die Musik anbelangt, ist das Album doch die Vortonung düsterer Fantasiewelten, Abrgründen der Gesellschaft und Albträumen. Tylers Raps sind dank Inhalten, Flows und nicht zuletzt dank seiner Stimme von Anfang bis Ende packend. Die Beats verkommen neben den lyrischen Ergüssen des MCs beinahe zur Nebensache. Dies auch deshalb, weil alle Beats sehr minimalistisch sind und mit den Raps die perfekte Symbiose eingehen. Ja, „Goblin“ ist wirklich überfresh und anders als der ganze Rest zeitgenössischer Rap-Releases. Ob Tyler mit „Goblin“ allerdings Hip Hop rettet oder retten will, oder ob Hip Hop überhaupt gerettet werden muss, ist eine Frage, die es nicht wert ist, beantwortet werden zu wollen. (ruedi snare)


oddfuture.tumblr.com/post/4469701626/goblin


Release Date: 5.5.2011






Jazzo & Melodiesinfonie - Treeology

Dimlite und Chief haben die Schweiz aufs internationale Beat-Parkett gehievt. Nun zieht ein Duo aus Zürich nach. Jazzo & Melodiesinfonie sind zwei Jungspunde, die mit Samples gespickte holpernde Synth-Beats ganz im Geiste von Heads wie Fly Lo, Dimlite und Devonwho basteln. Auf Chiefs Feelin’ Music haben die beiden Ende April ihre Debüt-EP „Treeology“ releast. Die Sounds sind sowas wie die Schnittmenge von Dilla und Nintendos Super Mario Sounds. Es rumpelt und hängt und zerrt und nickt Kopf und lässt Gedanken schleifen. „Treeology“ ist etwas vom besten, was das Land von Kuh, Chäs und Schoggi musikalisch zu bieten hat. Gehen die beiden Bastler aus Zürich ihren Weg weiter, werden sie wie damals Yello die Beatwelten erobern. (ruedi snare)


facebook.com/pages/Jazzo-Melodiesinfonie/199672073381323


Release Date: 22.4.2011






40 Winks - It’s A Trip

Ja, instrumentaler Hip Hop ist gerade schwer angesagt. Wurde ja hier am Blog im Zuge von ach so vielen wirklich guten eben solcher instrumentaler Releases schon mehrfach abgehadelt. Allein der Begriff instrumentaler Hip Hop ist etwas stossend, reden wir doch hauptsächlich von freshen Beats, die Genre-Grenzen in sich zusammenfallen lassen. Mit 40 Winks bringt nun ein Duo aus Belgien ein Album an den Start, das eben besagte Beatfreshness featuret, aber nur schwer in eine Schublade zu stecken ist. 40 Winks? Noch nie gehört. Schon wieder ein neuer Act? Aber nein, mitnichten. Padmo’ und Weedy sind beinahe sowas wie Veteranen. Seit 2002 releasen die beiden fleissig Alben, bis heute fünf an der Zahl, von den beiden EPs ganz zu schweigen. Mit „It’s A Trip“ bringen 40 Winks nun ihren sechsten Longplayer an den Start. 18 freshe Beats stark ist die Scheibe. Das eingangs erwähnte Etikett instrumentaler Hip Hop hat insofern seine Berechtigung, als dass Padmo’ und Weedy nicht nur aber auch mit Samples herumspielen, deren Auswahl und Handhabung aber doch eher genre-untypisch ist. „It’s A Trip“ ist Jazz mit ganz viel Soul, subliminaler Funk, getragen von lateinamerikanischen und ähnlich fesselnden Rhythmen. Beim Hörgenuss still zu sitzen, ist beinahe unmöglich, obschon der Grossteil der Songs auf dem Album tendentiell ruhig ist. (ruedi snare)


users.telenet.be/40winks


Release Date: 15.4.2011






Twit One - Stepping Stones

Nun ist’s also am Start, das sagenumwogene erste Album auf 10“ vom einzigartigen und nie erreichten Twit One aus Köln, seineszeichens Bastler, Bassist und DJ. „Stepping Stones“ heisst die Scheibe, die mit 16 dicken Beats bepackt ist. 16 Beats auf 10“? Ja das liegt drin. Klaro, die Spielzeit eines Beats ist nicht eben lang, im Schnitt ne Minute. Aber kurze Beats sind ja spätestens seit Dillas „Donuts“ sehr salonfähig. Twit hat sich auf „Stepping Stones“ wunderbar soulige Sounds vorgenommen und musikzitiert sich durch 16 Minuten Spielzeit. „Stepping Stones“ erinnert - mich zumindest - an Madlibs Beatabenteuer und bei den Tracks „The Hole Clap“ und „PAL (Peace’n’Love)“ zwinkert mir gar Dilla zu. Ob dies nun gewollt ist oder nicht, ist schnurzpiep. Jeder Mensch hat Einflüsse und wer souverän genung ist, lässt diese ja durchaus in sein Schaffen einfliessen. Das kennen wir alles schon aus der Literatur, aus dem Jazz, der Klassik etc etc. So läuft der Twit nicht mal ne Millisekunde die Gefahr, als Kopie abgetan werden zu können. Det-Hab-Ike-Ja-Allet-Schonma-Gehört-Effekte werden nicht schon im Keime erstickt, die kommen gar nicht erst auf. Nö, Twit ist Twit und beleibt Twit und manchmal auch Echomann. Wer vom Musiker aus Köln absurderweise noch nie was gehört hat, der gebe sich die Tracks „Seemy / Jamalski“, „Zuelpicher Blues / Musstedassosein?“ und „Deepstahl“ und geniesse. In diesem Sinne....Shabba! (ruedi snare)


mpmsite.com/?area=records&view=detail&id=744


Release Date: 14.4.2011






J.Rocc - Some Cold Rock Stuf

J.Rocc ist einer der verdammtnochmal besten DJs there was, there is und there ever will be und Gründunsmitglied der World Famous Beat Junkies (1992). Übel fresh sind seine Mixtapes, seine Livesets und seine Beats. Lange hat er die Gemeinde auf ein Album warten lassen. Nun ist es da.
„Some Cold Rock Stuf“ ist mit keinem aktuellen Instrumental Hip Hop Release zu vegleichen. Wenn Paralellen gezogen werden können, dann zu DJ Shadows bahnbrechnder LP „Entroducing...“ (1996) oder zu Arbeiten von Leuten wie Kid Koala oder Rob Swift. Wer sich J.Roccs Debüt anhört, wird wohl kaum von der Hand weisen können, dass den Tracks anzuhören ist, dass da nicht einfach „nur“ ein Producer, sondern ein Turntabelist am Werk gewesen sein muss. J.Rocc samplet sich wie damals Shadow durch die Musikgeschichte und setzt kleinste Puzzelstücke minuziös zu einem grossen Ganzen zusammen. Deshalb ist J.Roccs Debüt auch in Zeiten, in denen instrumentaler Hip Hop gefragt ist wie nie, ein Album wie kein zweites. Bis auf drei Ausnahmen (Intro-Track „Rocchead’s Delight“, „Stay Fresh“ und „Thru The Tulips“) finden sich auf dem Album keine kurzen Beats, wie wir dies von Madlib, Dilla und ihresgleichen kennen und lieben. Auf „Some Cold Rock Stuf“ finden sich Tracks, die zwischen drei und sieben Minuten lang sind und nie Gefahr laufen, der Langeweile anheimzufallen. Mit „Some Cold Rock Stuf“ betreibt der Beat Junkie aus LA Geschichtsschreibung, rollt er doch die Geschichte von Hip Hop wie auch die der Bürgerrechtsbewegung der schwarzen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten auf, ohne die Tracks zu trockener Materie verkommen zu lassen. Unterhaltung und Gehalt gehen durchaus zusammen.
Auf „Some Cold Rock Stuf“ findet sich ausserdem sowas wie ein Kontrastprogramm zum eigentlichen Album, die Mystery Disc, die sowas was wie Hidden Tracks, die nicht versteckt sind, featuret. Diese zehn unbetitelten Beats sind das, was ein Beat heute ist, nämlich kurz und fresh, ganz im Geiste von Madlib und Dilla. Und der Guilty darf auf einem dieser Beats auch noch ran. Abgerundet wird das Beat-Spektakel schliesslich und endlich vom grandiosen Artwork der Herren Gustavo Eandi und Jeff Jank. (ruedi snare)


stonesthrow.com/news/2011/02/jrocc-some-cold-rock-stuf


Release Date: 7.4.2011






Has-Lo - In Case I Don’t Make It

Gegründet 2007. Erstes Release 2008. Spätenstens seit Diamond Districts „In The Ruff“ (2009) auf dem Radarschirmen aller Underground Cats und seit The Lefts „Gas Mask“ (2010) am Indie-Olymp angelangt. Das ist die Geschichte der Mello Music Group. Diesen Weg will MMG natürlich konsequent weiter beschreiten. Eben erst hat Apollo Brown für 2011 vorgelegt und schon legt Has-Lo mit „In Case I Don’t Make It“ nach. Der MC und Beatbastler aus Philadelphia hat schlägt auf seinem Debüt ruhige Töne an. Düster sind die Sounds, nachdenklich die Lyrics. „In Case I Don’t Make It“ erinnert mich an die langsamen Tracks des Clans Mitte der 90er. Momentaufnahmen einer kalten Welt, Selbstzweifel, innere Zerissenheit und Unzufriedenheit dominieren die Szenerie auf „In Case I Don’t Make It“. Wer die 36 Kammern mag, sollte wohl auch Has-Los Album mögen. Beats wie sie RZA bastlete und Stimmen und Flows von Exzentrikern wie Ghostface oder ODB sucht man auf „In Case I Don’t Make It“ vergeblich. Aber die Atmosphäre, die der MC und Beatbastler aus Philly erzeugt, sind ganz im Geiste der Erkenntnis, die Raekwon, U-God und Meth damals in die Welt getragen haben. Cash rules everything around me, get the money, dollar dollar bill. Kein Zweifel, daran hat sich nichts geändert. (ruedi snare)


mellomusicgroup.bandcamp.com/album/in-case-i-dont-make-it


Release Date: 22.3.2011






Lex (de Kalhex) - Perfect Picture

Lex ist der Mann, der für das Trio Kalhex (Lex, Le Makizar und Lex’ Bruder Parental) die Beats bastelt. Vor gut einem Jahr haben die Jungs ihr Debüt „Kalhex“ gedropt. Nun hat Lex nachgelegt und sein Solo-Album „Perfect Picture“ releast. Das Teil ist 14 Tracks stark und kommt ganz ohne Raps aus. Auf „Perfect Picture“ gibt’s allerfeinste Boom Bap Beats ganz im Geiste von Pete Rock, Kan Kick oder Kev Brown. Wer nachbarländische und einheimische Bastler wie Glam, Twit One, Hulk Hodn, Reezm oder Sterneis mag, dürfte beim Hörgenuss von „Perfect Picture“ dahinschmelzen. „Perfect Picture“ ist Butter an der Sonne. Smoother als die Beats auf Lex’ LP geht kaum. Dig, chop und loop das Sample (Shout Out an Dexter), Bass drunter, Drumbreak drüber und fertich ist das gute Stück. Wer das Teil auf Schwarzgold haben möchte, möge sich beeilen, da die LP (leider) ganz zeitgemäss strengstens limitiert ist. (ruedi snare)


www.myspace.com/akromegalex


Release Date: 11.3.2011






The Electric - Life Is Moving

DJ Vadmin für die Beats, Pugs Atomz für die Raps und Sabira Jade für den Gesang sind The Electric. Das Trio hat im Februar das Albumdebüt „Life Is Moving“ releast, dessen Sounds die Schnittmenge aus 80er-Jahre-Synth-Pop, Westcoast Funk, aktuellem Synthesizer-Funk, Soul und Boom Bap ist. Der Track „Hands Up“ vereint diese Inputs am offenkundigsten, ist dieser doch eine Reinterpretation (kein Cover!) vom A Tribe Called Quest-Classic „Stressed Out“, dessen Melodie sowas wie das Theme für den Track ist. Die 16 Songs auf dem Album gehen straight in den Nacken und die Hüftgegend, sind unaufdringlich clubtauglich und nicht so belanglos catchy, dass man sie schon beim zweiten Mal Anhören mitsummen oder gar mitsingen könnte, bevor sie einem beim dritten Mal dann schon auf die Eier gehen. „Life Is Moving“ vermag von Mal zu Mal besser zugefallen. Die Lyrics zeichnen sich auch, aber nicht bloss durch die Flows aus. Inhalte stehen nicht hinten an. Und Vadim ist wie eh und je detailverliebt und vielseitig. „Life Is Moving“! Yeah, der Frühling kann kommen! (ruedi snare)


www.djvadim.com


Release Date: 8.3.2011






Robot Koch & John Robinson - Robot Robinson

Project Mooncircle verwöhnte uns in jüngerer Vergangenheit immer und immer wieder mit freshen Releases der andern Art. Ein PMC-Release der andern Art ist auch die aktuelle Scheibe der Herren Robot Koch (Beats) und John Robinson (Raps). „Robot Robinson“ ist der Titel der acht Tracks starken EP. Die Sounds und Raps sind irgendwo an der Schnittstelle von True School, The Prodigy und DOOM als King Geedorah anzusiedeln. Wer bitte braucht schon Star Trek, Marvel Comics, LSD, Mitternachtsmessen oder Räucherstäbchen, wenn „Robot Robinson“ im Plattenregal steht?! Und das Artwork ist mal wieder mehr als bloss erste Sahne. Nur schon wegen dem Cover muss ich mir die LP wohl in doppelter Ausführung besorgen. Eine für an die Wand und eine für ins Regal. (ruedi snare)


www.projectmooncircle.com/releases/84


Release Date: 4.3.2011






Morlockk Dilemma - Circus Maximus

Nach lustaufmehrmachenden Vorabtracks und Urheberrechtsknartsch um das Coverartwork gebiert Morlockk Dilemma sein nunmehr drittes Solobaby, auf dass sich die Sippschaft daran ergötze. Getauft auf den Namen „Circus Maximus“ zieht Morlockks Jüngstes nun aus, die Gedankenwelten jener zu vereinnahmen, die unzeitgemäss stereountypischem Denken frönen. „Circus Maximus“ baut Welten, um sie wieder einzureissen und weiter zu ziehn, um andernorts von neuem zu beginnen. Andere bedienen sich Ton und Bild, um Filme zu fahren, die nicht ein Bruchteil so lebeding sind, wie Morlockk Dilemmas Tontheater. Die Bühne, die die Welt bedeutet, ist dein Kopf. Nur keine Angst, lass Morlockk rein, auf dass er sein Zirkuszelt aufbauen möge und die Show baldestmöglich losgehe. Metaphernreiches Storytelling, Flows wie keiner einer sonstwo, eine markante Stimme und bombastische Beats machen „Circus Maximus“ zu einem der besten Alben, die Rap bis heute sein Eigen nennen darf. Unterstützung an Mic und Pads hat Morlockk Dilemma von Hiob, Dj D-Fekt, Choleriker, Absztrakkt, R.U.F.F.K.I.D.D, JAW, Hieronymuz, Dubios, Seb the Undead und Suff Daddy bekommen. (ruedi snare)


www.facebook.com/pages/Morlockk-Dilemma/133963353284262


Release Date: 28.2.2011






V.A. - Finest Ego - New Zealand / Australian Beatmaker Compilation

Die Beatmaker Platform Finest Ego präsentiert zusammen mit Project Mooncircle und HHV.DE ihre neueste Werkschau. Die Compilation featuert Artists aus dem Südpazifik. Das 14 Tracks starke Album gibt einen Einblick in das Schaffen von Adi Dick, Ben Houghton, Ben Jamin w/ Matt Miller, Christoph El Truento, D:UNK, Electric Sea Spider, Galapagoose, Isaac Aesili, Kilter, Lewis McCallum, Mike Kay, Panorama, Slamagotchi und Ta Ku. Letzerer ist wohl der bekannteste Producer auf der Compilation. Die Beats mal ausufernd sphärisch, mal abstrakt, dann wieder Cali-like funky. Wer Flying Lotus, Dimlite, Dâm Funk oder Brenk mag, wird an diesem Release seine liebe Freude haben. Die Compilation einem Genre zuordnen zu wollen, wäre fast schon vermessen. Das Release lässt verschiedenste Styles ineinander fliessen. Der gemeinsame Nenner das Attribut fresh, das sich alle Bastler auf die Stirn, ihren Sequenzer oder Synthesizer kleben dürfen. Die Finest Ego-Compilation ist für die kommenden 10 Tage zum Download freigegeben worden. Danach wird man was abdrücken müssen, um in den Genuss der Sounds zu kommen. Liebhabern von Electronica-Funk-Hip Hop-Mélanges wird dies wohl kaum schwerfallen. (ruedi snare)


projectmooncircle.bandcamp.com/album/finest-ego-new-zealand-australian-beatmaker-compilation


Release Date: 25.2.2011






Eric Lau - Quadrivium

Eric Lau hat vor drei Jahren auf Ubiquity Records sein wunderbares Debüt-Album „New Territories“ releast. Mit „Quadrivium“ hat der Producer aus London nun seinen dritten Longplayer in virtuelle und reale Regale gestellt. Hatte Lau beim Debüt noch Gäste am Mic, so kommt „Quadrivium“ wie schon „Makin’ Sound“ (2010) ganz ohne Lyrics aus. Laus neues Release ist sowas wie die konsequente Weiterentwicklung vom Vorgänger, gnadenlos sauber produziert und so mellow und laid back, wie es nicht mal meine absolut zufriedenes Grosi ist. Anhängern von Dilla und Pete Rock dürften wohl Freudentränchen über die Backen kullern, wenn sie sich „Quadrivium“ anhören, sind dessen Sounds doch so etwas wie der Cocktail aus den Ergüssen jener Legenden, was nicht heissen soll, Lau definiere sein Schaffen über Fremdeinflüsse. Nein, wo Lau draufsteht ist definitv auch Lau drin. „Quadrivium“ (lat. „vier Wege“) ist der ruhige Sonntagmorgen, der Tag am Meer, der Abendspaziergang an einem lauen Sommerabend und der Mitternachtssnack in einem und ein weiterer eindrücklicher Beweis dafür, dass ein Beat auch ganz gut ohne einen Rap zu funktionieren vermag. (ruedi snare)


kilawattmusic.bandcamp.com/album/quadrivium


Release Date: 25.2.2011






4Trackboy & Echomann - MMX

Seit 2008 wissen wir dank 4Trackboy & Echomann, dassessoseinmuss. Soundnichtanderseben. Nun ist das Duo aus Köln zurück und schenkt uns „MMX“. Endlich. Endlich gibt’s wieder jazzedoutsoulfunkgeschwängerte Twit-Beats gespickt mit Retrogotts sobelanglosgehaltsinnvollen Raps. Mit an Bord sind die Herren Hazenberg (check „Übersetzungen EP“), Lazy Jones und Memyselfandi. „MMX“ ist all das, woran sich wacke geldkranke Raphuren die Zähne ausbeissen würden, hätten sie von dieser Dimension des Rapseins überhaupt Kenntnis. Mehr gibt’s eigentlich nicht zu sagen zum neuen inklusivebonusmaterial dreizehntracksstarken Album von 4Trackboy & Echomann. Bleibt nur zu hoffen, dass auch Nichtkölner irgendwie an das Release kommen. Noch schöner wäre natürlich „MMX“ auf Vinyl, für solch urweltfremdutopische Schnösel wie Ruedi und Kurt. Wer weiss, vielleicht haben Iced Out Pimmel Records, Augenringe Unter Dem Dritten Auge Records und Hand Ohne Daumen Records ein Einsehen oder finanzstarkeinsichtige Freunde. (ruedi snare)


twitsteps.blogspot.com


Release Date: 25.2.2011






D-Sisive - Jonestown 2: Jimmy Go Bye Bye

Eigentlich hätte „Jonestown 2: Jimmy Go Bye Bye“ schon vor einem Vierteljahr droppen sollen. D-Sisive hat uns warten lassen. Aber es gibt mindestens zwei gute Gründe, weshalb das keine Rolle spielt. Erstens ist das Album 16 Tracks starke Album gratis und zweitens ist es fuç<íng good, sowohl Beats als auch Raps. Was die Raps anbelangt, so gilt es festzuhalten, dass D-Sisive einer jener MCs ist, die Inhalte transportierten. Das hat er schon im Vorab-Track „If“ eindrücklich bewiesen. Zu den Beats gibt’s zu sagen, dass wenn der Name Munshine fällt, jedem klar sein sollte, dass es sich um Qualitätsware handeln muss. Auf „Jonestown 2: Jimmy Go Bye Bye“ sind mit einer Ausnahme alle Tracks von Munshine produziert. Der eine andere geht auf das Konto von Timbuktu. Soundtechnisch ist die Scheibe abwechslungsreich, mal soulig, mal düster, mal mit Gitarrengewitter und mal sphärisch. D-Sisives Raps sind gewohnt nonchalant-monoton was Stimme und Flows anbelangt. „Jonestown 2: Jimmy Go Bye Bye“ wird D-Sisives letztes Album sein. Ob und was man von Derek Christoff noch zu hören bekommt, ist noch offen. (ruedi snare)


d-sisive.bandcamp.com/album/jonestown-2-jimmy-go-bye-bye


Release Date: 22.2.2011






Apollo Brown - Clouds

Way back stand der DJ im Zentrum der Bewegung, bald schon zog der MC alle Spotlights auf sich, so sehr, dass man den Eindruck bekommen konnte, Hip Hop sei nichts anderes als Rap. Dass der MC trotz Spotlight keine Allgeimeinansprüche geltend machen kann, sollte man niemandem erklären müssen. Nun, Leute wie Krush, Shadow, Swift und Konsorten haben immer wieder dafür gesorgt, dass das Augenmerk auch auf das DJing und den Beat gerichtet wurde. Seit der Ära Madlib und Dillas „Donuts“ sorgen immer mehr talentierte Bastler dafür, dass der Beat und somit auch der Producer mehr und mehr die ihm gebührende Beachtung bekommt. Heads aus den Staaten, Japan, von der Insel, aus Frankreich und Deutschland haben ein regelrechtes Beat-Inferno gezündet. Unlängst haben J.Rocc, Kan Kick, Lex, Dela, Eric Lau, Al Quetz, Skymark, Chief und Apollo Brown Instrumental-Projekte releast. Letzterer hat Ende Februar mit „Clouds“ einen 29 Tracks starken Longplayer an den Start gebracht, dessen Sounds relaxter nicht sein könnten. Der Albumtitel könnte treffender kaum sein, sind die 55 Minuten Hörvergnügen doch sowas die Vertonung von Schwerelosigkeit. Mag sein, dass der eine oder andere mehr Action bräuchte, oder mehr Dilla oder Madlib. Klar, die Beats auf „Clouds“ stünden gewissen MCs gut und gewisse MCs hätten sicher ihre liebe Freude daran, Browns Beats mit ihren Raps zu bestücken. Solche Konzessionen macht Apollo Brown aber nicht. Er geht seinen eigenen Weg, zelebriert auf „Clouds“ klassischen Boom Bap und Smoothness auf seine ureigene Weise. Die Formel funktioniert und macht die LP zu einem der zahlreichen frühen Highlights des noch jungen Jahres. „Clouds“ ist am 22. Februar auf Mello Music erschienen. Ein Release auf Vinyl war nicht vorgesehen, wird aber wohl bald doch noch Tatsache (ruedi snare)


mellomusicgroup.bandcamp.com/album/clouds


Release Date: 22.2.2011






Kaimbr & Kev Brown - Alexander Green

Nun ises da, Kev Browns und Kaimbrs „Alexander Green“ Projekt, eine Ode an Al Green, freshe Beats und Raps. Die beiden halten es unten. Wo Low Budget draufsteht, ist auch Low Budget drinne. Was soll ich da noch mehr sagen? Wer von Kev Browns Liebe für den Beat und seinem Ohr fürs Sample und den Finger für den Chop weiss, der knowt what i mean. Obschon Kev eigentlich der Producer und Kaimbr der MC ist, konnte es sich Mr. Brown nicht verkneifen, den einen oder andern Reim zu droppen, was meiner einer freuen tut. Was ich aber gar nicht passt, ist die Tatsache, dass „Alexander Green“ nur digital hätte releast werden sollen. Nun, das ‚hätte’ und das ‚sollen’ im vorangehenden Satz sagt eigentlich schon alles, aber ich deutsch es trotzdem aus. Nein, die Welt ist nicht immer bloss ungerecht. Weil es gibt Menschen wie Damu, die selber dope Beats basteln und finden, dass „Alexander Green“ auch auf Vinyl releast werden muss. Bleibt nur zu hoffen, dass mir „Alexander Green“ auf grünem Vinyl nicht durch die Lappen geht. (ruedi snare)


redefinitionrecords.com/2011/03/08/kev-brown-kaimbr-releasing-lp-with-redefinition-records


Release Date: 15.2.2011






Fleur Earth & Quo Vadis - Forsch’ & Facette

Fleur Earth und Quo Vadis sind Forsch’ und Facette. War der Mann an Fleurs Seite bis anhin jeweils Twit One, hat nun Quo Vadis Fleurs lyrische Eskapaden vertont. Dem zum Trotz klingt ihr neues Album nicht wesentlich anders als die Projekte mit Twit. „Forsch’ Und Facette“ ist wie schon „Skurreal“, „Es Enstehen Wesen“ und „Soul Des Cabots“ (Projekt mit Livemusikern, am Bass Mr. Twit One) Strassenkötersoul in Reinkultur, was zum einen natürlich in der Natur der Sache, sprich Fleurs Stimme und Texten, zum anderen aber an der musikalischen Untermalung, im Sinne von „dig, chop und loop das Sample“, liegt. Das Sample ist Soul und Jazz. Im Gegensatz zu Twit bringt Quo Vadis auch dezent Electronica ins Spiel. Laut Pressetext ist Fleur auf „Forsch’ Und Facette“ schroffer als noch auf Vorgängeralben. Diese Aussage mag stimmen, ist aber insofern nebensächlich, als dass Fleur rein schon wegen ihren ureigen eigensinnigen Styles (ich dachte sofort an Meister Yoda, als ich Fleurs Satzbauten zum ersten Mal hörte) nicht wirklich viel Spiel für Kategorien zwischen dope und wack lässt. Entweder du liebst Fleurs Musik, oder du schüttelst den Kopf. Ich kenne niemanden, der Madame einfach nur mag. Mögen gilt nicht. Sich an Fleur zu gewöhnen, ist schlicht nicht möglich. Daran wird auch „Forsch’ Und Facette“ nichts ändern. Dank Tracks wie „Penis“ oder „Regeln“ wird diese Tatsache wohl noch untermauert. Mag sein, dass ich mich irre, was ich nicht denke, da Einzigartigkeit meist sich scheidende Geister im Schlepptau hat. Fleur Earth ist die Antithese zu Kongruenz und ihr Album mit Quo Vadis der Gegenbeweis zur Inexistenz von deutscher Soulmusik. (ruedi snare)


www.mpmsite.com/index.php?area=records&view=detail&id=729


Release Date: 11.2.2011






Long Arm - The Branches

Long Arm aus Odenburg in Russland hat mit „The Branches“ eben sein Debüt an den Start gebracht hat. Bis auf eine Ausnahme sind alle Tracks auf dem Album Instrumentals. Solche Beatstrumental-Alben haben spätestens seit Madlibs Beatkonducta-Reihe oder Dillas „Donuts“ Hochkonjunktur, was nicht heisst, dass all diese Alben wie Dillas „Donuts“ klingen (wollen). Eben so wenig heisst es, dass es solche instrumentale Producer-Exkursionen nicht schon früher gegeben hat, man denke z.B. an Krush oder Shadow. Seit Madlib und Dilla sind Heads aber erst richtig auf den Geschmack gekommen und haben ihre Fühler in alle Richtungen ausgefahren. Genre-Grenzen sind in sich zusammen gefallen. Dank dieser Entwicklung sehen sich Künstler wie Long Arm einem bunten, nicht in Schemata denkenden Publikum gegenüber. Wäre dies nicht so, hätten Nerds wie der junge Producer aus Odenburg zumindest im Dunstkreis von Hip Hop keine wirkliche Existenzberechtigung, weil Schubladendenken dies nicht zuliesse. Wer sich „The Branches“ anhört und die Beats irgend einer Kaste zuordnen wollen würde, stünde vor dem Nichts. Weil was zum Henker ist ein Album wie „The Branches“? Hip Hop? Dub? Drum’N’Bass? Jazz? Die Schublade für Long Arm und andere Bastler gibt’s nicht und wird’s nie geben. „The Branches“ weder dies noch das, aber eines ist das Album, nämlich fresh. Long Arm vermag mit seinen Beats Stimmungen zu erzeugen, die kaum in Worte zu fassen sind, aber den Vibe dieser Tage auf eindrückliche Art und Weise vertonen. „The Branches“ ist der Soundtrack für die all offenen Fragen des Hier und Jetzt. Melancholie ist das Hauptthema der stimmungsvollen Beats auf dem Album. Schattenseiten werden in Melodien gepackt. Überwiegend düster ist „The Branches“ jedoch nicht. Ohne Licht gibt’s keine Schatten. Das scheint Long Arm verinnerlicht zu haben. Dieses Wechselspiel ist die grosse Stärke des Longplayers und ist mir Grund dafür, dass die Beats kurzweilig sind wie nur selten eine Produktionen dieser Tage. (ruedi snare)


www.projectmooncircle.com/artists/81


Release Date: 11.2.2011






Al Quetz - Drums Come From Africa

Vor gut einem Jahr veröffentlichte Quetzal sein grossartiges Debüt „Vision“. Damals nahm er sich lateinamerikanischen und karibischen Sounds an. Auf dem Nachfolger „Drums Come From Africa“ geht er als Al Quetz zurück zu den Wurzeln und taucht in die Rhythmen afrikanischer Musik ein, wie dies unlängst auch der Beat Konducta tat. Eines ist klar, wer Madlibs Streifzug durch den Schwarzen Kontinent mag, wird auch „Durms Come From Africa“ mögen. Die Alben der beiden Bastler unterscheiden sich in zwei Dingen. Zum einen bringt Madlib Quote um Quote aus afrikanischem Munde zu Gesellschaft und Politik ein, worauf Al Quetz zwar nicht vollständig aber weitestgehend verzichtet. Man könnte auch sagen, Quetz setzt die Statements gezielter in Szene. Zum andern geht der Mann aus Oxnard, wie wir es von ihm gewohnt sind, mit unverblühmter Rawness an die Sache ran, will heissen, die Sounds sind dreckig. Al Quetz führt diesbezüglich die feinere Klinge, ohne den Bezug zu den rohen Rhythmen und Sounds aus Afrika zu verlieren. Was Otis und Al neben den Quellen für ihre Beats ausserdem verbindet, ist Kankick, der sowas wie Weise oder Stammesälteste aus dem Kreise der Heads aus Ox ist und im Titeltrack zu „Drums Come From Africa“ mitwirkt. Zweiter Gast an den Pads ist Dela. An den Reglern hat ausserdem GUTS assistiert. Mit „Drums Come From Africa“ hat Al Quetz eine Ode an die Ursprünge des Rhythmus und die Musik und Gesellschaft aus Zentralafrika releast und unterstreicht einmal mehr, dass er zu den Besten seines Fachs gehört. (ruedi snare)


alquetzakaquetzal.bandcamp.com


Release Date: 8.2.2011






Chief - Drone Beats & Electric Waves

Er hat mit Feelin’ Music sein eigenes Label und schon für Moka Only, John Robinson, Kissey Asplund, Dynas, Blu, Co$$, Les Nubians und Abstract Rude (um nur einige zu nennen) gebastlet. Die Rede ist Chief aus Lausanne. Ende Januar hat er mit „Drone Beats & Electric Waves“ ein 23 Tracks starkes Instrumental-Album releast, wobei die Betonung auf stark im Sinne von fresh liegt. Die Beats sind eine Mischung aus spährischen Synthesizer-Melodien, Jazz und dillaesken Drumpatterns. Ja, Dilla ist wie bei ach so vielen Bastlern auch bei Chief der unüberhörbare Einfluss. Und wie so viele andere Nerds hat auch Chief mit dem Track „F.I.L. Revisted“ eine Ode an Dilla im Repertoire. Aber der Producer aus der Westschweiz geht nicht hin und versucht James Yancey zu kopieren, nein, Chief hat definitiv seinen ureigenen Style. Und dieser Style macht „Drone Beats & Electric Waves“ zu einem der stärksten Alben, das ich in den vergangenen Monaten zu Gehör bekommen habe. (ruedi snare)


feelinmusic.bandcamp.com/album/chief-drone-beats-electric-waves-lp-mp3-card


Release Date: 1.2.2011






Kush - Karisma

Eineinhalb Jahre sind vergangen, seit Kush und JakeBeatz den Gratis-Release „Kush & Jake“ ins Netz gestellt haben. Damals wurde gesagt, das Album-Debüt sei bald am Start. Leider haben Kush und Jake uns warten lassen. Aber eines sei vorweg gesagt: Das Warten hat sich gelohnt. Das Duo hat mit „Kush & Jake“ die Messlatte hoch gelegt und hätte sich so gesehen höchstens selber ein Bein stellen können, was Erwartungshaltungen an den Output der beiden Basler anbelangt. Aber Kush und Jake sind nicht gestolpert. Mit „Kush Karisma“ bringt das Tagteam ein Album an den Start, wie es die Schweiz noch nicht gehört hat. Das soll nicht heissen, Kush sei der beste MC und Jake der beste Producer. Es soll heissen, dass Kush Charisma hat, sich selbst repräsentiert, nicht nach links und rechts schaut und keinen Trends hinterher rennt. „Ich bruch kei Image ich mach Songs mit Härz [...] nur wie ich mich grad fühl mol hart mol soft“ („Liegegschichte“). Seine Texte und Flows üben eine beinahe hypnotische Wirkung aus. Nicht hinzuhören, ist unmöglich. Wer nicht hinhören möchte, wird an „Kush Karisma“ scheitern. Das macht den MC aus Basel beinahe einzigartig und lässt ihn scheinen, obschon beinahe alle Inhalte und Beats düstere Szenarien zeichnen. Meist lässt sich Kush über sich selber oder die Gesellschaft aus. Selten (aber mehr als früher) lässt der MC aus Basel auch positive Momente zu. Mit Jake hat Kush den perfekten Gegenpart an den Reglern. Raps und Beats passen wie die Faust aufs Auge. Auf „Kush Karisma“ hat Rap gewartet. Alben wie „Kush Karisma“ halten Rap am Leben.

PS: Dem besten Schweizer Rap-Album seit Kalmoos Release „Alli Wän Antworte“ liegt ausserdem eine DVD bei, die den erfolgreichen Kurzfilm „Störfaktor“ und anderes Bonus-Material featuret. (ruedi snare)


www.pw-records.com


Release Date: 28.1.2011






fLako - Mini Tollbooth

fLako ist ein chilenisch stämmiger Producer aus London. Er ist Teil einer neuen Generation von Beatbastlern, die keine Berührungsängste haben und deren Beats sich kaum einem Genre zuordnen lassen. So ist fLakos Debüt „Mini Tollbooth“ eine Art von Kernschmelze aus südamerikanischen Rhythmen, Electronica, skuriler Liveinstrumetierung, Vocalmelodien und klassischem Sampling. „Mini Tollbooth“ ist eine vertonte Abenteuerreise, so gibt fLako denn auch den 1961 erschienenen Kinder-Abenteuerroman „The Phantom Tollbooth“ von Norton Juster und Jules Feiffer als seine Inspirationsquelle an.

‚Mini Tollbooth’ is inspired by a novel called Phantom Tollbooth. The film adaptation from 1961 is so beautiful. I like to get lost in these childish worlds of freedom, where everything is possible. This modern fairy tale is about a young boy named Milo who is bored by the world around him. He feels everything is a waste of time. He comes home from school one day to find in his bedroom an anonymous package containing a miniature tollbooth and a map of the Lands Beyond. He takes the map, drives through in his toy car, and instantly finds himself driving on a road to Expectations. Enjoying the ride, he pays no attention to his route and soon becomes lost in the Doldrums, a colorless place where thinking and laughing are not allowed. He is having plenty more adventures like watching Chroma the Great conduct his orchestra in playing the colors of the sunset or meeting The Awful Dynne, a genie who collects noises for Dr. Dischord. – fLako

Wer sich auf „Mini Tollbooth“ einlässt, wird sich bald wie Milo auf Entdeckungsreise begeben. Fängt das Abenteuer noch gemütlich an, kommt beim Track „Doldrums“ dann sowas wie Hektik auf, ist Doldrums doch auch im Kinderbuch der unschöne Ort. Nun denn, Milo wird von Tock gerettet. Und auch fLako geht nach „Doldrums“ wieder harmonischere Wege.

Ebenso überwältigend wie fLakos Soundsphären ist ürigens das Artwork der EP. (ruedi snare)


projectmooncircle.bandcamp.com/album/mini-tollbooth-ep


Release Date: 17.12.2010






LMNO - LMNO Is Dead

Ja, LMNO ist wahrhaftig die Antithese zu Dr. Dre, hat der MC aus Long Beach/LA 2010 doch sage und schreibe zehn Alben an den Start gebracht. Dafür bräuchte Dre geschätzte hundert Jahre. Nun, die Fragen, die sich mir angesichts dieser Faktenlage stellen, sind folgende: 1) Welche Opfer mussten an die Qualität gemacht werden und 2) wie zum Teufel konnte neun Alben von LMNO einfach so an mir vorbeiziehen, ohne dass ich davon etwas mitbekommen habe. Frage 2) ist relativ einfach zu beantworten, bin ich doch einer jener, die sich Alben nicht bei iTunes oder ähnlichen Plattformen besorgen, sondern beim Plattendealer. Keines der zehn Alben von LMNO ist bei meinen Dealern erhältlich, was stark darauf hindeutet, dass keines der Alben auf Vinyl releast worden ist. Frage 1) versuche ich anhand des aktuellen Longplayers „LMNO Is Dead“ zu beantworten. Der Mann für die Beats auf „LMNO Is dead“ ist KeyKool. Er ist Mitbesitzer von Upabove Records und wie LMNO Mitglied der legendären Visionaries. Für „LMNO Is Dead“ hat er elf veritable Kopfnicker an den Start gebracht, mal mit barockem Sample, mal mit a whole lotta Soul, mal mit verzerrtem Hardrock-Gitarrenriff und zum Schluss mit einer allseits bekannten Melodie. LMNO seinerseits ist und bleibt LMNO. Stimme und Style sind unverkennbar. Battleraps gibt’s keine. Wie immer schildert der MC aus LA seine Ansichten zu verschiedensten Themenbereichen. Gewiss, LMNO bietet nichts als altbewährte Kost. Und an meinen LMNO-Classic „Leave My Name Out“ kommt das aktuelle Album bei weitem nicht heran. Trotz allem vermag LMNO sein Level konstant zu halten, nicht nur gemessen am Output. Dass aber jemand hingeht und sich alle zehn 2010er Releases des Visionaires-MCs holt, ist wohl auszuschliessen, was im Zeitalter von iTunes & Co. aber eh nur halb so schlimm ist. (ruedi snare)


www.upabove.com/artistHome.aspx?artistID=41


Release Date: 14.12.2010






Crown Royal (Buff1 & Rhettmatic) - Crown Royal

2010 ist um ein weiters Tagteam reicher, droppen doch neben Fracture (Sepalot & Frank Nitt), The Burnerz (Zumbi & The ARE), 1982 (Statik Selektah & Termanology) und Gangrene (The Alchemist & Oh No) nun auch Crown Royale ihr gleichnamiges Album. Crown Royale, das sind Buff1 und DJ-Legende und Beat Junkies-Mitbegründer Rhettmatic. Die Michigan-Cali-Kollabo sorgt kurz vor dem Jahreswechsel für ein weiteres Highlight für 2010. Rhettmatic, der Mann für die Beats und die Cuts, liefert dem MC 14 knochentrockene Steilvorlagen, die Buff1 spielend zu verwerten weiss. Auf „Crown Royale“ überwiegen die Battle- und Clubtracks. Im Opener „Blitz“ und dem Titeltrack „Crown Royale“ führt Buff1 die Heads in die Affiche Crown Royale ein, bevor die beiden mit dem Club-Banger „We Gotcha“ in M.O.P-artiger Manier noch einen draufgelegen (got it?). Ab und an fährt Buff1 auch die deepe Schiene, wenn er auf den Tracks „Looking For An Answer“, „World Go Crazy“ und „Right Here“ da das Hier und Jetzt und dort grössere Zusammenhänge ausleuchtet. Mit „Crown Royale“ liefern Buff1 und Rhettmatic ein klassiches Rap-Album ab, wie wir es vor allem aus den 90ern kennen. Im Westen nichts neues also? Nun, ich würde eher meinen, zuück zu den Wurzeln trifft besser zu. Und das ist kein Rückschritt in Zeiten wie diesen, in denen sich manch einer den Wurzeln nicht bewusst ist. (ruedi snare)


www.asideworldwide.com/artists/crown-royale


Release Date: 2.12.2010






Colonna - L’Armata Di L’Ombra

Colonna ist ein Beatschmied aus Paris, der seine Wurzeln in Bastia/Korsika hat. Wer sich ein wenig mit der Geschichte von Korsika auskennt, weiss, dass Yvan Colonna ein 2003 wegen Mordes verhafteter und 2007 zu lebeslanger Haft verurteilter korsischer Freiheitskämpfer (FLNC) ist. Ihm wird vorgeworfen, 1998 den damaligen Präfekten von Korsika Claude Érignac ermordert zu haben. Die Insel Korsika gehörte dereinst den Griechen, bis es in den Einflussbereich Roms überging. Um 1300 ging Korsika in den Besitz Genaus über. Mitte des 18. Jahrhunderts rief die Bevölkerung Korsikas nach Aufständen die Unabhängigkeit aus und entwarf eine Verfassung. Genau verkaufte Korsika daraufhin an Frankreich, das die Aufstände der Einheimischen blutig niederschlug. Nach dem Algerienkrieg wurden gezielt aus Algerien vertriebene und geflohene Franzosen (Pieds-Noirs) in Korsika angesiedelt, so dass die Korsen zur Minderheit auf der eigenen Insel wurden. Die Regierung Frankreichs tat in der Folge alles dafür, die Identität der Korsen zu untergraben bzw. die Einheimischen nicht nur zu unterdrücken, sondern gar auszurotten. Kein Wunder also, dass es seit jeher Freiheitsbewegungen der einheimischen Bevölkerung gibt, zu der auch besagter Yvan Colonna zählt. Obschon Yvan Colonnas Verurteilung zu lebenslanger Haft Mitte Jahr aufgehoben worden ist, befindet er sich bis heute in Haft. Mit seinem neuen Album „L’Armata Di L’Ombra“ (dt. ‚schwerbewaffneter Schatten’, oder, frei übersetzt, ‚Schattenkrieger’) arbeitet der Producer Colonna den Fall Colonna und die Geschichte des Freiheitskampfes der Korsen musikalisch auf. Die Sounds auf dem Album sind düster, die Samples wohl meist bei Soundtracks entlehnt und die Beats erinnern an jene aus New York Mitte der 90er-Jahre (Wu-Tang Clan, Moob Deep, Nas). „L’Armata Di L’Ombra“ ist ein Konzeptalbum, dessen Tracks mit Tondokumenten über den Korsika-Konflikt gespickt sind. Colonnas Album, das am 11.11. in Zusammenarbeit mit Beatsqueeze erschienen und auch als Vinyl erhätlich ist, darf getrost als ein Highlight des Jahres bezeichnet werden. (ruedi snare)


www.larmatadilombra.com


Release Date: 30.11.2010






Graham O’Brien - Live Drums

Graham O’Brien ist ein Musiker (Drummer/Producer) aus Saint Paul/Minnesota. Ende November hat O’Brien auf ECHO Records (Indie Label aus London) sein Debüt „Live Drums“ gedropt. Das Album ist 15 Tracks stark und baut auf O’Briens Fähigkeiten als Drummer auf. So featuret der Longplayer, wie der Titel suggeriert, ausschliesslich von O’Brien höchstselbst eingespielte Drumsets. Diese Sets hat der Producer aus Saint Paul mit Samples und von verschiedenen Musikern mit diverses Instrumenten eingespielten Spuren versehen. Entstanden ist ein monumentales, teilweise gar episches Album, das sich keinem Genre zuordnen lässt. „Live Drums“ erinnert an Produktionen von DJ Shadow, Portishead oder DJ Krush aus den 90ern, aber auch an Indie-Rap-Produktionen von Acts wie Eyedea oder EL-P und dann und wann gar an Nirvana oder Radiohead. Die Sounds sind meist düster, die Rhythmen schwerfällig. Des Hörers Gedanken und Stimmungen werden von den Sounds auf „Live Drums“ in einem ersten Schritt einfach platt gewalzt, damit man sich derer in einem zweiten Schritt voll und ganz hingeben kann. Der Grossteil der Musik auf dem Album ist instrumental, meist in kurze Episoden verpackt. Eric Blair, Kristoff Kane, Adam Svec und Alicia Wiley sind die Stimmen auf dem Album von Graham O’Brien. „Live Drums“ ist keine leicht verdauliche Kost. Wer sich auf die Sounds einlässt, wird darin aufgehen. Eine Packungbeilage zu „Live Drums“ gibt es nicht. Es sei aber an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass durchaus Suchtpotential vorhanden ist.

„Live Drums“ kann man sich am Bandcamp-Account von O’Brien (http://grahamobrien.bandcamp.com/) nach der Überweisung eines Unkostenbeitrags von minimal 2$ auf den Rechner ziehen. Für knausrige Konsumenten gibt’s „Live Drums“ auch als Gratis-Download (http://www.noechorecords.com/www/releases/graham-obrien-live-drums/download/). (ruedi snare)


www.noechorecords.com/www/releases/graham-obrien-live-drums


Release Date: 27.11.2010






V.A. - Helpless Dreamer

Yep, these guys are f*ucking busy. The Left, Trek Life, Apollo Brown (mit und ohne Boog Brown), Oddisee, yU und Georgia Anne Muldrow & Declaime releaste 2010 auf Mello Music. Zum Abschluss serviert Mello Music noch einen Label-Sampler mit exklusivem Material, das einen aktuellen Querschnitt der Mello-Acts und Einblicke in kommende Releases bietet. Auf „Helpless Dreamer“ sind Oddisee und Apollo Brown mit je drei Beats, die von Stik Figa, yU, X.O., Oddisee himself, Toine, Kenn Starr, Finale, Buff1, Majestik Legend, Roc Marciano und Tranquill beackert werden, vertreten. Auch Slimkat78, Just Wright, Georgia Anne Muldrow und Black Milk haben Beats für die Label-Compilation beigesteuert. Ein neuer Name auf „Helpless Dreamer“ ist Has-Lo. Der junge Producer/MC aus Philadelphia ist mit zwei Tracks auf „Helpless Dreamer“ vertreten. „FuckWithDat“, der eine der beiden Tracks, ist ein Instrumental und auf „Black Rose“ ist Has-Lo der Mann am Mic und am Sequenzer. Vor allem letzterer vermag auf ganzer Linie zu überzeugen und macht Lust auf mehr Mukke vom Musiker aus Philly. Alles in allem haben die Mello-Arists gute Kost auf „Helpless Dreamer“ gepackt. Allzu spektakulär ist das Album nicht, gibt’s doch vor allem bewährte Rezepte zu hören. Für die Höhepunkte sind neben Has-Lo Just Wright mit Kenn Starr („Official“), Georgia Anne Muldrow mit Fresh Daily („For The Win“) und Apollo Brown mit X.O., Roc Marciano und Tranquill („Helpless Dreamer“) besorgt. (ruedi snare)


www.myspace.com/mellomusicgroup


Release Date: 23.11.2010






Gangrene - Gutter Water

Dank The Alchemist und Oh No und deren Projekt Gangrene sind wir um ein weiteres Super-Tagteam reicher. Die beiden Producer haben sich für ihr gemeinsames Album „Gutter Water“ aber nicht etwa reihenweise MCs ans Mic geholt, die die Beats mit ihren Flows veredeln. Nein, die beiden Bastler spitten gleich selber. Klar, Gäste am Mic fehlen nicht. So dürfen Raekwon, Planet Asia, Fashawn, Evidence, MED, Roc C, Guilty Simpson und Big Twins ihre Skills präsentieren. Bevor ich zur Musik Senf gebe noch dies: Gutter Water meint Kanalisation bzw. Gosse, Gangrene meint Wundbrand; diese appetitlichen Projekt-Attribute illustriert das Artwork sehr treffend. Skits, Vocal-Samples und Lyrics greifen das durch Artwork und Albumtitel entworfene Stimmungsbild auf. Nun, „Gutter Water“ ist durchaus ‚leckere Kost’. Der Beat ist das Sample ist der Loop ist der Flip plus Drums und Bassline. Und dass die beiden Protagonisten am Beat diese Produktionskette mehr als nur im Griff haben, haben sie ja schon mehrfach bewiesen. Wer sich „Gutter Water“ anhört, wird den einen Beat lieben, den andern mögen und den einen oder andern nicht wirklich gut finden. So weit, so gut. Nimmt man dann das Booklet zur Hand, um sich vor Augen zu führen, wer welchen Beat gebastelt hat, wird man feststellen, dass vor allem The Alchemist für die Qualität auf „Gutter Water“ verantwortlich ist und der gute Oh No Ausfälle zu verbuchen hat. Ja, Geschmäcker sind verschieden. Aber ich wage zu behaupten, dass ein Grossteil der Leute, die sich „Gutter Water“ anhören/kaufen, gleich denken wie ich. So sind die Highlights denn auch Sache von The Alchemist. Für „Not High Enough“ verbrät er ein grandios in Szene gesetztes Piano-Sample, im Titeltrack arbeitet er mit einem wunderbar smoothem Streicher-Sample und bietet Raekwon ein perfekte Steilvorlage, auf „Get Into Some Gangster Shit“ spielen Streicher, Flöte und irgend eine Zupfe perfekt zusammen und „Chain Swinging“ mutet dank schön in Szene gesetzem Seidensaiteninstrument asiatisch an. Oh No hingegen kann keine echten Highlights abbuchen. Das „Intro“ gefällt, „Boss Shit“ und „Wassup Wassup“ auch. Das war’s dann aber. Schade ist, dass die besten Momente auf „Gutter Water“ alle in der ersten Albumhälfte zu finden sind, das Hörvergnügen danach nicht gerade in den Keller fällt, aber doch abnimmt. Neben The Alchemist vermag auch der Mann für die Cuts DJ Romes zu überzeugen. „Gutter Water“ ist auf Decon erschienen. Wer Silber oder Digital konsumiert, kann sich das Album schon seit ein paar Tagen besorgen. Schwarzgold-Nerds müssen sich noch gedulden. (ruedi snare)


deconrecords.com/2010/11/the-alchemist-oh-no-gangrene-gutter-water


Release Date: 21.11.2010






V.A. - The Moon Comes Closer

Many years ago during the hard times of life in Moscow, the young girl saw the Moon consciously for the first time and at that very moment the dream began. These vivid thoughts remained in her mind and she started to ask herself „How can I get to the Moon?“. Soon she found the label Project: Mooncircle over the internet and told them her story, at once she saw a chance to come a few steps closer to her dream. By now Jinna lived in Germany and it was possible for her and the label to meet, her key question was „Can you bring me to the Moon?“. The answer was a faltering „No, but maybe we can let you fly to the Moon in your mind. Let’s build the soundtrack to this vision, close your eyes, clear your thoughts and let us begin on your journey“.

Dies ist also die Geschichte hinter dem neusten Release aus dem Hause Project Mooncircle. „The Moon Comes Closer“ featurt exklusive digitalen Boni 19 Tracks, inkl. jener digitalen Zuschüsse handelt es sich um sage und schreibe 27 Tracks. Dabei darf jeder Protagonist auf dem Album nur einmal ran, will heissen, 27 Tracks entsprechen 27 Producern. Die 27 (let’s call ’em) Satelitten sorgen dafür, dass der Albumtitel dank gut eineinhalbstündigem Mindtrip so unrealistisch gar nicht ist. Die Beats sind Schnittstelle von Electronica, Pop, Jazz, Funk und Hip Hop-Beats, mal sehr minimalistisch („Cold Yesterday“), mal in Miles’ Geist („Cosmic Appel“), mal spacefunky („The Last Astronaut“), mal beinahe klassisch im Sinne eines Hip Hop-Beats („Berlin“) und mal Begleitmusik für Space-Shuttle-Flug-Simulatoren („Solar Midnight“). Mit an Bord vom PMC Flug 069 sind u.a. Robot Koch, fLako, Pavel Dovgal, John Robinson, Scienz Of Life, Gards From KC, V. Raeter, Skyence, Dexter und Dela. (ruedi snare)


www.projectmooncircle.com/releases/74


Release Date: 19.11.2010






BRZZVLL - Happy Life Creator

Ach, fast schon unverschämt, wie uns MPM - das kleine Independent Label aus Köln - noch und nöcher mit Grooves eindeckt. Ob nun mit freshen Beats und Breaks (Hi-Hat Club Releases, Suff Daddy, Circle Research, Fella Vaughn, Baptman, DJ Day, A-ko, Devil McDoom, Hubert Daviz, AFTA-1, Brenk, The Phobos Peepl usw. usf.), dem einzig wahren deutschsprachigen Soul seit Udo Lindenberg (Fleur Earth, mit und ohne Experiment) oder der englischsprachigen Variante in Person von Miles Bonny, Re-Releases von DJ Hype und LSD oder jazzy Afrobeat-Psych-Funk-Mukke wie Kutiman, Flomega & The Ruff Cats oder [Trommelwirbel] BRZZVLL [Tusch]. Letztere werden am 12. November mit dem Release von „Happy Life Creator“ ihr MPM-Debüt geben. Aber wer und/oder was der F**k ist BRZZVLL?! Nun, BRZZVLL (Brazzaville) ist eine siebenköpfige Psych-Funk-Combo (Baritonsax, Tenorsax, Gitarre, Drums, Bass, Percussion und Keys) aus Antwerpen/Belgien, die vor zwei Jahren ihr Debüt-Album „Days Of Thunder, Days Of Grace“ veröffentlicht haben. MPM-Affiliate Lefto hat die Heads in Köln auf die BRZZVLL aufmerksam gemacht. So kommt’s, dass der Act aus der Hafenstadt im Norden Belgiens ihren Zweitling „Happy Life Creator“ auf MPM droppen wird. Alle Liebhaber von jazzy Funk oder funky Jazz, Psych Sounds und Afrobeat aus den 70ern, sollten sich den Namen BRZZVLL merken, darf die Band doch mit gutem Gewissen zu den Top Shots unter ihresgleichen gezählt werden. Die Tracks auf „Happy Life Creator“ kochen vor Energie fast über (man stelle sich vor, wie ein Live-Abenteuer mit BRZZVLL wohl ausufern dürfte). BRZZVLL sind so Miles wie Davis, so Bartz wie Gary, so Sun wie Ra, so Byrd wie Donald, so Clinton wie George, so Zawinul wie Joe und gar so Hendrix wie Jimmy und so Bambaataa wie Afrika. In erster Linie ist BRZZVLL aber so damn BRZZVLL wie BRZZVLL. Aber keine Angst, „Happy Life Creator“ ist nicht bloss für rauchige Clubs voller Freaks und Nerds. Die Sounds stünden B-Boy-Jams und Disconächten mindestens eben so gut. (ruedi snare)


mpmsite.com/?area=records&view=detail&id=709


Release Date: 12.11.2010






Minor Sick - Fremdscham in Reality

Minor Sick ist ein Producer und Musiker aus Wien. Aufgewachsen mit Hip Hop und Rap, erweiterte er alsbald seinen Horizont („Wer Hip Hop macht aber nur Hip Hop hört betreibt Inzest“, wie Jan so schön sagte). Ab 2008 war Minor Sick Teil der Rap-Reagge-Crew B Seiten Sound und bastelte nebenher Beats für ein eigenes Projekt. 2009 releaste er die sechs Tracks starke Gratis-EP „Harte Liebe in der Realtät“ und erntete dafür viel positiven Zuspruch, was in motivierte, ein „echtes“ Projekt in Anfriff zu nehmen. Im November war es dann soweit. Minor Sick veröffentlichte aud Duzz Down San seinen Debüt-Longplayer „Fremdscham in Reality“. Das Album featuret zehn Tracks (das limitierte Vinyl ist sieben Tracks stark), deren Sounds ungefähr in der Schnittstelle eines verstörten Pacmans und traurigem Super Mario liegen. Die Instrumentierung könnte synthetischer kaum sein. Als synthetisch wird auf „Fremdscham in Reality“ auch die Welt und der Mensch gezeichnet. Die Melancholie überwiegt, denn obschon die Grooves zumindest teilweise tanzbar sind, mag man zu den Songs auf dem Album nicht tanzen. Lieber lässt man die Gedanken wegdriften. Wer Musik von Dibiase, Flying Lotus, AEED oder Dimlite mag, wird auch an Minor Sick seine helle Freude haben, wenn man diesen Begriff im Falle von „Fremdscham in Reality“ überhaupt gebrauchen darf, beisst er sich doch mit Album- und Tracktiteln sowie mit der Stimmung der Sounds. Mit „Fremdscham in Reality“ hat Minor Sick ein mehr als gelungenes Debüt an den Start gebracht. Man darf gespannt sein, was da noch kommt.


minorsick.bandcamp.com/album/fremdscham-in-reality


Release Date: 12.11.2010






Shigetò - Full Circle

Zach Saginaw ist Shigetò. Nachdem Zach zwei EPs (eine davon for free) gedropt hat, legt er nun seine Debüt-LP „Full Circle“ nach. Das Teil ist am 09. November auf Ghostly International erschienen. GI sollte der Hip Hop-Gemeinschaft wegen Dabryes LP „Two/Three“ (feat. MF Doom, Ta’Raach, Guilty Simpson, Dilla, Waajeed und anderen Exponenten aus Motor City) ein Begriff sein. Ansonsten ist das Label eher den Electronica verbunden. Shigetòs „Full Circle“ operiert denn auch - ähnlich wie zum Beispiel Flying Lotus - an der Schnittstelle von Electronica und Hip Hop. Zuweilen geht es während der 37 Minuten Spielzeit auf dem Album abstrakt zu und her, vor allem was die meist verzerrten Klangbilder anbelangt. Schräge Synths erinnern da an Delphingesänge, dort an Vogelgezwitscher, an Super Mario, Windspiele und Klangschalen, oder an Martini mit Eis, geschüttelt, nicht gerührt. Die Drums sind das Element, das dem Ganzen Struktur geben und die Songs vorwärts pushen, will heissen, mitnicken ist durchaus angesagt, manchmal sogar Pflicht. Shigetò hat einen einen wunderbaren Mix (nicht Kompromiss!) zwischen Mindtrip und Kopfnicker vertont. Sphärische Synthesizer-Melodien sind ebenso Teil von „Full Circle“ wie wabernde Bässe. Kontraste sind die Stärke des Albums des Producers aus Brooklyn mit japanischen Wurzeln. Shigetò baut nicht einfach bloss Beats, ihm gelingt es, mit seiner Musik ganze Szenarien zu kreieren, die, gerade an nebligen, unwirklichen Tagen wie diesem, ihre volle Wirkung entfalten.


ghostly.com/releases/full-circle


Release Date: 9.11.2010






Tinguely Dä Chnächt - Bar

Vor zehn Jahren wurden dem Chnächt seine Wortspiele zum ersten Mal auf einem offiziellen Release verewigt (SLM52-EP „Satz für Satz bis zum Grändsläng“). 2004 droppte der Wortspieler aus Zürich sein Solodebüt „Mis Bier“. Zwei Jahre darauf folgte noch ein weiteres Album zusammen mit Dior und Showdown. Ab Ende Oktober wird nun endlich der „Mis Bier“-Nachfolger „Bar“ über die Theke gehen, sei es die digitale oder die an der Ankerstrasse. Nun, der Albumtitel „Bar“ passt ja wunderbar zu Tinguely dä Chnächt, dem Mann am Schanktisch, der sein Bier trinkt, mal alleine, mal mit Freunden, in einer rauchigen Kneipe in irgend einem Chreis in Zürich, in einem Spunten, in dem man nicht mit Karte, sondern bar zahlt. Hoppla, schon hat sich eine Zweitbedeutung des Albumtitels offenbart. „Bar“ zahlen, dirket auf die Kralle, quasi dirket, oder, um den Faden ein wenig weiter zu spinnen, ungeschminkt, nackt, wie Gott ihn schuf, rein. Ehrlichkeit ist ein grosser Faktor, geht es um Tinguelys Raps. Dä Chnächt rappt sich von der Seele, was ihn beschäftigt. Mal mit einem hämischen Grinsen auf den Lippen, mal mit leerem, dann mit ernstem Blick, da mit einem Schuss Ironie, dort sarkastisch, in vielen Fällen zynisch, der Gesellschaft und schon im nächsten Augenblick sich selbst gegenüber. Kein Zweifel, Tinguely zahlt bar, und zwar in Einheiten, in Bars, die Währung ist Rap („Ich schriib jede Tag mini Ziilä, mängisch luegt däbii nur en Satz use aber de bringt’s uf dä Punkt“ im Titeltrack „Bar“). Wer Tinguely kennt, weiss, dass man sich Zeit nehmen sollte, um dem Mann am Mic zuzuhören. Zu viel passiert zwischen den Zeilen und zu verschachtelt sind gewisse Reime und Inhalte. Und dass dä Chnächt nicht die sauberste Intonation im Game pflegt, ist auch nur ein offenes Geheimnis („Mängisch reim ich undütlich nume-zu-dim-Schutz-Musig“ im Track „Räpmusig“). Dies alles sind Gründe, weshalb „Bar“ - wenn überhaupt - nicht allzu schnell totgespielt werden kann. Zu vieles gibt es immer wieder zu entdecken. Was für die Raps gilt, gilt auch für die Beats. Hatte Tinguely auf „Mis Bier“ noch mehrere Beatbastler um sich geschart, zeichnet sich auf „Bar“ einzig und allein Reezm für die musikalische Untermalung der Raps verantwortlich. Der Mann am Beat nimmt die Zuhörer in vielerlei Hinsicht mit auf eine Entdeckungsreise. Man fühlt sich an „Illmatic“ („Z’vill Ziit“, „Mini Homeboys“ und „Games“) an Barrows „Numb“ („Niä dänkt“ und „Bar“) und an Schooly D und Run-D.M.C. („Peace, Love, Unity And Having Fun“ und „Yo!Tinguely Raps/1520 Sedgwick Ave.“) erinnert. Zumindest mir geht es so. Klar, solche Vergleiche können einen bitteren Beigeschmack haben, aber an dieser Stelle sei gesagt, dass es Reezm gelungen ist, „Bar“ ein Sound-Gewand zu verpassen, das keine Vergleiche zu scheuen hat. Ausserdem ist ’Erinnerungen wecken’ nicht mit ’kopieren’ zu vergleichen. Jeder Track auf dem Longplayer ist sein eigener kleiner Kosmos. So ist es nicht zuletzt auch Reezm zu verdanken, dass die Tracks „Und jetzt/Ich chönnt“ und „Letschti Rundi“ meine persönlichen Highlights auf „Bar“ sind. Ja, Tinguely dä Chnächt und Reezm liefern mit „Bar“ zweifelsohne ein Highlight des hiesigen Musikschaffens ab. Ob „Bar“ über Szenegrenzen hinaus Beachtung finden wird, ist allerdings zu bezweifeln, hat dä Chnächt doch auf alle Erwartungen ausser seine eigenen nichts als ein F**k gegeben („Erwart vo mir kei Sound wo d’Lüüt im Büro mitsinged, kei Lift-Musig zum mitsumme, kei Morgeshow-Hits, Chinde... verschtönd min Shit nöd“ im Track „Bar“).

Tinguely dä Chnächt hat auf „Bar“ Unterstützung von Reezm (Beats), Claudia Blum (Gitarre und Bass), Leone (Piano), DJ Showdown (Cuts), Crazeboo (Aufnamen, Mix und Mastering), Baze (Raps), Göldin (Raps), Phantwo (Raps), Bis Zis (Raps), Skor (Raps) und Radio 200000 (Raps) bekommen. (ruedi snare)


www.bakara.ch/tinguely


Release Date: 29.10.2010






The Left - Gas Mask

Dass Eminem zwar Detroit, Detroit aber nicht Eminem ist, sollte hinlänglich bekannt sein. Noch vor Em war Dilla der Mann aus Motor City. Heute ist Detroit neben NYC wohl der Inbegriff für Underground Rap, sorgen doch neben gestandenen Acts wie Slum Village, Guilty Simpson, Black Milk und Royce Da 5’9“ immer wieder weniger bekannte Acts und neue Talente für Aufsehen... House Shoes, Invincible, Waajeed, Zo!, Finale, Marv Won, Boog Brown und Apollo Brown. Letzterer gehört zu den Sehrfleissigen, hat er doch Mitte Mai „The Reset“ und eben erst Boog Browns Debüt „Brown Study“ produziert. Und schon legt Mr. Brown als der Mann für die Beats beim Dreigestirn The Left noch einen oben drauf. Der MC, der bei The Left Browns Beats mit Raps bepackt, ist Journalist 103 und der Mann für die Cuts goes by the name of DJ SoKo. Zusammen haben die drei Heads aus Detroit City den 17 Tracks starken Longplayer „Gas Mask“ veröffentlicht, dies obschon erste Leaks der LP schon vor etwa einem Jahr im Netz die Runde gemacht haben. Die echten Rap Addicts da draussen werden es The Left danken, dass das Album nun doch offiziell veröffentlicht wird, ist „Gas Mask“ doch einer der starken Momente des sich langsam zu Ende neigenden Jahres. Dies zum einen dank Apollo Browns Beats. Konnte man seine Produktionen für „Brown Study“ noch als eine Art Resteverwertung abtun, hat er für „Gas Mask“ wieder zu seiner alten Form zurück gefunden und 17 grossartige Beats ausgegraben. Gewiss, Apollo Browns Rezepte sind keine neuen. Ein 70er-Jahre-Soul-Sample wird zerstückelt und neu aufgesetzt und mit erdigem Drum-Loop versehen und fertig ist das Ding. Was ist nun das Besondere an Browns Beats? Die Antwort ist simpel: Mr. Brown hat das Händchen für das Sample und weiss, wie man dieses zu choppen hat. Aber nicht nur Apollo Brown ist für die Qualiät von „Gas Mask“ besorgt, geben sich sowohl Journalist 103 als auch DJ SoKo perfekt in die Songs ein. Für J 103 gilt ähnliches wie für Brown, wartet der MC doch weder mit besonders spektakulären Flows noch mit neuen Inhalten auf. So handeln die Raps auf „Gas Mask“ in den meisten Fällen von der in sich zerfallenden Szene (z.B. „Gas Mask“ und „The Funeral“), der Heimatstadt („Real Detroit“, „Reporting Live“) und politischem Fehlverhalten und gesellschaftlichen Missständen (z.B. „Frozen“, „Statistics“, „Fooled For Thought“). Die Stärke der Raps liegt schlicht und ergreifend in der Fähigkeit des MCs (inkl. aller Gäste am Mic), die Stimmung des Beats aufzugreifen und in seine Lyrics einfliessen zu lassen. Oder anders gesagt: die Raps haben Soul! All dies macht „Gas Mask“ zu einem Highlight in Tagen wie diesen, in denen sich alle in regelmässigen Abständen neu erfinden wollen oder müssen und schlussendlich doch nichts anderes als eine weitere Kopie einer Kopie bleiben. (ruedi snare)


www.myspace.com/theleftsound


Release Date: 27.10.2010






Full Crate & FS Green - Hi-Hat Club Vol. 5: Eggs And Pancakes

MPMs Hi-Hat Club ist in Kurve fünf eingebogen. Auf der Gegengerade zu den Streckenpassagen eins bis vier macht nun ein Tagteam aus der Stadt der Grachten, des Kopfsteinpflasters und der Coffeeshops Dampf. Dabei betritt der Club mit seinem fünften Release neues Terrain, brummen doch auf „Eggs And Pancakes“ untenrum dicke Synth-Bässe und in den höheren Regionen der Klangspektren ziehen sphärische Melodien ihre weiten Kreise. Bis hierhin war der Hi-Hat Clubber ja eine Art Kreuzritter des Loops, als dessen Schwert der Sequenzer bezeichnet werden kann. Amsterdam’s Finest Full Crate und FS Green lassen nun auch den Synthesizer ins Geschehen eingreifen. Ja, „Eggs And Pancakes“ klingt auf seine Vorgänger bezogen quasi antithetisch. Dies obschon die Grundlage der Beats in vielen Fällen ganz oldfashioned ein Sample ist. Sounds an der Schnittstelle von Kraftwerk, Pete Rock, Dilla und Dâm Funk, meist mehr West als Ost, um die Küstendefinition zu bemühen, sind die Konsequenz des Schaffens von Full Crate und FS Green. Neben den elektronischen Klängen ist ein mindestens ebenso wesentlicher Unterschied zu Hodn, Twit, Deezy, Dex, Brenk und Fid Mella das Fakt, dass die Spielzeit eines Tracks der Heads aus der Stadt an der Amstel im Schnitt mindestens doppelt so lang ist wie auf den anderen Club-Releases. „Eggs And Pancakes“ bringt die frühen 80er zurück in die Gegenwart, vertont die Morgendämmerung nach einer durchzechten Nacht ebenso wie vom Albumcover impliziert den Morgen danach bei Pfannkuchen und schwarzem Kaffee. „Eggs And Pancakes“ ist weder besser noch weniger gut als seine Vorgänger, sondern anders. Mag sein, dass sich einige Jünger des Clubs von eben diesem abwenden und andere, die sich den Diggern von Köln bis Wien verweigert haben, nun den Zugang finden. Sicher scheint mir, dass viele, die die Teile eins bis vier im Regal stehen haben, auch auf Teil fünf abgehn. Denn im Falle des Club wird nicht gefragt, ob wohl das Ei oder eben doch das Huhn zuerst da war. Im Falle des Clubs heisst es schlicht und ergreifend: First there was the beat! (ruedi snare)


mpmsite.com/?area=records&view=detail&id=708


Release Date: 22.10.2010






Kokayi - Robots And Dinosaurs

Kokayi ist ein Begriff der ostafrikanischen Sprache Swahili (Suaheli) und bedeutet „to summon the people“ (Menschen zusammenführen). Diesen Begriff hat ein MC und Musiker aus Washington DC, der mit „Robots And Dinosaurs“ eben seine zweite Solo-LP releast hat, als sein Alias auserkoren. Der Mann aus der Hauptstadt des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten (fast schon zynisch dieses Synonym für die Staaten, nicht?) geht musikalisch seine ureigenen Wege, die irgendwo zwischen Rap, Electro, Soul, Hyphy und Pop verlaufen. Wollte man Kokayis Sounds Koordinaten zuordnen, wären Acts wie Blackalicious, Pharrell und Cee-Lo wohl passende Zutaten für ein musikalisches Potpourri, das dem Musiker und seinem Schaffen gerecht würde. „Robots And Dinosaurs“ ist ein sehr abwechslungsreiches Album, mal verträumt melancholisch, dann wieder umgestüm, dort für die Dancefloors und da für Nächte im verrauchten Club auf einem Barhocker. Die Lyrics auf der LP könnten persönlicher und ehrlicher nicht sein. Kokayi erzählt von seinen Ängsten, seiner Hoffnung und seinem Umfeld. Marcus Moore vergleicht „Robots And Dinosaurs“ in seiner Review mit Nas’ „Illmatic“ („Robots is Kokayi’s Illmatic— a masterpiece that will surely be regarded as the artist’s crown jewel, no matter what he records afterward“), obschon die beiden Alben, was die Musik betrifft, grundverschieden sind. Wie damals Nas macht Kokayi keine Kompromisse zugunsten von Hypes oder Zahlen. Ja, Moore trifft mit seinem Vergleich den Nagel auf den Kopf, so sehe ich das zumindest. Die Frage, ob „Robots And Dinosaurs“ wie damals „Illmatic“ die ganze Szene hinter sich wissen wird, ist wohl nur schon wegen der Entwicklung des Genres mit einem „Nein“ zu beantworten (ich lassen mich nur zu gerne eines Besseren belehren). Zwischen 1994 und 2010 liegen in vielerlei Hinsicht Welten. Bleibt zu hoffen, dass „Robots And Dinodaurs“ nicht zwischen Stuhl und Bank fällt und unbeachtet bleibt in einer Zeit, in der es sich nicht lohnt, inne zu halten, sei es auch nur für einen Augenblick. Um den Zugang zu „Robots And Dinosaurs“ zu finden, muss man sich mindestens diesen Augenblick gönnen. (ruedi snare)


www.myspace.com/kokayi


Release Date: 19.10.2010






More Or Less - Brunch With A Vengeance

Vor sechs Jahren releaste ein gewisser More Or Less aus Toronto sein Debüt, zwei Jahre später legte er nach. 2008 bestritt er einen Gastpart auf dem Herbaliser-Album „Same As It Never Was“. Mit „Brunch With A Vengeance“ legt More Or Less (MC, DJ und Producer in Personalunion) nun sein drittes Album vor. Knapp 70 Minuten Spielzeit und 19 Anspielpunkte stark ist der sehr abwechslungsreiche Longplayer. Knapp die Hälfte der Songs hat More Or Less selbst produziert und mit Cuts versehen. Für sein aktuelles Album konnte More Or Less auf Unterstützung an Boards und Decks von The Herbaliser, DJ Alibi, Mantis, Abstract Artform, MisterE, Airborne Quartet und Peter Project (etc.) zählen. Die Songs auf „Brunch With A Vengeance“ sind meinst ein sehr erfrischender Stilmix mit Old School-Attitude (Drums, Beatbox, Zitate, Hooks, Cuts) und handeln oft von ganz alltäglichen mehr oder minder relevanten Problem(chen)feldern wie Mode und deren Regeln, vernachlässigter Körperhygiene, dreckigen Badezimmern, dem unbedingten, sich gegen alle Widerstände behauptende Bedürfnis, tanzen zu wollen, dem Hass auf Techno oder der Liebe zu dem, was heute unter dem Kürzel R’n’B läuft. Meist sind die Raps mit einem guten Schuss Ironie versehen und mit Augenzwinker und schiefem Lächeln angereichert. Manchmal lässt sich More Or Less gar zu zynischen Äusserungen hinreissen. All dies macht „Brunch With A Vengeance“ erfrischend anders. Klar, das, was der Musiker aus Ontario präsentiert, ist Rap und zurecht mit dem Etikett Hip Hop versehen. Innerhalb des Genres lässt sich aber keine Schublade öffnen, in die man More Or Less verstauen könnte, was ihn von vielen Acts dieser Tage abhebt. Und deshalb gehört „Brunch With A Vengeance“ zu der Art Releases, die die Szene nicht sterben lassen. (ruedi snare)


moreorles.bandcamp.com


Release Date: 19.10.2010






G-Clef - Jazzy Breaks Vol. 1

Joey „G-Clef“ Cavaseno lebte für den Jazz, bis Mitte der 80er-Jahre Hip Hop in seinen Fokus rückte. G-Clef begann, Jazz und Hip Hop zusammenzuführen, indem er mit Drumcomputern (808, SCI und ähnliche Gerätschaften), Samplern und 4-Track-Recordern herumexperimentierte. Breaks und programmierte Drumloops versah er mit Live-Instrumentierung. Erste Tracks wurden Ende der 80er-Jahre herumgereicht. Anfangs der 90er gründete er Ghetto Philharmonic, die wohl erste Jazz-Rap-Combo, und verhandelte mit Tuff City Records. 1993 erschien die Single „Don’t Bite The Concept“, die aber wenig Beachtung fand. Zur selben Zeit vermochte Guru mit seinem Jazzmatazz-Projekt alle Spotlights auf sich zu richten. Ghetto Philharmonics erstes Album „Hip-Hop Bebop“ ging wohl auch wegen des Hypes um Jazzmatazz unter. An Qualitätdefiziten kann’s nicht gelegen haben. Trotz des Rückschlags blieb G-Clef am Ball. 1996 veröffentlichte er „Jazzy Breaks Vol. 1“. Auf diesem damals in zwei Episoden erschienen Projekt loopte G-Clef rare, unbekannte Jazz-Samples mit Breaks und reicherte das ganze mit live eingespielten/m Bläsern und Piano an. G-Clefs „Jazzy Breaks“ erreichten in der Szene Kultstatus. Wegen grosser Nachfrage hat G-Clefs eigenes Label Soul Kid Records zusammen mit Fat Beats Mitte Oktober Teil 1 des Projekts re-releast.


www.soulkid.net/clef


Release Date: 18.10.2010






The Burnerz (Zumbi & The ARE) - The Burnerz

Nun, was soll ich sagen... da haben sich mal wieder zwei gefunden, die hörbar Herzblut in ihr Schaffen investiert haben. Ganz in der Tradition von Legenden wie Pete Rock & CL Smooth, Guru & Premo, Eric Sermon & PMD oder Eric B. & Rakim haben sich in letzter Zeit wieder solche Über-Duos formiert. Man denke an Dilla (R.I.P.) & Guilty Simpson, Madlib & Doom oder Dangermouse & Doom. Aber auch im Untergrund haben sich immer wieder Ich-Beats-Du-Raps-Tagteams formiert, ob nun Apollo Brown & Journalist 103, Dexter & Maniac, Tinguely & Reezm, Sema & TZA oder Zumbi & The ARE. Letztere sind sich 2003 auf ihren jeweiligen Europa-Tourneen begegnet. Sieben Jahren danach haben sie ihr erstes gemeinsames Album „The Burnerz“ veröffentlicht (Release Date ist der 12. Oktober 2010). Wie alle eben genannten Duos harmonieren auch Zumbi (Zion I) und The ARE (ehemals K-Otix) perfekt und liefern einen Longplayer ab, der Highlight nach Highlight stellt. The AREs Beats sind soulige Steilvorlagen für Zumbi, der diese Steilvorlagen stilsicher mit seinen Flows zu besetzen weiss. Auf den 14 Tracks rappt er über seine Sicht der Dinge. Da richtet er den Fokus auf die Szene, dort auf die Gesellschaft und sein Umfeld. Den Vorteil des Eingespieltseins, der Vertrautheit und der daraus resultierenden inneren Geschlossenheit eines Werkes, den Producer/MC-Tagteams gegenüber Releases, auf denen sich ein MC (z.B.) zwölf Produktionen verschiedener Producer zu stellen hat und so weder musikalisch noch inhaltlich einen roten Faden findet, auf ihrer Seite wissen, haben Zumbi und The ARE auf „The Burnerz“ ausgespielt und ein starkes Debüt releast. Leider ist das Album bisher nur digital erschienen. Ob sich Nerds wie ich Hoffnungen machen sollten, ob „The Burnerz“ vielleicht auch auf Vinyl erscheinen wird, sei an dieser Stelle dahingestellt. (ruedi snare)


www.facebook.com/TheBurnerz?v=wall&filter=1


Release Date: 12.10.2010






Baze - D’Party Isch Vrbi

Er ist sowas wie Blues Max für den einheimischen Rap. Baze und hat seit Anbeginn seiner Karriere am Mic nie in gängige klischeebehaftete Schemata der Rap-Szene gepasst. Seit 2001 releast er fleissig Songs, zuerst mit Thomes, dann solo, zwischendurch als Teil von Chlyklass und Boys On Pills, und nun wieder solo. Als erster Schweizer Rapper hat er Unplugged-Gigs gespielt. Sieht man vom daraus resultierenden Unplugged-Album ab, hat Broccoli G. mit dem Release von „D’Party isch vrbi“ nun sein drittes Solo-Album in die Ladenregale gestellt. Ja, das Teil ist definitiv ein Rap-Album, auch wenn das einzige Feature von Endo Anaconda bestritten wird und die Beats von Liveinstrumentierung und R’n’B (echter Rhythm and Blues, nicht der Etikettenschwindel der vergangenen zwei Dekaden) leben. Wie eh und je hält sich Baze, obschon er manchmal in der 3. Person Singular erzählt oder aufs lyrischen Ich zurückgreift, lieber selbst den Spiegel vor, als sich in plumper ausgelutschter Gesellschaftskritik zu üben. Und wer Baze zuhört, wird sich in den Texten eh wieder finden. Das ist die Konsequenz der Ehrlichkeit und Unverblümtheit, die Baze in seine Raps gepackt hat und schlussendlich eben doch wieder Rückschlüsse auf gesellschaftliche Belange erlaubt. Aber der müssige Zeigefinger bleibt so aussen vor. Baze gibt sich auf „D’Party isch vrbi“ ganz den Widersprüchen des Lebens in der Gesellschaft 2.0 hin. Twitter und Facebook auf iPhone und BlackBerry, Freiheit als Trugbild, Katerstimmung. Der MC aus der Bundeshauptstadt beschreibt das Dilemma zwischen Individuum und Gesellschaft, wankt hin und her zwischen Punk und Konservativem. Der Track „Schnide mer d’Haar“ beschreibt den Grundtenor von Basils Gedankengängen auf seinem Zweitling treffend: „Im TV louft nume Müll und I ziähn mer ne no ine, unwichtigi Problem vo undergwichtige Blondine [...] I wär ou gärn nöime anders, nume nöd hiä [...] wött eigentlech churz go Ziggis hole, niämeh uftouche [..] do bliib I denn gliich liäber däheim [...] niäne hani so guäti Lüüt um mich wiä hie [...] wesmi de tüächt dass I gnue lang gjammeret hei, denn schid I d’Haar rasiäre dä Bart, suächä richtigi Arbeit, schaff vo 8 bis 5, nimm ä Hypothek uf“. Auf „D’Party isch vrbi“ ist aber nicht alles zappenduster, dann und wann sieht man Baze mit seinem verschmitzen Lächeln und augenzwinkernd förmlich vor sich. Nicht alles ist purer Sarkasmus. Auch Ironie schwingt in den Texten mit. Die musikalische Untermalung der Raps geht auf die Kappe der Herren Benfay und Marton di Katz. Schräge Synthesizer gehen auf dem Longplayer Hand in Hand mit Delay belegten Klängen einer akustischen Gitarre, verträumte Pianoakkorde treffen auf heulende Bläser und Steele Gitarre und Mundharmonika reiben sich am dreckigen Synthbass auf. „D’Party isch vrbi“ ist Rap, Blues, Wild West, Jazz, Guggemusig, Electro und Funk, ist Resignation und Revolte zugleich und ein Hightlight nicht nur des laufenden Jahres, sondern vom gesamten CH-Rap-Fundus. Und wenn dann doch mal wieder alles zuviel wird, dann nimmt Baze eben ein „Remerooouun“. (ruedi snare)


www.facebook.com/pages/Baze/160199870662541


Release Date: 8.10.2010






Tommy Vercetti - Seiltänzer

Er ist länger am Spitten als manch ein anderer, ist fleissiger und hat mehr Releases auf seinem Konto, als der Grossteil der MCs da draussen. Aber ein Album hat er bis anhin nicht veröffentlicht. Morgen ist Tag X, die Stunde 0. Nach den drei Cheftapes, den drei EFM-Releases und anderen Mixtapes geht Tommy Vercetti mit seinem Debüt „Seiltänzer“ an den Start. Drei Jahre hat Tommy zusammen mit Onur und Fabio Friedli (Gamebois) an „Seiltänzer“ gearbeitet. Akribisch, detailversessen. Viel Herzblut hat der MC aus Bern in die 75 Minuten Musik investiert, sein Innerstes hat er nach aussen gekehrt. Im eigens verfassten Pressetext schreibt Tommy, das Album sei musikalisch sowie textlich sehr oldfashioned aufgebaut, als Album und nicht als Sammlung von Einzelsongs geschrieben, konzipiert und anzuhören. Das Album spreche ohne Zynismus oder gespielte Lockerheit über die Welt, über die Realität, „über all die Widersprüche und Misstände, an denen ich und wir brechen“. Das Konzept hinter „Seiltänzer“ ist sowas wie ein Panoramablick aufs Leben aus der Ich-Perspektive. So verstehe ich das Album. Tabus haben auf dem Longplayer ebenso wenig Platz wie Allgemeinplätze. Battlerap, wie ihn Tommy auf seinen Mixtapes zelebriert, findet man auf „Seiltänzer“ nicht. Onur und Fabio haben das ihre dazu beigetragen, dass auf „Seiltänzer“ nicht einfach Beats und Raps, sondern Songs zu hören sind. Abgerundet wird das Konzept hinter „Seiltänzer“ durch das einmalige Artwork, ein 36-seitiges Booklet in schwarz und silber, das alle Texte in Hochdeutsch sowie Illustrationen beinhaltet. Und genau an diesem Punkt kommt der einzige kleine Widerspruch an die Oberfläche. Wer Tommy auf „Seiltänzer“ zuhört (wer nicht gerne zuhört, wird mit dem Album wohl Mühe haben), wird immer wieder auf das Wort ‚naiv’ stossen. So heisst eine Zeile im Prolog denn auch „I ha käs Talent usser gnadelos naiv z’sy“. Wer sich „Seiltänzer“ anhört, wird bemerken, dass das Album Konzept hat, worauf Tommy selbst ja auch im Pressetext hinweist. Und hält man das Booklet in Händen, in dem alle Texte zwecks besserer Verständlichkeit in Hochdeutsch abgedruckt sind und jedem Songtitel wohl ebenfalls zwecks besserer Verständlichtkeit ein Themebereicht zugeordnet ist, fragt man sich, wie naiv Tommy überhaupt sein kann bzw. ans Werk gegangen ist. Ich zumindest habe mir diese Frage gestellt. Was ist so naiv an „Seiltänzer“? Naiv an „Seiltänzer“ ist die bedingungslose Ehrlichkeit, die Dirkeitheit und die Offenheit, mit der Tommy an die Hörer herantritt. Leben wir heute doch in einer Welt in der die Maske mehr zählt, als das Spiegelbild. Tommys Debüt ist indes mehr Sein als Schein. (ruedi snare)


www.tommyvercetti.ch


Release Date: 1.10.2010






Lone Catalysts - Back To School

Die Lone Catalysts (J.Sands & J.Rawls) eroberten 2001 mit dem Release von „Hip Hop“ mein Herz. Rawls’ Producer-Album „The Essence Of...“ (2001) vermochte diese Liebe ins Unermessliche zu steigern. Neun Jahre danach bzw. 3 Lone Cats-LPs und zahlreiche Solo-Projekte später haben die beiden eben den Longplayer \"Back To School\" (B.U.K.A. Entertainment) veröffentlicht. Der Albumtitel kann durchaus wörtlich genommen werden, erzählt J.Sands doch von Erlebnissen aus seiner Schulzeit, ob nun von Schlafsäälen („My Dorm Room“), dem Uni-Leben („UC“) oder dem Leben fern von Zuhause („Away From Home“). School bezieht sich aber nicht einfach auf den Campus, sondern auch auf die Szene. So zollt Sands da Vorbildern und Ikonen seinen Respekt („Sdrawkcab“), um dort die Szene von heute aufs Korn zu nehmen („The Bounce“). Einzig der Track „World Famous“ passt als ein Representer eigentlich nicht wirklich ins Konzept bzw. Track-Roster, was aber nicht weiter schlimm ist, da „World Famous“ neben „Sdrawkcab“ ein Highlight auf „Back To School“ ist. Alles in allem haben die Herren Rawls und Sands mit „Back To School“ wohl keinen Klassiker geschaffen, aber durchaus eigene Qualitätstandards eingehalten. Die Beats sind typisch Rawls, unverkennbar 90ties-like und meist laid back, und die Raps typisch Sands, immer mit seinem ureigenen Swag. Rawls und Sands haben offenkundig nicht das Bedrüfnis verspührt, sich neu erfinden zu müssen. Und das ist auch gut so, ist „Back To School“ doch eine sehr willkommene Abwechslung zum Einheitsbrei, der in diesen Tagen allzu oft serviert wird. (ruedi snare)


www.myspace.com/lonecatalysts


Release Date: 1.10.2010






The Niceguys - The Show

The Niceguys sind Yves ‘Easy Yves Saint’ Ozoude (MC), Lucien ‘DJ Candlestick’ Barton und das Producer-Duo Todd ‘Cristolph’ Louis und Winfrey ‘Free’ Oribhabor. 2007 fanden die vier Jungs zusammen und wagten erste Schritte. 2009 wurde die erste Gratis-EP releast. Nun gehen The Niceguys mit ihrem Debüt „The Show“ an den Start. Die LP ist 14 Tracks stark und ist was die Sounds anbelangt sehr abwechslungsreich. Das Attribut ‚abwechslungsreich’ ist indes nicht wirklich eine Stärke des Albums, ist das Album doch sehr ‚zerzaust’. Höhen und Tiefen liegen sehr nahe beieinander. Auf starke Momente wie das Jigga-affine„Toast“ oder das an ein 007-Theme erinnernde „On This Road... Off This Road“ folgt magere Kost wie „Good Shepherd“ (bei diesem Track drängt sich wegen dem verwendeten Sample ein Vergleich mit Saukrates’ Track „Da Professional Part II“ auf, dem das Quartett nicht stand hält und einen Knock Out erleidet) oder dem faden Love-Song „Somebody“. Alles in allem machen die beiden Producer ihren Job besser als der Mann am Mic, der auf Albumlänge nicht zu überzeugen vermag. (ruedi snare)

Das Niceguys-Debüt „The Show“ erscheint auf 265 Pro/The Pi Group und kann via mediafire und usershare gratis auf den Rechner gezogen werden!

http://www.mediafire.com/?b7hzi5o3ctopibc
http://usershare.net/9ssjazh9tsyh

Die LP gibt’s auch auf iTunes: http://itunes.apple.com/us/album/the-show/id395148098


www.theniceguysrule.com


Release Date: 28.9.2010






Boog Brown & Apollo Brown - Brown Studies

Mello Music ist momentan wohl das umtriebigste Underground-Label aus den Staaten. Eben erst releasten Trek Life, Apollo Brown und yU und auch die LPs von Diamond District, Sareem Poems und Oddisee sind noch nicht eben lange hin. Nun geht Boog Brown mit ihrem Debüt „Brown Studies“ an den Start. Das Album passt perfekt in den Mello-Katalog. Der Beat ist das Sample und raw und die Raps conscious. Doch Mrs. Brown vermag das Niveau von Trek und yU nicht halten und auch Apollo Brown macht seinen Job weder so gut wie noch auf seiner eigenen EP noch so wie fresh wie Oddisee, was „Brown Studies“ zu relativ magerer Kost macht. Boog wäre wegen ihrer doch eher monotonen Flows auf etwas mehr Unterstützung von ihrem Partner am Beat angewiesen gewesen. Diesen Ansprüchen konnte Apollo aber nicht gerecht werden, um nicht zu sagen, dass seine Beats auf „Brown Studies“ phasenweise eher an Resteverwertung denn an echtes Engagement erinnern. Die eine oder andere Perle versteckt sich dann aber doch auf der LP („Friction“ feat. Miz Corona & Invincible, „Shine 2“ oder „Blink“). (ruedi snare)


www.myspace.com/bbrownfbgm


Release Date: 24.9.2010






Harris - Der Mann im Haus

Der Mann aus dem Hause Spezializtz (GBZ) wirft bereits sein zweites Soloalbum auf den Markt. Sein Merkmal, die tiefe Stimme, rollt regelrecht über fette Partybeats, die Harris mit witzigen Raps versehen hat. Auf dieser Scheibe pumpt Harris die eine oder andere neue Hymne für die Deutsche Rapkultur. Aber Achtung, wer denkt, dass auf dem Album nur sinnlose Texte zu hören sind, der hat sich geschnitten. Mit dem Track \"Nur ein Augenblick\" beweist Harris, dass er was von Lyrik versteht und schreibt über ein Thema, vor dem sich die meisten Leute hüten. Und ja, er ist nun stolzer Vater, was bei jedem noch so harten Rapper niedliche Einflüsse mit sich bringt. Selbst der Track mit Sido ist eine rührende Vorstellung und stellt die bösen Rapper in ein ganz anderes Licht. (King Phriz)


www.youtube.com/watch?v=5t71H4FE0eM&feature=player_embedded


Release Date: 24.9.2010






Black Milk - Album Of The Year

Ja, Curtis Cross aka Black Milk fährt dicke Geschütze auf. Sein neues Album hat er schlicht „Album Of The Year“ betitelt. Weshalb er seinem bis dato fünften Studioalbum diesen nicht eben bescheidenen Titel gegeben hat, erklärt Black Milk im Opening Track „365“. So geschehen während eines Jahres für gewöhnlich viele Dinge, die Welten ins Wanken bringen können. Der MC und Producer aus Detroit hatte neben den lebensüblichen Ups und Downs und den Schwierigkeiten und Vorurteilen, mit denen sich der nicht selbst ernannte Dilla-Nachfolger herum zu schlagen hat, auch den Tod seines Freundes Baatin (Slum Village) zu verkraften und die gesundheitlichen Probleme seines Managers Hex Murda zu verdauen. Man mag den Albumtitel deuten wie man will, Qualität wird man dem Longplayer auf jeden Fall nicht absprechen können. Weiter ist Fakt, dass man Black Milk für gewöhnlich nicht mag, nein, entweder man liebt seine Styles oder man befindet sie für ausgelutscht. Wer schon mit seinen zwei letzten LPs „Popular Demand“ und „Tronic“ nichts anzufangen wusste, wird sich wohl auch mit „Album Of The Year“ schwer tun. Jene, die den Mann aus Motor City prinzipell nicht mögen, sollten aber für einmal über ihren Schatten springen und dem Longplayer eine Chance geben. Denn mit „Album Of The Year“ beschreitet der Mann aus Detroit in der Tat den anderen Weg. Die LP klingt weder wie seine Vorgänger noch wie der ganze Rest der Szene. Was die Beats anbelangt, so hat Black Milk auf seinem MPC die Grundstrukturen gelegt, bevor er sich mit Daru Jones (Drums) und AB (Keys, Vocals) zusammen getan und an den Tracks gefeilt hat. Resultat sind 12 dicke Tracks, soulful wie die Schwarzen 60er der Charles’ und Browns und wie sie alle hiessen, angereichert mit Synthesizern für William Shatner und Bambaataa und wohlig warmen Bläsersätzen. Und die Drumssets sind inspiert vom dreckigen Rock der 70er und den Meters. Die Raps sind in erster Linie Battle und portionsweise mit Inhalten versehen. Der Track zu Ehren des weiblichen Geschlechts fehlt natürlich auch nicht. Black Milks Flows sind nicht nur grundsolide, sondern lassen gar gestandene Mitstreiter wie Elzhi und Royce Da 5’9“ eher blass aussehen. Mit „The Album Of Year“ ist es Black Milk gelungen, seine Nische auszubauen und sich mehr als nur einen Schritt aus dem Schatten von Detroits Übervater J Dilla zu bewegen. So ist es durchaus möglich, dass man, wenn man schon bald auf 2010 zurück blickt, dem Albumtitel nicht bloss die Zweitbedeutung zuspricht. (ruedi snare)


www.myspace.com/blackmk


Release Date: 14.9.2010






Dexter & Maniac - Raw Shit

Dexter sollte dem einen oder anderen ein Begriff sein. Er ist ein Demograffic, Teil des Wortsport-Camps und hat zusammen mit Jaques Shure Ende 2008 die LP „Schelle“ releast. Jungs und Mädels, die sich diesen Blog ab und zu geben, kennen Dex bestimmt, war doch sein Hi-Hat Club-Release („The Jazz Files“) Thema am Platz. Wer Maniac nirgends einordnen kann, dem geht’s wie mir. Habe auch erst dank seiner Zusammenarbeit mit Dex vom „Bayer, der auf Englisch reimt“, Notiz genommen. Nun haben Dexter & Maniac „Raw Shit“ veröffentlicht. Der Albumtitel bringt auf den Punkt, was die LP bietet. Raw Shit! Dex hat sich durch seine Plattenstapel gewühlt und Beats gebastelt, die direkt ins Genick gehen. Sein Sampling erinnert mich an Madlibs Abenteuer als Quasimoto. Aber Abklatsch sind die Beats mitnichten. Madlib deshalb, weil Dex das Ohr für das Sample, die Melodie hat und den Groove hat. Und seine Drumpattern killen. Wer ab und zu Freestyles kickt oder von sich denkt, er sei MC, der wird sich den Beats unweigerlich hingeben, wird das Verlangen versprühren, über die Beats seinen Rap zu kicken, wird nicht still sitzen können. Die Zunge zuckt. Für die lyrischen Ergüsse von Dex und Maniac gilt dasselbe, wie für die Beats.... straight Raw Shit. Nenn es Battlerap, nenn es Nonsense-Rap, nenn es wie du willst. Nein, deep sind die Texte bestimmt nicht, aber der Unterhaltungsfaktor ist hoch. Nicht zuletzt wegen dem Wechselspiel, dem Hin und Her der beiden Protagonisten am Mic. „Raw Shit“ hat Soul und den Funk, ist True School und Boom Bap, 1990 und 2010. Dexter & Maniac bedienen keine Standards, sondern gehen ihren Weg. Deswegen ist „Raw Shit“ fresh. Fresher als alles andere, was unlängst releast wurde. (ruedi snare)

Für „Raw Shit“ war kein Vinyl-Release geplant, aber vielleicht kommt er doch noch zustande, da der Ruf nach Schwarzgold von Tag zu Tag lauter wurde. Wer sich für „Raw Shit“ auf Vinyl interessiert, der tue dies kund. Infos zur Aktion „Raw Shit“ auf Vinyl gibt’s dort ->> http://www.wortsport.com/2010/08/17/dexter-maniac%c2%b4s-raw-shit-auf-schallplatte/ (copy/paste in neuen Browser)


www.wortsport.com


Release Date: 13.8.2010






Maxilla Blue - Volume 2

Asphate Woodhavet am Mic, Aeon Grey an Pads und Reglern und Touchnice an den Wheels Of Steele sind Maxilla Blue. 2008 dropten die drei ihr Debüt. Nun haben sie nachgelegt und mit „Volume 2“ den Nachfolger in reale und digitale Ladenregale gestellt. Der Longplayer ist auf Central Standard Records erschienen und featuret fünfzehn traditionelle Rap-Tracks, will heissen: Ein Sample ein Beat, versehen mit Raps und Cuts. Auch was die Sources der Samples betrifft, zeigen sich Maxilla Blue traditionsbewusst. So hat sich Beatbastler Aeon Grey ganz dem Soul und Funk verschrieben. All diesen Facts zum Trotz klingt „Volume 2“ nicht altbacken. Freshness definiert sich auch im Jahr 2.0 nicht über Synthesizer, Auto Tune und Club-Appeal, sondern wie eh und je über die Vibes. Kann man nicht anders, als mitzunicken und/oder zuzuhören, ist die Mission erfüllt. In diesem Sinne ist Maxilla Blues „Volume 2“ im wahrsten Sinne des Wortes fresh, ist doch weder der Mitnickfaktor noch das Zuhörenwollen von der Hand zu weisen. Die Tracks sind smooth und haben den Groove und der MC reimt nicht bloss, er erzählt. Maxilla Blue bewegen sich mit „Volume 2“ wie schon mit ihrem Erstling zwischen damals und morgen und nehmen den Hörer mit an den Ort, wo die Zeit still steht. Die Koordinaten des Dreigestirns aus Iowa liegen irgendwo zwischen denjenigen von Pete Rock und C.L. Smooth und den Juggaknots und Main Source und Oddisee. (ruedi snare)


maxillablue.wordpress.com


Release Date: 12.8.2010






Trek Life - Everything Changed Nothing

Aufgewachsen in West Covina/LA beging Trek Life dieselben Jugendsünden wie viele Kids in den Vorstädten der Stadt der Engel. Während seiner Schulzeit fand er zu Rap. 2004 releaste er seine erste 12“, danach kam es zu Zusammenarbeiten mit Evidence und Rhettmatic. Im Mai 2006 droppte Trek Life sein Album-Debüt „Price I’ve Paid“, connectete mit Heads aus dem Okayplayer-Umfeld und schliesslich mit Washington DCs Finest Oddisee. Früchte dieser Zusammenarbeit sind zum einen das Projekt „New Money (Price I’ve Paid Oddisee Remixes)“, das im Januar 2009 veröffentlicht wurde, und zum andern die zweite Solo-LP von Trek Life, die von A bis Z von Oddisee produziert worden ist. Das Teil heisst „Everything Changed Nothing“, ist 12 Tracks stark und soll morgen Dienstag erscheinen. Eines schonmal vorweg: Das Tagteam Trek Life/Oddisee hat Grosses geleistet. Wer die Karriere des Mannes am Beat ein wenig verfolgt hat, weiss, was dieser zu leisten im Stande ist. Auf „Everything Changed Nothing“ vermag Oddisee seinen bisherigen Output gar zu toppen, indem er Trek Life Beats auf den Leib gebastelt hat, die den Mann am Mic zu Höchstleistungen angetrieben haben. Die Beats haben Soul, gehen ohne Umwege sofort in die Nackenpartie und dank funkadelicesker dreckig-verzerrter Westcoast-Synths auch straight in die Beckengegend, Golden Era 2.0 quasi. Oddisees Steilvorlagen verwertet der MC aus West Covina spielend, indem er seine Eindrücke in Geschichten verpackt und in entspannten Flows bündelt. So hatte ich während der knapp 45 Minuten Spielzeit nie den Drang, den Cursor auch nur in die Nähe des Skip-Buttons zu führen. Vielmehr hab ich mir die LP gleich nochmals zu Gemüte geführt. Gäb’s hier am Blog Sternchen oder Punkte für besprochene Releases, würden Trek Life und Oddisee dem Maxium sehr nahe kommen. (ruedi snare)


www.myspace.com/treklife


Release Date: 27.7.2010






Shawn Jackson - Brand New Old Me

Seit dem Release seines Debüts „First Of All...“ auf Tres Records sind nunmehr zwei Jahre durch die Lande gezogen. Die New Jack Hustle-LP (zusammen mit Newman/Giant Panda) folgte ein Jahr nach dem Solo-Debüt. Nun legt Shawn Jackson nach und veröffentlicht heute seine zweite Solo-LP „Brand New Old Me“. Wer die Messlatte bei seinem Debüt so hoch zu legen vermag, wie dies Mr. Jackson zustande brachte (hier stehen keine Verkaufszahlen zur Debatte, fühlt sich der MC aus LA doch der Artform und nicht blossen Verkaufsargumenten verpflichtet), sieht sich beim Release des Nachfolgers mit dem Problem des Niveauhaltenkönnes konfrontiert. Manch einer ist dieser Problemstellung nicht Herr geworden und daran zerbrochen bzw. an sich selber gescheitert. Wer nun den Titel des neuen Longplayers diesem Problemfeld gegenüber stellt, könnte auf den Gedanken kommen, Shawn Jackson habe sich möchglicherweise für dahingehende Kritiken schon in Stellung gebracht und die Ausrede(n) im Köcher. Ungefähr so ist es zumindest mir ergangen, als ich die Pressemappe erhalten habe. „Brand New Old Me“ bedeutet ja schliesslich nichts anderes als „Ja, das bin immer noch ich aber eben anders“. Und genau dieses Motto hat Shawn Jackson in die Tat vertont, mit tatkräftiger Unterstützung der Herren an den Pads, Tasten und Reglern (K-Salaam, Beatnick, Astronote, Cook Classics, Cloud, Beat-Maker-Beat, Ro Blvd, Mr. Brady, Tony Ozier, MNDSGNK, Knxwledge und Jordan Rockswell). Dominierten auf „First Of All...“ noch Samples das Soundbild, so sind es auf der neuen LP Synthesizer. Mood und Delivery sind aber immer noch nichts als Shawn Jackson wie er leibt und lebt. „Brand New Old Me“ eben. Und wer nun denkt, Synths hätten kein Soul, der irrt gewaltig. Denn was die Producer auf „Brand New Old Me“ draufgepackt haben, ist nicht als Soul. Und wer darüber hinaus denkt, die Producer-Liste sei schlicht zu lang, um ein in sich geschlossenes Werk zu gestalten, irrt ebenso. Dies liegt wohl auch an Shawns Vision beim Beats picken. Was der Mann am Mic kann, ist sowieso unbestritten. So ist er nicht einer jener, die bloss Reim an Reim hängen, sondern einer jener, die Geschichten erzählen und die Hörerschaft mit in ihre Welt nehmen. Shawn Jackson schafft dies auf „Brand New Old Me“ für genau 53 Minuten und 26 Sekunden. Und jetzt ratet mal, wie lange die gesamte Spielzeit des Albums beträgt... (ruedi snare)


www.myspace.com/shawnjackson


Release Date: 27.7.2010






KenLo Craqnuques - Brun

Ende 2007 veröffentlichte der Somaliakanadier KenLo Craqnuques mit „Noir“ das erste Kapitel seiner Beat Tapes. 2008 folgten „Mauve“ und „Bleu“ und ein Jahr darauf „Orange“ und „Rose“. Im April 2010 erschien die Error Broadcast-EP „Cailloux Germés“. Vor einer halben Woche hat KenLo wieder ein farbiges Beat Tape zum Download freigegeben. Das Teil heisst „Brun“, ist 17 Beats stark und geht wunderbar ins Genick. KenLo geht seinen eigenen Weg, irgendwo zwischen deren von Dilla und Flying Lotus. Mal quirlige Synths, mal wuchtige, die Drums hinken, manchmal stocken sie, und die Samples sind so geschnitten, wie es andere nicht können oder wagen. KenLo nimmt „Brun“-Hörer mit auf seinen Weg. (ruedi snare)


kenlocraqnuques.bandcamp.com/album/brun


Release Date: 20.7.2010






Moe Green - Rocky Maivia: Non Title Match

Die Michelle von Audible Treats hat mich schon vor mehr als einer Woche auf Moe Greens Netz-LP „Rocky Maivia: Non Title Match“ aufmerksam gemacht. Und weil die Tipps der Michelle eigentlich immer Greyerzer Doppelrahm sind, hab ich mir das Teil auch gleich auf den Rechner gezogen. Was soll ich sagen... die Michelle ist echt eine Gute! Die LP ist wirklich Greyerzer Doppelrahm. Beats fresh, Raps fresh, alles fresh, und erst noch gratis. Man surfe einfach zur virtuellen Zapfsäule, docke an und sauge. Alsdann führe man sich die 17 souligen Tracks zu Gemüte. (ruedi snare)


moegreen.bandcamp.com/album/rocky-maivia-non-title-match


Release Date: 15.7.2010






The Roots - How I Got Over

And they did it again... Eben haben die Mannen um Mastermind ?uestlove und Poet Black Thought eben ihr nunmehr neuntes Studioalbum veröffentlicht. „How I Got Over“ haben sie es genannt. Wer die Nadel in die Rille legt, wird schnell begreifen, wie sie es wohl gemeint haben könnten. Der Mood der Roots-Tracks 143 bis und mit 156 ist in keinster Weise mit deren Vorgängern zu vergleichen. Erdiger und lauter waren „Rising Down“ und „Game Theory“. „How I Got Over“ ist smooth. So smooth wie selten was anderes seit Dillas Ableben. So smooth wie es heute in Sachen Beats nur noch die Japaner und Kev Brown sind. Smooth wie Hip Hop Mitte der 90er. Rücksichtslos smooth, auch auf die Gefahr hin, dass die Jugend 2.0 gar nicht weiss, was smooth überhaupt bedeutet. The Roots sind dahingehend kompromisslos wie eh und je. So beginnt die LP nicht mit einem Kracher, sondern mit einem ruhigen Intro. Dann folgt der Track „Walk Alone“, wo ?uesto sich erdreistet, die Snare nicht auf die Zwei und die Vier zu setzen und Black Thought und Dice Raw aktuelle gesellschaftliche Standards hinterfragen. Und genau in diesem Stile geht’s dann weiter. Nicht die üblichen Synth-Sounds, sondern Piano und Rhodes. Keine Claps, sondern Snare. Keine hektischen und zu laute Hats. Kein Autotune. Weder Ich-Bin-Cooler-Als-Du-Raps noch Ich-Bin-Böser-Bube-Images. Auf „Hustla“ gibt’s nur die Persiflage davon. All die andern Tracks haben Gehalt, wie es sich heute nicht mehr gehört in der Szene. Die Raps sind deep, auch wenn deepe Raps heute wohl uncool sind und gar nicht verstanden werden (wollen). So ist „How I Got Over“ sowas wie der Gegenpart, das Ego zwischen all den Alteregos in Tagen wie diesen. Der ruhige Moment in rastlosen Zeiten. (ruedi snare)


theroots.com


Release Date: 22.6.2010






ThinkLoud - Droppin’ Mirrors

ThinkLoud ist Netzwerk und Label, das die Visionen von Musikern und Grafikern bündelt. Auf der Webpage der Interessengemeinschaft gibt’s Infos zu den Köpfen hinter der Vision, die für die musikalische Komponente von ThinkLoud stehen. Einer derjenigen welcher ist der Soundtüftler Stroe. Eben dieser Stroe hat für das aktuelle ThinkLoud-Release „Droppin’ Mirrors“ bis auf drei Ausnahmen (Fid Mella, The Unknown und Portformat haben je eine Produktion begesteuert) alle Beats gebastelt. Insofern erstaunt es doch fast ein wenig, dass „Droppin’ Mirrors“ nicht Stroe, sondern dem Grossen Ganzen gut geschrieben wird. Sei’s drum, spielt ja keine Rolle, was die vorhandenen Qualitäten des Albums betrifft, gibt’s schliesslich keine Abstriche zu machen. Und das ist ja bekanntlich das, was zählt. „Droppin’ Mirrors“ kommt frisch und unverbraucht daher, begeht keine ausgetretenen Pfade, sondern den eigenen Weg. Die Beats sind Hip Hop, Electronica, Funk und Soul. Manchmal auch Jazz. Mal spährisch gedankenverloren, mal straight genickbrecherisch. Manchmal auch beides. Die Damen und Herren am Mic - die einen aus dem eigenen Umfeld, die andern von drüben vor oder nach deren Deutschland-Gig vors studioeigene Mikrophon verfrachtet - tragen ihres zum guten Gelingen des Projekts „Droppin’ Mirrors“ bei. Zugegeben, der eine oder andere Track ist für mein Empfinden dann doch ein wenig zu out of this world, oder eben out of my world. Perlen wie die Tracks „Girl“ (!!), „City Lights“ oder „2 Seconds“ wiegeln dieses Ungleichgewicht spielend wieder auf. (ruedi snare)


www.thinkloud.de


Release Date: 18.6.2010






V.A. - Puzzles

Twit One schert sie um sich, die Cratedigger und Loophunter aus seinem Umfeld. MPM, Dakkord, UpMyAlley, Entourage, SpokenView. Der Fixstern ist Köln. In dessen Umlaufbahn befinden sich Berlin, Duisburg und Oxnard. Der gemeinsame Nenner ist die Liebe für Crates und Pads. Sechszehn Bastler haben ihr Puzzle zusammengezimmert. Also eigentlich sind’s ja deren fünfzehn. Die Herren Hodn und Uno sind dank dem Tagteam Testiculo Y Uno je zweimal am Start. Alle andern haben für die Beat-Collage unter der Federführung des FEX-Bassisten und Beatbaslters aus Köln je ein Puzzle beigesteurt. So entsteht aus sechszehn kleinen Puzzles ein grosses. Die Protagonisten haben sich für die Beats über ihre staubigen Plattenkisten und ihre Sequenzer hergemacht. Das Resultat lässt sich durchaus als Zeitreise bezeichnen, finden sich auf „Puzzles“ doch Sounds sowohl aus den 30ern als auch aus den 80ern. Und rechnet man die Vocal-Cuts von ODB noch auf, sind auch die 90er mit am Start. Was das Spektrum der Beats betrifft, gibt’s mal mehr Soul (Retrogott), mal mehr Funk (Hulk Hodn), da mehr Blues (V. Raeter), aber meist mehr Jazz, da klassisch (KanKick), und dort free (Hubert Daviz). Und das Drumset ist hier Boom-Bap (Mr. Boots) und dort Avantgarde (Tobrock). Resultat dieser Puzzlerei ist ein gut vierzig Minuten langes grossartiges Hörspiel ohne Worte (blendet man die Vocal-Cuts mal eben aus).
„Puzzles“ erscheint am 11. Juni auf Augenringe Unter Dem Dritten Auge Records und wird von MPM vertrieben. Die Vinyl-Auflage ist auf 500 Stück limitiert. (ruedi snare)


mpmsite.com/?area=records&view=detail&id=697


Release Date: 16.6.2010






Ecid - 100 Smiles And Runnin’

Ecid ist MC Producer in Personalunion. Mit „100 Smiles And Runnin’“ legt er sein drittes Album auf die Ladentheke. Die LP ist 14 Tracks stark und von A bis Z grundsolide. Für die Beats hat sich Ecid durch seine Crates gesamplet und so ein mit staubigen Perlen gespicktes abwechslungsreiches Fundament für seine Lyrics geschaffen. Auf „100 Smiles And Runnin’“ finden sich keine Battleraps. Ecid zieht es vor, das Leben und dessen verschiedenen Stadien, Phasen und Wege auszuleuchten. Von sich aus gehend zieht er dabei Rückschlüsse auf die Gesellschaft als Ganzes. „100 Smiles And Runnin’“ als ein Highlight zu bezeichnen, ginge wohl einen Schritt zu weit. Nicht desto trotz sicht Ecid aus der grauen Masse von Durchschnitt-Releases heraus. (ruedi snare)


www.facebook.com/ecidfitb


Release Date: 15.6.2010






Dirty Circus - Alive And Well

Sweatshop Unions Metty The Dertmerchant and Mos Eisley sind Dirty Circus. Das Duo hat mit „Alive And Well“ ein Album releast, das als eine Ode an die True School und Boom-Bap zu verstehen ist. Neben eigenen Beats spitten die Jungs über jene von Rob The Viking, Slakah The Beatchild und DJ Rip One. Die Raps conscious, meist szenebezogen, dann und wann werden auch gesellschaftskritische Überlegungen in Rhymes verpackt. Abgerundet wird das ganze durch Cuts von Grouch, ES Nine und Cysko und Vocal-Skits. Man könnte „Alive And Well“ wohl als nicht zeitgemäss abtun. Gerade so gut könnte dem Album aber das Attribut ‚zeitlos’ zugeschrieben werden. Vor allem die erste Albumhälfte featuret da und dort eine Perle („Like It’s Supposed To“ feat. Bootie Brown & Moka Only oder „Where I’m At“), während das Hörvergnügen je länger je mehr abflacht, was nicht schlechten Tracks, sondern an der fehlenden Abwechlung liegt. (ruedi snare)


www.urbnet.com/artist-dirtycircus.asp


Release Date: 15.6.2010






Semantik - Molotow

Semantik hat Soul. Definitiv. Sema hat Leidenschaft, ist Feuer und Flamme für Rap und die Message dahinter. Sema leidet und kämpft. Kompromisse machen andere. Ein Blatt vor den Mund nimmt Sema nicht. Lieber tritt er der Gesellschaft verbal in die Eier, hält der Masse den Spiegel vor und scheut sich nicht, auch selbst hinein zu schauen. Semas Rap ist State Of The Art und Klassenkampf, hat Pathos und Style. All dies macht den MC aus Zürich zu einer Ausnahmeerscheinung in der hiesigen Szene. Semas neuer Longplayer heisst „Molotow“. Ob das Album nun mehr Wjatscheslaw Michailowitsch als Cocktail oder umgekehrt ist, sei jedem selbst überlassen. Fakt ist, dass „Molotow“ zwölf Tracks starkes Kopfkino ist. Die Mehrheit der Szenarien sind düster und dreckig. „Molotow“ mit Hoffnungslosigkeit gleich zu setzten, wäre hingegen falsch, lebt das Album doch eher von der Wut und Kampfgeist. Und wer Wut empfinden kann und Kampfgeist beweist, der hat auch Hoffnung. Das eine setzt das andere voraus. So hat denn das Album mit den Tracks „Engel Vo Züri“ und „Ich Will“ auch ihre helle Seite. Hoffnung eben. Den grossartigen, sehr abwechslungsreichen Soundtrack zu Semas Kopfkino geht auf die Konti der Herren TZA, Sad, Ryo und Ripa. Beat und Rap passen auf jedem der Songs wie die Faust aufs Auge. So tragen die Beatbastler ihres dazu bei, dass es Sema einmal mehr wie kein zweiter versteht, seine Wahrnehmung und Gefühlswelt in authentischen Rap zu verpacken, was „Molotow“ zu einem Highlight einheimischer Releases macht. (ruedi snare)


www.myspace.com/semantik01


Release Date: 11.6.2010






Breitbild - Was Für A Moment

Seit zehn Jahren machen die Jungs zusammen Musik. Vor acht Jahren erschien ihre Debüt-EP. Bis heute hat Breitbild verschiedene Erfolge verbuchen können. Der letzte war die doppelte Ehrung für ihren Clip zum Track „Nacht“ (Solothurner Filmtage und EDI.09). Und als Live-Act haben Breitbild weit über Szenekreise hinaus für Aufsehen gesorgt. Am 28. Mai ist ihr viertes Studioalbum erschienen. „Was Für A Moment“ heisst das Teil. Viel Zeit und Herzblut haben Andri, Vali, Claudio, Thom und DJ Jäger in das Album investiert, vielleicht sogar ein bisschen mehr als bei den anderen vier Werken, könnte doch „Was Für A Moment“ das letzte Breitbild-Album sein. Nicht, dass sie keinen Bock mehr auf Rap oder sich ihre Wege getrennt hätten. Nur ist es so, dass die Wege eben länger sind und die Zeit knapper ist als damals. Vielleicht ist dies auch mit ein Grund dafür, dass „Was Für A Moment“ zwar eine Momentaufnahme, in gleichem Masse aber auch eine Retrospektive ist. Kern eines jeden Songs ist ein unverwechselbares Gefühl, das umschrieben und vertont wurde. Neben der Sprache spielen Sequenzer und Drumcomputer noch immer eine Hauptrolle. Aber Live-Instrumetierung ist nicht mehr nur für die Bühne bestimmt. So ist die Snare nicht immer ein Tab und der Bass nicht immer ein Loop. Und ein Sreicherquintett wurde bei den Studioaufnahmen auch miteinbezogen. „Was Für A Moment“ klingt organischer, vielseitiger und reifer als frühere Aufnahmen. Die Arrangements sind ausgefeilt, die Sounds warm, mal soulig, mal funky, da spährisch, weiträumig, dort fokussiert. Fokussiert auf den Moment, weil der Moment zählt. Oder um es mit einer Zeile aus dem Titeltrack zu sagen: „Was für a beschissani Zyyt, was für a schöna Moment“. (ruedi snare)


www.breitbild.com


Release Date: 28.5.2010






Hubert Daviz - Proceduri de Rutina

Hubert Daviz?! 1986 kam der gebürtige Rumäne im Alter von fünf Jahren nach Deutschland. Seit nunmehr gut sechs Jahren hantiert er mit Sampler, Synthesizer und Drumcomputer. Er war Teil der UpMyAlley-Beatnick-Releases, steuerte im vergangenen Jahr einen Beat zur „Zitate“-EP der Herren Hodn und Huss bei und ist mit einem Beat auf Shuanises aktueller 7“ am Start. Nun folgt der nächste Streich. Eigentlich war ein offizelles Release zumindest im Anfangsstadium des Projekts, dessen Basis und Loop- und Soundschnipsellieferant rumänischer Jazz ist, gar nicht vorgesehen. Die Erkenntnis, man müsse die EP als ein Offizialdelikt inklusive limitierter Auflage Schwarzgold ahnden, reifte erst gegen Ende des Produktionsprozesses. Dies aus gutem Grund, ist „Proceduri de Rutina“ doch ein noch nie dagewesenes Abenteuer für weltoffene Gehörgänge. Jedes Stück auf der EP spielt im eigenen Kosmos, ohne dass das grosse Ganze Gefahr liefe, in sich zu zerfallen. Als einen Mindtrip würden die Kollegen aus Übersee die Beatcollage von Herrn Daviz wohl betiteln, deren Koordinaten irgendwo zwischen den Welten von Dilla, Flying Lotus, Ras G, Richard Waldemar Oschanitzky, Duke Ellington und Dizzy Gillespie liegen. Die Tracks haben, so werd ich den Eindruck nicht los, mal mehr Bodenhaftung und mal weniger, ohne den Wurzeln den Nährboden zu entziehen. „Proceduri de Rutina“ erscheint am 28. Mai auf Melting Pot Music. Für das Artwork ist unser aller Liebster Rober Winter verantwortlich. (ruedi snare)


www.mpmsite.com/?area=records&view=detail&id=694


Release Date: 28.5.2010






Flip - Umberto Ghetto

Nachdem die Herren Huckey und Skero (von Texta) im vergangenen Jahr ihre eigenen Projekte verwirklichten, hat nun auch Flip sein Solo-Debüt veröffentlicht. Dabei hat er alles in Eigenregie auf die Beine gestellt, sowohl Beat als auch Rap. Dabei agiert Flip als Umberto Ghetto, in Anlehnung an einen der grössten Denker Europas, den italienischen Philosophen, Litaraten und Medienwissenschaftler Umberto Eco und an die Ursprünge von Hip Hop und Rap in der South Bronx. „Umberto Ghetto“ ist auch der Titel der LP. Die Produktionen auf dem Album sind nicht die heute üblichen immergleichen Synthesizer-Breitseiten, sondern liebevoll zusammengekleisterte Klangcollagen. Flip hat sich auf der Suche nach dem Loop wohl förmlich durch seine Plattenkisten gegraben, ehe er am Sequenzer und Drumcomputer das Puzzle zusammengesetzt hat. So vermögen die Beats auf „Umberto Ghetto“ dank da bittersüssen und dort zuckersüssen Soul-, Funk-, und Disco-Samples aus den 70ern auf ganzer Linie zu überzeugen. Flip vermag aber nicht nur am Beat zu überzeugen, auch sein Rap vermag dank starker Bilder und ehrlicher Ansage zu fesseln., sei es Kulturkritik („A&O“ und „Originality“), Selbstreflektion („Leere Versprechen“, „Unter Hypnose“ und „Ich bereue nichts“), Gesellschaftskritik („Alles wahr“, „Politrix“ und „Ratlos“), Battlerap („U.M.B.E.R.T.O G.H.E.T.T.O“, „Schwindelfrei“ und „Problem“), Szenekritik („Hundat Pro“ und „Ghetto?“), eine Ode an die Ursprünge („Back To The Old School“) oder Storytelling („Geh Heim“). Flips Solo-Debüt ist reich an Moods, hat für jede Stimmung mindestens einen Track am Start – sei es für Kopf, Genick, Herz, Bauch oder Hüfte – ohne dabei das grosse Ganze zu untergraben.


flip1.bandcamp.com/album/umberto-ghetto


Release Date: 28.5.2010






Brenk X Fid Mella - Hi-Hat Club Vol. 4: Chop Shop

Hi-Hat Club, Klappe, die Vierte! Von der Homebase Köln aus trat der Club unlängst die Reise Richtung Berlin an, um dann nach Heilbronn weiterzuziehen und nun einen Zwischenstopp in Wien einzulegen. So schraubten nach Testiculo Y Uno (Hulk Hodn und Twit One), Suff Daddy und Dexter für die vierte Auflage des Clubs die Herren Brenk (Teil des Supercity-Kollektivs) und Fid Mella an den Reglern. Resultat sind zwei Mal zwölf soulig warme, samplebased Beats, die von dreckigen Drumloops getragen werden, da und dort mit 80ties-liken Synthesizern angereichert worden sind und nicht nur Curtis, Al und Ray, sondern auch The Doors und Moody Blues in Hinterköpfen wiederbeleben. Sich dem Mitnicken entziehen zu wollen, ist ein schier unmögliches, nicht zweckgerechtes Vorhaben. „Chop Shop“ ist der Mindtrip schlechthin und nach Dillas Donuts mit die beste Soundcollage, die man mit Hilfe eines Plattenspielers, ein paar alten Scheiben, eines Sequenzers und mit Minimoog oder Microkorg zusammenbastlen lässt. Dicke Respekt und Shout Out nach Wien! (ruedi snare)


http://mpmsite.com/?area=records&view=detail&id=692


Release Date: 14.5.2010






Stereosopha - Bivalents Canapé

Dass auf „Bivalents Canapé“ weder Standardphrasen gedroschen noch gängige Rap-Klischees bedient werden, lässt schon der Albumtitel erahnen. Stereosopha gehen ihren eigenen Weg. Fern ab von Stereotypen und längst ausgetreten Pfaden erzählen Hille und Heer Geschichten, wie sie nur das Leben selbst zu schreiben imstande ist, da mit einem Schmunzeln auf den Lippen, dort mit ernster Miene. So ist die direkte und ehrliche Art der beiden Mannen an den Mikrofonen eine grosse Stärke und zugleich das Fundament für den Abwechslungsreichtum an Themen und Stimmungen des Debüts von Stereosopha. Gleiches wie für den Rap gilt auch für die Beats von Plasticgold, die fern ab jeglicher Normen Genregrenzen verschwimmen lassen und Zero MZ und Mic Heer die perfekte Steilvorlage liefern. Auf „Bivalents Canapé“ gibt’s mit lediglich zwei Ausnahmen 100% Schaffhauser Schaffen aufs Ohr. Die zwei Ausnahmen, die die Regel bestätigen, sind das Feature von Agg Prod. (Bayrischer Dailekt) sowie ein Skit mit DRS 3-Moderator Mario Torriani am Mic.
Dieser Skit ist natürlich nicht das Kaufargument schlechthin, sondern nur das I-Tüpfelchen auf einem Album, wie es die Schweiz bis anhin noch nicht zu Gehör bekommen hat. (ruedi snare)


www.sopharecords.ch/stereosopha/sound.html


Release Date: 10.5.2010






Circle Research - Gardiner Express

Nik und Gil sind Circle Research. Angefangen hat alles in ihrer Heimatstadt Toronto, wo sie in Clubs ihre Scheiben spielten. Noch heute – seit mehr als fünfzehn Jahren – tingeln die beiden mit ihren Crates (vormals analog, heute digital, wie mittlerweile (fast) alle andern) durch die Nachtlokale. Nur der Radius hat sich massiv ausgeweitet. Das Duo ist aber nicht beim DJing geblieben. Bald schon haben die beiden eigens produzierte Mash-Ups und Remixes in ihre Sets gepackt. Und vor zwei Jahren haben Circle Research auf MPM ihr Mixtape-likes Album „Who?“, auf dem sie 30 Jahre Sampling im Zeichen von Hip Hop Revue passieren liessen, veröffentlicht. Im April nun haben Circle Research ihre zweite LP nachgelegt. Das Teil ist auf Urbnet erschienen (leider nur in digitaler Form) und featuret 17 Tracks. Der Albumtitel „Gardiner Express“ ist eine Hommage an ihre Heimat und Jugend und die Sounds eine Ode an Georges Clintos P-Funk, an Afrika Bambaataa und Egyptian Lover, Kraftwerk, an analogen 80er-Jahre-Discofunk, Westcoast-Synthes und nicht zulezt an Dilla. Nun, die Ode an Dilla wurde den beiden Nerds aus Toronto schon vor zwei Jahren unterstellt, wer sich „Gardiner Express“ anhört, wird wohl verstehen, weshalb ich Dilla auf diesem Album als präsenter empfinde als noch auf dem letzten. Freilich gibt’s am Gardiner Expressway keine Donuts, aber die Drums hinken dann und wann beinahe so schön wie bei James. Alles in allem ist „Gardiner Express“ eine Art Zurück-in-die-Zukunft für alle Discolokale. Ja, dank Acts wie Dãm Funk oder eben Circle Research ist Hip Hop heute wieder tatsächlich tanzbar.


thecircleresearch.bandcamp.com


Release Date: 22.4.2010






Damu The Fudgemunk - How It Should Sound

Realkeeper, Rucksackträger und Cratedigger sind in Tagen wie diesen wohl Bezeichnungen für Typen, die von hippen Istzeithoppern eher in Sanatorien, Klapsen oder Altersresidenzen eingewiesen würden, als dass sie Geld für deren Releases auf die Theke legten. Wer geht denn noch für analog, wenn\\\\\\\'s doch digital funktioniert. Und was bitte ist Vinyl?! Damu The Fudgemunk ist einer dieser Hängengebliebenen, der auf der Suche nach dem Sample noch in Kisten wühlt und sich nun erdreistet, seine Beats auf Plastik zu bannen. Und dann nennt Damu dieses Album auch noch stinkfrech „How It Should Sound“. Digga, wir schreiben das Jahr 2010!!

Ja, wir schreiben das Jahr 2010 und es ist Balsam für die Seele, dass es noch Nerds wie eben Damu, The O.X.-Entourage um Kan Kick, Madlib und Oh No, Audible Doctor und Fat Beats, Kev Brown und Low Budget, Oddisee und Brüder im Geiste in Frankreich (J-Zen, Mister Modo, Oogo, Quetzal, Onra und andere) und in Deutschland und Österreich (Shout Out an den Hi-Hat Club feat. Hulk Hodn, Twit One, Suff Daddy, Dexter, Brenk und Fid Mella, wie auch an Szenario und andere) gibt. Und hier im Ländle ist Sterneis noch am basteln (wir warten auf den Nachfolger zu „Mosaic“).

Nun aber zurück zur Sache, zu Damu und seinem Longplayer „How It Should Sound“. Das Album featured 27 Tracks, auf dem Vinyl-Release gesplittet auf zwei Scheiben (Vol. 1 + 2). Die Beats sind zwischen 2003 und 2007 entstanden. Auf „How It Should Sound“ knistert’s und „chroost’s“ und knackst’s, wie es das auch darf, wenn man in staubigen Kisten nach Loops gräbt. „How It Should Sound“ ist Jazz und Funk, vor allem aber Soul. Wer nun gerne wüsste, wie denn das wohl klingt, der kann sich auf Damus Bancamp-Page einen Auszug in Form einer 6-Tracks umfassenden EP gratis auf den Rechner saugen. (ruedi snare)


www.myspace.com/damuthefudgemunk


Release Date: 13.4.2010






Suff Daddy - Gin Diaries

Menschmeier, da brat’ mir doch einer ’nen Specht, he’s back, obschon er nie weg war. Er hat den Groove im Blut, die Sportzigarette im Mundwinkel, die linke Hand am Sequenzer und die rechte am Glas. Die letzte Konsequenz dieser Eigenschaften ist des Suff Daddys neuster Streich, die „Gin Diaries“. Er torkelt und schlendert durch seine Soundwelten, ohne auf die Nase zu fallen, receycelt Loops und spielt auf Midi-Synths. Und manchmal lässt er auch eine Stimme mit seinen Babies turteln. So geben sich die Soulbrüder Miles Bonny und Mar und die Soulschwestern Fleur Earth und Marima auf „Gin Diaries“ die Ehre und auch Funkbruder Jim Dunloop darf mal ran. Die „Gin Diaries“ sind dreizehn Episoden ausm Leben des Beat Mack Daddys aus Suff City. Laidback, soulgeschwängert, jazzverliebt und midifunky sind die Stücke auf dem Album, dessen Sounds Deezys Gespür für smoothe Kopfnicker einmal mehr eindrücklich untermauert. Das offizille Releasedate der „Gin Diaries“ ist der 16. April. Im Onlineshop wird die LP schon übermorgen (09. April) feil geboten. (ruedi snare)


mpmsite.com/?area=records&view=detail&id=690


Release Date: 9.4.2010






Dabu Fantastic - Discochugle

Ziemlich genau ein Jahr ist vergangen, seit Dabu (The Songwriter), Djohn (The Arranger) und DJ Arts (The Plattenkratzer) ihr Debüt „Agglo Disco“ veröffentlicht haben. Und schon legen Dabu Fantastic nach und releasen ihren Zweitling „Discochugle“. Wie schon der Albumtitel verrät, knüpft der zweite Longplayer dort an, wo der erste geendet hat. Die Tracks sind immer noch Disco und die drei Typen immer noch Funk. Dabu ist immer noch mit Klampfe unterwegs und der Horizont immer noch weit. Dabu puncht immer noch szeneuntypische Lines und präsentiert seine nicht makellosen Sangeskünste. Die Beats sind immer noch Kick, Snare, Clap und Hat und die Melodien immer noch Sequenzer, Saiten und Tasten. Was aber den Horizont auf „Discochugle“ im Vergleich zum Vorgänger nicht unwesentlich weiter erscheinen lässt, sind Frauenstimmen und Blech. So unterstützen Jessica und Valerie Dabu mit ihren Stimmen und Aurel, Matthias und Xavier erweitern die Fantastischen Sounds um die Dimensionen Horns, Trompete, Posaune, Saxophon und Querflöte. Diese zusätzlichen Gimmicks machen Dabu Fantastics Funk noch funkier. Aber Dabu Fantastic und ihre „Discochugle“ ist ja nicht nur funky wie der Titeltrack. „Discochugle“ ist auch Sixties Soul gepaart mit Wili Schmids „Make It Clap“-Rhythmen („Fantastic Aso“), scharlachroter Büne-Soul („Min Ort“), bittersüsser Beziehungskitsch („Ma Chérie“), rauchiger Whiskey-Bar-Jazz („One Way Ticket“), kopfnickig-augenzwinkerndes Product Placement („Jedä Hät Än Mac“), eskapadesker Swing mit Esther („Tanz Im Chreis“) oder Offbeat-Gesellschaftsatire („Usgässe“), um nur ein paar Facetten des Albums heraus zu streichen. Langweile mag nicht aufkommen, hört man sich das Album an. Höchstens der Track „Mini Schuld“ fällt gegenüber dem Rest dann doch ein wenig ab und lässt den Skip-Finger zittern. Ansonsten ist „Discochugle“ vielseitig, ungezwungen und gut für Überraschungen. Dies trifft sowohl für die Musik wie auch für die Texte zu. Gerade deshalb ist Dabu Fantastic der Act aus der Sparte Rap und Hip Hop, die das Potential haben, den heimischen Musikmarkt von unten her aufzurollen. Ob sich die Jungs – wie ich dies tue – auch in die Hip Hop-Ecke stellen bzw. ihre Wurzeln dort sehen (sind doch Rap, DJing und Sampling zentrale Bausteine ihres Schaffens), ist eine andere, wohl nebensächliche Frage. Und wieder eine andere Frage ist, ob die Fantastischen Drei trotz ihrer Affinität zu Funk, Soul, Blues, Reagge und Pop bzw. der Verarbeitung verschiedenster Einflüsse von der per Definition eigentlich offenen, in Tat und Wahrheit aber meist engstirnigen Subkultur noch zu den ihren gezählt oder geächtet und ausgegrenzt werden. (ruedi snare)


dabufantastic.ch/blog/


Release Date: 1.4.2010






Madlib - Medicine Show #3: Beat Konducta In Africa

Er hat es wieder getan. Madlib ist der Beat Konducta. Er digt in staubigen Kisten und in Regalen nach Samples. Hat er eins gefunden, gibt’s ein Drumset drüber und vielleicht noch ne Bassline drunter und fertig ist das Teil. Klingt unspektakulär, ist es aber nicht (Shout Out an Peter Lustig!). Denn zum einen gräbt der Madlib Loops aus, die man zuvor noch nicht gehört hat, und manchmal legt er ja doch auch noch’n bisschen Hand an und zupft an dem Teil herum. Des Beat Konductas neueste Entdeckungsreise führte ihn nach Afrika. Auf der Suche nach verborgenen Musikschätzen des Schwarzen Kontinents schränkte sich Madlib nicht stur auf traditionelle Klänge und Afro-Funk à la Fela Kuti ein, sondern schöpfte, was die musikalische Vielfalt Afrikas betrifft, aus dem vollen. Ausserdem hat Madlib den eh schon hohen Gehalt an Message der Beats mittels Einflechten von Vocal-Samples und Zitaten noch gesteigert. „Medicine Show #3: Beat Konducta In Africa“ ist 37 Beats stark (die Special Edition ist gar 43 Beats dick). Langeweile mag beim Durchhören der LP nicht aufkommen, dies obschon ich dachte, ich hätte schon alles gehört, was die Verrückte Lippe aus Oxnard an Beats ausm Sequenzer zaubern kann. Dem ist aber nicht so. Und wer denkt, „Madlibs kleiner Bruder Oh No war ja eben erst in Afrika unterwegs („Ethiopium“), wieso muss der Beat Konducta denn auch noch?“, dem sei gesagt, dass sich die beiden Alben in keinster Weise in die Quere kommen.
Fazit: Diejenigen welchen, die Madlib bis anhin nicht mochten, mögen ihn wohl nach dem dritten Teil der „Medicine Show“ noch immer nicht. Diejenigen welchen, die ihn schon vorhin mochten, werden ihn wohl noch immer mögen, vielleicht sogar noch ein bisschen mehr als zuvor. Bleibt also nur die Frage, ob der Beat Konducta all die Unentschlossenen bzw. diejenigen, die bis heute noch gar nicht(s) von ihm gehört haben, auf seine Seite ziehen kann oder eben nicht. (ruedi snare)


www.stonesthrow.com/store/album/madlib/madlib-medicine-show-no-3


Release Date: 25.3.2010






Ron Contour & Factor - Saffron

Er ist Rap’s Busiest Bee. Seit 1995 hat er weit über 40 Solo-Releases (LPs, EPs, 12“es, Mixtapes, etc) rausgehauen. Bis 2002 war der Mann aus Vancouver inoffizielles Mitglied der Swollen Members. Danach war er gut zwei Jahre mit an Bord der Crew, um sich 2005 wieder vom Kollektiv zu verabschieden. Man sagt, er habe einen Cousin, der sich Ron Contour nenne. Aber dieser Cousin ist nichts weiter als ein Alterego. Die Rede ist von Moka Only aka Ron Contour. Moka Only hat zusammen mit Factor (Beats) eben erst die dritte LP als Ron Contour (Raps) veröffentlicht. Die Scheibe heisst „Saffron“ und ist 12 Tracks stark. Die Tracks klingen nicht, wie Tracks 2.0 klingen sollten. Moka Only und Factor machen keine Konzessionen ans Spiel. Und das ist mehr als nur gut so, denn gäbe es keine Querdenker wie Moka Only und auch Factor, würde das Rap-Game wohl schon in der eigenen Pisse ersaufen. Die Beats haben Soul und sie haben Blues. Moka aka Ron greift diese Attribute in seinen Lyrics auf und packt seine Raps auf die Beats, wie es passender nicht ginge. Das Resultat ist ein Longplayer, den man sich problemlos am Stück geben kann. Dies ist eine Stärke, die den meisten „modernen“ Releases abgeht. Nein, „Saffron“ ist nicht tanzbar, was Standards 2.0 betrifft, auf „Saffron“ gibt’s Sounds fürs Wohnzimmer oder rauchige Bars. „Saffron“ ist ein Album, das es in Tagen wie diesen mehr den je braucht, um Rap und Hip Hop mit Spirit zu versorgen, auf dass nicht alles nur noch Fassade wie schlechte TV-Spots, MTV Cribs und Marken-Sweaters sei. (ruedi snare)


www.fakefourinc.com


Release Date: 23.3.2010






Dexter - Hi-Hat Club Vol. 3 - The Jazz Files

Hulk Hodn, Twit One und Suff Daddy haben vorgelegt, nun zieht Dexter nach. Mit dem Beatbastler aus dem Schoss des Wortsport-Kollektivs an Decks und Sampler geht der Hi-Hat Club in die dritte Runde. Der Albumtitel „The Jazz Files“ lässt keine Fragen offen, wohin die Reise wohl gehen möge. Im Opener „The Future“ kommuniziert Dex per Vokalschnipsel den Anspruch, mit seinen „Jazz Files“ die Zukunft des Jazz aufzuzeigen. Es steht nun jedermann frei, wie viel Augenzwinkern, Selbstbewusstsein oder Überheblichkeit er in diese Aussage hinein interpretieren möchte. Ich entscheide mich für das Augenzwinkern, was Dexters Files aber nicht unter den Scheffel stellen soll. Denn was der Mann aus Heilbronn während der gut 36 Minuten Spielzeit aus den Speakern zu zaubern vermag, ist deren Membrane mehr als würdig. Schon mit dem Opener gelingt es Dexter, mich mit auf seine Reise zu nehmen. Ja, die „Jazz Files“ haben Groove. Die „Jazz Files“ sind smooth. Und diese Smoothness wird von Dex zum Beispiel im Track „Heavy Horns“ ohne Dissonanzen und stilsicher mit dem – um es mit ODBs Worten zu sagen – „oh baby I like it raw“-Flavour gepaart. Madlibs Mood ist nicht weit weg, ohne Dexters Beats mit stupiden Vergleichsattributen wie ‚besser’ oder ‚fast so gut’ zu torpedieren. Die Jazz Files sind Dexters „Jazz Files“. Und beim Track „Practise“ sagt auch Dilla hallo. Jeder Beat für sich ist ein Highlight und erzählt seine eigene Geschichte. Die Vorlagen der Herren Hodn, Twit One und Deezy waren Steilvorlage, und Dexter hat es geschafft, diese Steilvorlagen Volley zu nehmen. Ob es tatsächlich das Tor des Jahres sein wird, kann man natürlich noch nicht sagen. Zehn Monate Spielzeit lassen keine Prognosen zu. (ruedi snare)


www.mpmsite.com


Release Date: 26.2.2010






Strong Arm Steady - Stoney Jackson

Als Tupac und Snoop 1996 ihre Longplayer „All Eyez On Me“ und „Tha Doggfather“ veröffentlichten, war Death Row Records am Zenith angelangt. Im Schatten von Death Row und dessen Artists, die das Strassenleben als Verkaufsargument ausschlachteten, wuchs im Schatten von Suge & Co. eine Art Antipode heran. Die Rede ist von Strong Arm Steady. Neben Krondon und Phil Da Agony, die als Heads hinter dem Movement gelten, waren anfangs auch Mitchy Slick, Xzibit, Chase Infinite und Planet Asia Mitglieder der Crew. Heute besteht Strong Arm Steady aus dem Duo Krondon und Phil Da Agony. In dieser Besetzung releaset SAS nun mit Hilfe von Loopdigger Madlib am Beat und der Unterstützung von Gründungsmitgliedern und anderen MCs den zweiten SAS-Longplayer „Stoney Jackson“. Was die Beats anbelangt, gilt es folgendes fest zu halten: Madlib mag man oder man mag ihn eben nicht. Ich mag ihn. Und eines ist klar, der Freak aus Oxnard hat sich für „Stoney Jackson“ einmal mehr die Finger wund gedigt, um den Herren MCs seinen einzigartigen Soundteppich aus souligen Loops in die Booth zu legen. Dies ist ihm um Längen besser gelungen als noch auf seinem Produceralbum „WLIP AM: KING OF THE WIGFLIP“. Krondon und Phil tun ihren Teil und veredeln die Beats mit ihren Wortspielereien. So ist der Strong Arm Steady-Erstling reich an Highlights und setzt hohe Standards für noch kommende Releases im noch jungen Jahr. „Stoney Jackson“ erscheint Ende Januar auf Stonesthrow Records. Als Appetizer kann auf der Stonesthrow-Homebase der Album-Opener „Best Of Times“ (feat. Phonte) gratis auf den Rechner gesogen werden. Gäste am Mic sind Phonte, Plante Asia, Fashawn, Chace Infinite, Tri-State, Talib Kweli, Sick Jacken, Mitchy Slick, Montage One, Evidence, Oh No, Roc C, Defari, Res, Roscoe, Guilty Simpson und Phats Bossalini. (ruedi snare)


http://www.stonesthrow.com/news/2009/12/strong-arm-steady-in-search-of-stoney-jackson


Release Date: 16.2.2010






Tufu - Die Symbolik Des Mastschweins

Sind die Jungs fresher als Huss Und Hodn? Kopieren die Jungs Huss Und Hodn? Sind Huss Und Hodn denn überhaupt fresh? Am Blog der GTD-Jungs wird eifrig diskutiert, was TUFU sind und können. Und jeder will es besser wissen. Eines steht fest, TUFU haben eine 15+3 Tracks starke Liedcollage auf\\\'n Server gepackt und zum Download freigegeben. Das Teil trägt den Titel „Die Symbolik Des Mastschweins“. „Seid real malt ein Piece an die Wand, T-U-F letzter Penis im Klitorisland / Was du sagst klingt nach Stuhlgang, nach Revolte gegen das was man füher man cool fand“ („Du Hast Stuhl Im Kopf“). Zeilen wie diese haben wohl dazu beigetragen, dass gewisse Kreise Parallelen zu Retrogott\\\'s Lyrics ziehen. Ob und inwiefern dies nun wirklich zutrifft und was die Konsequenzen dessen sind, hat jeder für sich selber zu entscheiden. Was die Beats betriff, so hat TUFU das Rad nicht neu erfunden. Es wurde auf der Suche nach Loops und Sounds wohl in staubigen Kisten gewühlt. Back to the basics. Die musikalische Grundlage von TUFU\\\'s Sounds ist Jazz und die Umsetzung weiss zu gefallen. Sehr sogar. „Weniger scheisse...mehr cool!“, so schätzten die Jungs aus Mainz sich selber ein. Diese Ansicht teile ich. „Die Symbolik Des Mastschweins“ ist dope, mehr dope als viele Release vieler anderer, die Geld für ihre Tracks haben wollen. (ruedi snare)


http://www.myspace.com/tufuraps


Release Date: 12.1.2010






Blakroc - Blakroc

Damon Dash war an einem Gig von The Black Keys als er sich fragte, was wohl geschehen würde, wenn er die beiden Jungs aus Ohio mit MCs aus seiner Umlaufbahn zusammen führen würde. So griff er sich seinen Ziehsohn Jim Jones und bestellte Mos Def zu sich, um mit den beiden ins Studio der BKs zu fahren und abzuchecken, ob die Chemie stimmt. Und tatsächlich, man hatte sich lieb und schon wurde aus dem Dash’schen Hirngespinst Realität. Das Projekt heisst „BlakRoc“ und featuret neben den Mannen für den Groove (Dan Auerbach und Patrick Carney aka The Black Keys) und den eben erwähnten Jim Jones und Mos Def auch Billy Danze, NOE, Q-Tip, Ludacris, ODB, RZA, Raekwon, Pharoahe Monch und Nicole Wray. Das Album wurde bezeichnenderweise am Schwarzen Freitag („Black Friday“ aka der Tag nach Thanksgiving) veröffentlicht und ist 11 Tracks stark. Die Sounds sind roh und rumpeln und stolpern vor sich hin. Gitarren heulen und weinen und Hats scheppern. Die Basslines grooven wie die Blues Brothers. Und die Protagonisten am Mic fühlen sich hörbar wohl auf den Beats. So passen Billy Danze mit seiner wuchtigen Stimme, Nicole Wray mit ihrem soulig-rauchigen Sangesorgan, RZA mit seinen schrägen Flows und Metaphern, Mos Def mit seinem Singsang-Rap und Raekwon mit seinem Storytelling auf die Sounds wie die Klatsche aufs Ohr. Nur Q-Tip – und das schmerzt mich als Tribe-Jünger der ersten Stunde schmerzlich – wirkt mit seinem Part auf dem Track „Hope You’re Happy“ steif und fällt gegenüber Billy Danze (seinem Mitstreiter auf besagtem Track) gewaltig ab. Nichts desto trotz ist Damon Dashs Rechnung aufgegangen. „BlakRoc“ hat den Funk, den Soul und den Blues, ist ein Album wie kein anderes und definitiv eines der Highlights des Jahres. Meine Favourits auf dem Album sind die Tracks „Stay Off The Fucking Flowers“ (feat. Raekwon), „On The Vista“ (feat. Mos Def), „Done Did It“ (feat. NOE & Nicole Wray), „Dollaz & Sense“ (feat. RZA & Pharoahe Monch) und „Why Can’t I Forget Him“. (ruedi snare)


www.blakroc.com


Release Date: 27.11.2009






Ill Mondo / Neal Rames - Ill Mondo / Neal Rames

Ill Mondo ist das Kollektiv für die Beats, Neal Rames der Mann für die Raps. Ihren 13 Tracks starken Debüt-Longplayer „Ill Mondo / Neal Rames“ haben die Heads aus Cali Mitte November auf dem hauseigenen Indie-Label Ill Mondo Records veröffentlicht. Die Beats gehen auf das Konto von Jeff und Johnny. Hammond B3, Bläsersätze, Wahwah-Gitarrenlicks, funky Basslines und Drums sind die Hauptingredienzen der Sounds des Duos aus San Francisco. Neal Rames seinerseits stammt aus der Stadt der Engel. Seine Flows sind sehr solide Kost, nicht weniger aber auch nicht mehr. Deshalb kaufen ihm die Gäste am Mic dann doch ein wenig den Schneid ab. So droppen die Herren Percee P, Prince Po, Sean Price und Stranjah 1 ihre Verse auf dem Album von Ill Mondo und Neal Rames. Diese Tracks sind denn auch die Highlights des Longplayers, was neben den Featurings auch an den Beats eben dieser Songs liegt. Alles in allem ist „Ill Mondo / Neal Rames“, dessen Sounds an die People Under The Stairs und den Funk von Clutchy Hopkins erinnern, dank B-Boy-Attitude und starker Gastbeiträge ganz sicher im oberen Mittelfeld der 2009er-Releases anzusiedeln. Favourits: „Scriptures“ feat. Prince Po und „Suicide Doors“ feat. Sean Price. Übrigens: Das Cover-Artwork ist eine Hommage an Joe Jacksons „Look Sharp!“. (ruedi snare)


www.illmondo.com/


Release Date: 17.11.2009






Pablo - Turntable Technology

Pablo? Who the f#&k?! Konsolen-Nerds werden den Herrn kennen, obschon sie vielleicht noch nie von dem Typen gehört haben. Zumindest diejenigen unter ihnen, die dem Format „Grand Theft Auto“ verfallen sind. Denn Pablo (Michael Hunter) hat „GTA 4“ und „San Andreas“ mit seinen Sounds unterlegt. 2001 hat Pablo die 12“ EP „Turntable Technology“ auf Red Hook Recordings releast. Drei der vier Tracks auf dieser EP tauchen auf dem gleichnamigen Debütalbum des Beatbastlers aus Schottland wieder auf. Es sind dies die Tracks „The Story Of Sampling“ und „High Jazz“ sowie der Intro- und Titeltrack „Turntable Technology“, auf dem Pablo dem Hörer mit Hilfe von Vocal-Samples eine Bedienungsanleitung für Turntables vorlegt. Der Track „The Story Of Sampling“ klingt im Gegensatz zu den anderen beiden Songs auf der EP nicht mehr gleich wie noch vor acht Jahren. Pablo hat diesem Track einen neuen Beat verpasst. Die Raps hingegen sind (beinahe) dieselben wie noch vor acht Jahren. Nun ist es aber mitnichten so, dass Pablo einen MC in seine Booth bestellt hätte, um Lyrics für seinen Beat zu recorden. Nein, Pablo steht auf Abwechslung und aufwändiges Geschnippsel und Arrangement. So hat er in seinen Plattenkisten gewühlt, um aus verschiedensten Acappella-Versionen von Rap-Track verschiedenster Rap-Cats Lines auszuwählen, die er danach in mühsamer aber liebevoller Kleinstarbeit zu einem grossen Ganzen zusammen gefügt hat. Auch was die Beats betrifft, lässt Pablo sein Schaffen durch keinerlei Barrieren einschränken. So besticht das Album „Turntable Technology“ durch seine Vielschichtigkeit. Bekenntnisse zu Soul, Funk und Synthesizer-Pop finden sich auf dem Longplayer ebenso wie solche zu Rock, Barockmusik und Elektro. Ausser Frage steht, dass Pablo auf Jazz und Soundtracks steht, da seine Soundcollagen stark durch Elemente dieser Genres geprägt sind. Trotz all dieser grundverschiedenen Einflüsse und Inspirationsquellen ist „Turntable Technology“ ein in sich geschlossenes Werk, das in keinem Moment Langweile zulässt und zweifellos zu einem der stärksten Momente musikalischer Ergüsse des sich zu Ende neigenden Jahres zu zählen ist. (ruedi snare)


www.somarecords.com/shop/music/soma_cd80/


Release Date: 10.11.2009






Marc Hype & Jim Dunloop - Stamp Out Reality

Marc Hype mit den funky Breaks an den 1s-And-2s und Jim Dunloop an den Tasten klatschen der Kundschaft auf ihrem Longplayer „Stamp Out Reality“ whole lotta Earth, Wind & Fire- und George & Bootsy-Flavour gepaart mit feinster B-Boy-Additude, Bambaataa-Grooves und Elektro-Funk mitten in die Fresse. Erfrischend sind die 12 Tracks, so erfrischend, dass es Blog-Tippsen aufm Bürostuhl schmerzt. Und dies so sehr, dass das 10-Finger-System da und dort schon mal Schiffbruch erleidet. Discoooooo Mo’Fo!! Bis die Boxen bersten! Yep, viel mehr gibt’s dazu nicht zu sagen. Unterstützung erhalten die Jungs auf „Stamp Out Reality“ von B. Worrell, Malena Perez, Flomega, Mr. Complex, Mr.Lif, Sara De Bourgeois, Lady Daisy und dem einzigartigen, viel kopierten aber nie erreichten Blowfly. Einmal darfste raten wie der Song wohl heisst. Na? „The Pussy Song“ natürlisch Digga. Noch Fragen?! (ruedi snare)


www.mpmsite.com


Release Date: 6.11.2009






Sulaya - De Tüfel Und Ich

Vor 10 Jahren freestylte er alle in Grund und Boden. 2006 lieferte er sein Debütalbum („MBS“) ab. Nun legt Sulaya nach. Sein Zweitling „De Tüfel Und Ich“ ist wie der Vorgänger vorwiegend von Toe produziert. Nein, Suly nimmt noch immer kein Blatt vor den Mund. Sagt, was er sagen will und wie er es sagen will. Zugeständnisse gibt’s keine. Und auch Toe am Beat beleibt Toe am Beat. Reinpfuschen lässt sich die Schaffhausen-Aargau-Phalanx nicht. Ausgerüstet sind sich immer noch mit Mic, Keys und Drumcomputer. Wer braucht schon Laserschwerte. Die Macht ist auch so mit ihnen. So gibt Suly auf dem Album auch sein „Statement“ zu Kompromissen: „[…] und wenn ich je en Arsch muäss küssä, figg ich ufs erfolgriich syy, chan in Schpiägel luägä und chan sägä ich bin schtolz uf dich“. Die Stärke der 13 Tracks ist deren Direktheit. Was mir weniger liegt, sind die Beats. Noch auf „MBS“ war ich mehr auf Toes Welle. Auf dem neuen Album wird zu viel in der jüngeren Vergangenheit gegraben. Los geht’s im Album-Opener „The Show Must Go On“, der most powerful Synthesizer-Breitseite ever done und Freddie in der Hook. Da mir das Original sehr gut gefällt, hab ich auch keine Probleme mit der Version auf „De Tüfel Und Ich“, nicht zuletzt, weil Sulaya den Beat perfekt mit seinen Styles bepackt. Mehr Mühe hab ich mit dem Track „I Dine Ärm“, da mich der Track schon in der Originalversion genervt hat. Dasselbe gilt für den Track „My Life“. Neben diesen drei Tracks, deren Samples wohl manch einem bekannt sind, gibt’s da und dort Auszüge und Anleihen von mal mehr und mal weniger bekannten Songs aus dem In- und Ausland. So heben Suly und Toe mit Büne ab und geben sich da Justin und dort Des’ree. Nichts desto trotz weiss „De Tüfel Und Ich“ durchaus zu gefallen. Da dank unbändiger Wut und Verachtung („Push Gwicht“), dort dank Selbstreflexion („Change“, „Gnueg Git’s Nöd“ und „Schmetterling“). Mein Favorit auf Sulys Zweitling ist aber ohne Zweifel der Track „Fuck Uf Rap“. „Ich steppe in Ruum alli sägäd sali, sali Suly, Suly wo bisch gsi g#**%§+*@££i“. Yep, Sulaya ist back am Set. (ruedi snare)


www.myspace.com/sulayambz


Release Date: 6.11.2009






The Slew - 100 Percent

The Slew?! Eine Psychedlicrock-Truppe aus Seatlle, die in der ersten Hälfte der 70er-Jahre aktiv waren, wobei das Adjektiv „aktiv“ im Falle von The Slew nicht ohne Vorbehalte zu geniessen ist, da die Band um Leader Jack Slew nie ein offizielles Release zustande brachten. Es existiert bis heute lediglich eine Testpressung des Albums „Dust Commander“. Diese 11 Tracks starke Testpressung kommt ohne Songtitel und Cover aus und ist unter Nerds als „Slew 1 Trough 11“ bekannt. The Slew-Addict und Independent-Filmemacher Jay Rowland begann vor 4 Jahren mit dem Dreh einer Doku über The Slew und bekam dafür die Master-Bänder von „Dust Commander“. So fielen die Aufnahmen auch in die Hände von Jays Cousin Dynomite D. Der machte sich zusammen mit Kid Koala daran, die Songs zu remixen. Dafür holten sich Dynomite und Koala die Unterstützung von Chris Ross (Bass) und Myles Heskett (Drums). In diesen Tagen steht nun das Release des Longplayers „100 Percent“ an. „100 Precent“ ist Dynomite Ds und Kid Koalas Version des legendären The Slew-Demos „Dust Commander“. Das Album ist energiegeladen wie selten eine andere Produktion dieser Tage und verbindet Psychedelicrock mit feinstem Turntabelism. Definitv ein Highlight des Jahres 2009.

The Slew 2009 sind Kid Koala, Dynomite D, Chris Ross und Myles Heskett. Auf „100 Percent“ treffen 6 Turntables auf einen Bass und Drums. BOOOM! (ruedi snare)


www.myspace.com/theslew


Release Date: 6.11.2009






BK-One - Rádio Do Canibal

Er spielt Klavier, seit er 13 Jahre alt ist und studierte Jazz an der Rosevelt Middle School und der West Dividion High. Im Rahmen des Studiums hatte er die Gelegenheit von Genre-Grössen wie Barry Harris, Benny Carter, Yusef Lateef (!!) und vielen mehr zu lernen bzw. mit ihnen zu spielen. 1995 begann er mit dem DJing und ein Jahr darauf gründete er zusammen mit einem Freund die Hip Hop Radio Show „The Beatbox“. Dank diesem Engagement knüpfte er Freundschaften mit Szenegrössen wie Del, All Natural, Aceyalone und Brother Ali, mit dem ihn schon bald eine innige Freundschaft verband. Ab 2000 ging er mit Ali als dessen DJ auf Tour.
Die Rede ist von BK-One, der zusammen mit Benzilla eben erst sein Album-Debüt „Rádio Do Canibal“ veröffentlichte. Musik ist BKs erste grosse Liebe. Die zweite grosse Liebe des Musikers aus Minneapolis ist das Globetrotting. So bereiste BK mehrere Male Zentral- und Südamerika und setzte sich intensiv mit der Musik in diesen Erdteilen auseinander. So besteht das Fundament von „Rádio Do Canibal“ aus Bossa Nova, Bahian Folk und Samba, wie auch aus der südamerikanische Variante von Reagge, Soul und Jazz. Ausserdem liess BK-One auch Tropicália, die musikalische Auseinandersetzung mit dem politischen Leben Brasiliens, die auf dem „Anthropophagischen Manifest“ des Dichters Oswald de Andrade basiert, in seine Beats einfliessen. BK-One ist es gelungen, die philosophischen Aspekte wie auch die Vielfalt der südamerikanischen Musik in sein Werk einfliessen zu lassen, was „Rádio Do Canibal“ zu einem, wenn nicht zu DEM Highlight der Releases dieses Jahres macht. Dafür sorgen neben BK und Benzilla auch die MCs, die die politische und gesellschaftsspezifische Komponente der Musik in ihren Texten aufarbeiten, was aber in keinem Fall Abstriche in Sachen Flow und kreativen Wortspielereien zur Folge hat. Auch unterlassen es die MCs ganz im Geiste der Tropicália-Vordenker, die Hörerschaft zu belehren oder mit Kleingeist oder Prinzipienreiterei zu nerven. So ertappt man sich nicht einmal dabei, wie man die Skip-Taste betätigt und sich „Rádio Do Canibal“ statt dessen am Stück gibt und sich in der Musik verliert, um am Ende der gut 50 Minuten Spielzeit die Repeat-Taste zu betätigen. (ruedi snare)


www.myspace.com/balmoral


Release Date: 2.11.2009






Fleur Earth - Es Entstehen Wesen

Sie bedient sich für ihre Lyrics der deutschen Sprache. Das haben andere auch schon getan. Am erfolgreichsten mit deutschem Soul war und ist Xavier Naidoo. Sein Entdecker war Moses Pelham. Dieser hat zusammen mit Cassandra Steen ein Glashaus gebaut. Na ja, über Geschmack lässt dich ja bekanntlich streiten. Nicht aber im Falle von Sepalot und Esther Adam, die vor gut fünf Jahren vierzehn wunderbare Eskapaden vertont haben. Trotzdem sind die Bilder, die Fleur Earth mit ihren deutschen Texten entwirft, nicht das, was man kennt oder erwarten würde. Wenn andere ihre Texte mit einem Stift zu Papier bringen, nimmt Fleur Earth direkt den Pinsel zur Hand. Das Ergebnis ist ein Bilderbogen, dessen Fundament die Beats von Twit One sind. Die beiden haben im September 2008 ihr Debüt „Skurreal“ veröffentlicht. Nur ein halbes Jahr später folgte der zweiten Streich. Aus dem Duo wurde ein Sextett. Aus Fleur Earth ein Experiment. „Soul Des Cabots“ wurde im März dieses Jahres in die Ladenregalen gestellt. Nun, dreizehn Monate nach dem Release von „Skurreal“, erscheint bereits die dritte Platte der Sangesdame aus Köln. Twit One ist immer noch der Mann für die Beats. Das Eigenattribut ist immer noch Strassenkötersoul. „Es Entstehen Wesen“ heisst der neue, 18 Anspielpunkte starke Longplayer. Die Texte setzen das Ich und dessen Empfindungen im Austausch mit dem Rundherum ins Zentrum der Betrachtung. Bittersüss. Gedankenversunken. Oder anders: „I gotta feeling“. Aber bedeutend weniger woo-hoo und - was die Beats anbelangt - Eurodance als die Peas. Denn Twit-Beats sind der Smoothness konsequente Umsetzung. Rohstoff ist Jazz aus den 40ern und den 50ern und Soul aus den 60ern und den 70ern. Unterstützung erhalten Fleur Earth und Twit One auf „Es Entstehen Wesen“ von C:Mone, Daan, Hulk Hodn, Retrogott und Frank Nitt. „Es Entstehen Wesen“ ist am 23. Oktober auf Melting Pot Music erschienen. (ruedi snare)


www.mpmsite.com


Release Date: 23.10.2009






DJ Mitsu The Beats - A Word To The Wise

Dass auch in Japan Crates gediggt, gechopt und geloopt wird, weiss die Welt spätestens seit DJ Krush. Er ist sowas wie der Übervater der Beatbastler-Gilde aus dem Land der aufgehenden Sonne. Diejenige, die schon ein wenig tiefer in der japanischen Release-Kiste gewühlt haben, wissen, dass Krush bei weitem nicht der einzige seiner Art ist. Neben Pionieren wie Krush und Muro haben in den letzten Jahren immer mehr Nerds aus Japan den Sprung in Plattenregale der Staaten und Europa geschafft. Ja man könnte gar sagen, dass das Kürzel JP zu einem Gütesiegel geworden ist. Einer jener ist DJ Mitsu The Beats. Mitsu gab sein Debüt mit seiner Crew Gagle (zusammen mit Hunger und Mu-R) vor acht Jahren. Es folgten eine Unmenge an Solo-, Crew- und Kollabo-Realeses. Im Mai 2009 veröffentlichte Mitsu das Album „A Word To The Wise“ auf PlanetGroove/Jazzy Sport. Der Longplayer ist 18 Tracks stark. Gäste am Mic sind unter anderen Kev Brown & Cy Yound, Maspyke, Wildchild & Georgia Anne Muldrow und Elzhi. Auf „A Word To The Wise“ tritt Mitsu einmal mehr den Beweis an, dass er zu einem der talentiertesten Beatbastler der Gegenwart gehört. In unseren Breitengraden ist das Album bisher nichts weiter als eine Randnotiz geblieben, was auch daran liegt, dass die LP nicht auf Vinyl erschienen ist, obschon gerade die Vinyljunkies die Zielgruppe von Mitsus Beats sind. Nun hat Jazzy Sport zwei Vinyl 12“ EPs, auf denen je drei Tracks (inklusive deren Instrumentals) des Albums zu finden sind, und zwei 7“ Singles („Promise In Love“ feat. Jose James und „Playing Again“ feat. Ivana Santilli) veröffentlicht. Wer sich den Lonplayer „A Word To The Wise“ nicht schon via iTunes oder ähnlichen Plattformen auf den Rechner gesogen hat, der halte Ausschau nach diesen Vinyl-Releases. (ruedi snare)


www.myspace.com/mitsuthebeats


Release Date: 11.10.2009






DJ Cam Quartet - Diggin’

DJ Cam ist eine Ikone an den 1210ern und dem MPC. Der Mann aus Paris hat 1994 sein erstes eigenes Label Street Jazz Records gegründet und releaste auf eben diesem 1995 sein Debüt „Underground Vibes. Im Verlauf seiner Karriere veröffentlichte er fünf Soloalben, arbeitete mit Szene-Grössen wie DJ Premier zusammen und bereiste als Botschafter seiner Musik die ganze Welt. Sein letztes Solo-Release wurde 2002 veröffentlicht. Seit gut einem Jahr macht Cam zusammen mit drei weiterern Musikern als DJ Cam Quartet wieder vermehrt auf sich aufmerksam. 2008 erschien die erste LP „Rebirth Of Cool“ der Viererbande um Cam. Nur ein halbes Jahr darauf wurde der zweite Streich „Stay“ veröffentlich, um im September 2009 - also wieder nur ein halbes Jahr darauf - das dritte Album des DJ Cam Quartets „Diggin’“ in die Ladenregale zu stellen. „Diggin’“ ist wie schon die beiden Vorgänger eine wunderbare Mélange von Jazz und Hip Hop Beats. Inspirieren lässt sich Cam dabei von Legenden wie Bobby Hutcherson oder Freddie Hubbard. So hat das DJ Cam Quartet auch Donald Byrds Klassiker „Think Twice“ reinterpretiert, was manch einer mit dem einzigartigen J Dilla assoziieren wird. (ruedi snare)


www.myspace.com/djcamrecall


Release Date: 9.10.2009






Jazz Liberatorz - Fruit Of The Past

Es war bei Pipo und Spruzzi im Ladenlokal, wo ich mich durch die Crates gedigt habe und auf das 12“-Debüt „What’s Real“ (feat. Aloe Blacc) der Jazz Liberatorz gestossen bin. Ich hatte zuvor noch nie was von den Jungs aus Frankreich gehört, war aber sofort begeistert vom wunderbar smoothen Sound des Trios. „What’s Real“ erschien 2003 auf dem Pariser Label Kif Records. DJ Dusty, Damage und Madhi fanden schon 1999 zusammen. Vor einem Jahr erschien nach zahlreichen 12“es das erste Album der Jazz Liberatorz. Alle Songs auf „Clin D’Oeil“ sind ab 2007 schon auf einer 12“ veröffentlicht worden. Nun ist der zweite Longplayer der drei Musiker aus Paris erschienen. Das Teil heisst „Fruit Of The Past“ und featured dem Albumtitel entsprechend unveröffentlichtes Material, Remixe (von Dela, 20syl und den Drum Brothers) und Songs, die vor dem Albumdebüt als 12“ releast worden sind. „Fruit Of The Past“ ist 26 Tracks stark und ist, wie alle 12“es und das Albumdebüt, auf Kif Records erschienen. Gäste am Mic sind Aloe Blacc, Declaime, T-Love, M’Selem, Fatlip, Wildchild und Mos Def. Das Album vermag wie alles, was die Jazz Liberatorz bis anhin veröffentlicht haben, auf der ganzen Linie zu überzeugen. So ist „Fruit Of The Past“ definitiv ein Anwärter auf Titel wie „Album des Jahres“ oder Attribute wie „Essential“. (ruedi snare)


www.myspace.com/jazzlib


Release Date: 7.10.2009






Manillio - Jede Tag Superstar

„I nimme mi Traum und trau de chlii Schritt über d’Kante, hoff dass i lande, dass Flüglä mir wachse [...] us dä gliiche Schtadt zwar aber nid dä zwoit Bensch, nid dä neu Tommy und nid dä neu Dez, luäg i bi’s straight und i bli-bliib frei, ghei mi zmitz dri i gib mir kei break [...] bi füu ungerwägs aber weiss nid immer wohii, ha musikalisch kei plän nur ä waagi vorschtellig dävo was i wott sy“ (Intro-Track „Showtime“).
In der Szene hierzulande gibt’s nur wenige Hypes. Griot hatte einen. Tommy und Dez auch. Und jetzt Manillio. Viel wurde geredet, gelobt und gehatet („All diä dumme Haters chömä mir knapp bis zu dä Laces“ in „Über“). Jetzt ist es soweit. Nach den „Jurassic Parts“, „Radio Sessions“ mit Tommy und Gast-Rap hier und Feature da veröffentlicht der Solothurner MC am 02. Oktober sein Album-Debüt „Jede Tag Superstar“. „You know what keeps me rollin’ is my music“ heisst es in der Hook vom Track „Rollin“. Dies scheint Manillio tatsächlich verinnertlicht zu haben. Die Beats von Sir Jai, Ryo, Onur, Strike, Sad, J-Fase (MXX) und F (Unionbeats) sind sorgfältig ausgewählt und geben dem MC genau das, was er für seinen Rap braucht. Synthes, mal shpärisch, mal knochentrocken, Bass, Gitarre und Sax. Blues und Funk, Disco und Club. Neue Sounds, manchmal gepaart mit Old School-Flavour. „Fresh“ eben. Sowas nennt man dann wohl symbiotisch. Hört man Neezy zu, sieht man ihn da förmlich schmunzeln („Wiiterhin kei Zyyt leg es Featuring uf Iis wiä dä Whiskey solang wiäni wider schriib [...] nei i mim Glas isch kei Isostar, i mach was mir so passt wiäne Diplomat“ – „Aus“) und dort wie sein Blick in die Ferne schweift („D’Schwiiz di isch scho okay doch au do chasch verblöde dasch nid so s’Problem, d’Lüüt do hei vüu nüt vor mached am Weekend uf Psycho wiä uf Psylos, Mann gliich wo hii wotsch du muäsch losgoh, s’gheit dir nüt i Schooss wenn nur do schtohsch, luäg s’isch nöd so doch falls i mol Kids het wird i ‚nä viiles miteh“ – „Stärne“). In „Jede Tag Superstar“ steckt Herzblut. Dies macht das Album zu dem, was es ist. „Mann i ha diä Chance und i packe se aa, lueg i ha min Schpass und i mache ds klar, und i bliibe solangs cool für mi isch, d’Jungs derbi sy, d’Lunge fit sy und’s ä Grund für mi git, ha diä diä Chance und i mache ds klar“ („Mache das klar“).
Ich bin weder Fan von Punktvergaben wie beim Kunstturnen noch von Sternchen-Systemen wie in der Sonntags Zeitung, aber eins ist klar: „Jede Tag Superstar“ to the fullest, ob nun im Auto, im Büro oder in der unguten Stube. Manillio bringt ein Rap-Album, wie es die Schweiz definitiv noch nie gehört hat. (ruedi snare)


www.manillio.com


Release Date: 2.10.2009






Dynas - The Apartment

Ende der 90er-Jahre tauchte der Name Dynas erstmals auf Releases von Beyond Real Recordings auf. Ab 2001 folgten einige 12inches bevor der MC aus dem Süden Floridas (geboren in NYC) 2007 sein erstes Album auf Rawkus Records veröffentlichte. Nun legt Dynas auf BBE nach und veröffentlicht im Herbst seinen zweiten Longplayer „The Apartment“. Das inklusive Intro und Outro 18 Tracks starke Album wartet mit Produktionen von M Phazes, Illastrate, Jazzy Jeff, S1, Illmind, J Dilla, DJ Spinna, Tony Galvin, Exile und Khrysis und Gastbeiträgen am Mic von Slick Rick, Wrekonize, LMS, Rich Medina, Tiye Phoenix und Tone Trezure auf. „The Apartment“ klingt was den Sound betrifft sehr laid back und soulig. Die Lyrics schlagen in dieselbe Kerbe. Storytelling über das Leben generell und über Beziehungen im Speziellen dominieren die Themata auf der LP. „The Apartment“ ist zweifelsohne ein durchaus gelungenes Album, plätschert aber stellenweise ein wenig allzu siecht vor sich hin. So fehlen Raps wie auch Beats ein wenig der Biss. Dafür ist das Zweitlingswerk von Dynas mit ein paar Perlen gespickt. So vermag zum Beispiel „Family Jewelz“ (produziert von DJ Spinna), der mit Abstand schnellste Track auf dem Album, doch einiges an Farbe ins Spiel zu bringen, dies nicht zuletzt auch dank Slick Rick, der auf diesem Track seinen Part am Mic beisteuert. Auch „Higher Definition“ (produziert von M Phazes), „The Future“ (mit Jazzy Jeff an Beat und Decks), das an Smoothness schwer zu überbietende „The Apartment“ (produziert von J Dilla) und „The Apartment 2“ (mit Exile am Beat) sind Lichtblicke auf dem Album. (ruedi snare)


www.myspace.com/dynas


Release Date: 25.9.2009






Japrazz - Detour

Zweieinhalb Jahre sind seit dem Release der Debüt-EP „Introducing“ vergangen. Vor eineinhalb Jahren stellten T.moe – der Mann an den Keys und Reglern – und Phyl – der Mann für die Raps – als The APT den grossartigen Longplayer „Main Course“ in die Ladenregal. Nun sind Japrazz in Vollbesetzung zurück. Am 18. September wird das erste Album der 7-köpfigen Combo mit Homebase in Zug veröffentlich. Das Album heisst „Detour“, ist inklusive Intro und Outro 17 Anspielpunkte stark und featured Laura Vane, Knackeboul, Chocolococolo, Rennie (Sektion Kuchikäschtli), Akil The MC (Jurassic 5) und Shurki’n (I AM). Wer die Debüt-EP und das ATP-Release kennt und die Jungs schon live on stage erlebt hat, mag ahnen, was Japrazz in der Hinterhand haben. Talent, Style, Herzblut und a whole lotta energy. Und diese Ressourcen wurden für „Detour“ gebündelt. Wer die CD in die Anlage schiebt und auf Play drückt, wird Zeuge dieser Energien.
„Detour“ vermag auf der ganzen Linie zu beeindrucken. Phyl überzeugt am Mic dank ausgeklügelter Wortspielereien, seinen ureigenen Flows und Texten mit Gehalt anstelle ausgelutschter Allgemeinplätze. Was die Beats anbelangt, so gilt es festzuhalten, dass die Arrangements wohl durchdacht sind, ohne dabei steif zu wirken. Die Beats bestechen dank Liebe zum Detail und sind abwechslungsreich und eigen. Nein, als Hip Hop Act mit Live-Instrumentierung muss man nicht wie The Roots klingen, um gut zu sein. Japrazz haben ihren ureigenen Groove. Songwriter T.moe, Drummer Alex und Bassist Raffaele legen die Basics, Nicolas an der Gitarre, Aurel an der Trompete, Beat an den Ones-And-Twos und Phyl am Mic vervollständigen die Collage. Für zusätzliche Farbtupfer sorgen Gregor am Saxophon und der Klarinette, Mira an der Violine, Deborah an der Viola und Samuel am Cello. „Detour“ ist da bittersüss und dort straight forward. „Detour“ ist clever und smart. „Detour“ ist Jazz und Klassik, hat Funk und Soul. „Detour“ ist smooth und rockt. „Detour“ ist Hip Hop. „It’s about attitudes and mannerisms, culture and art yes some call it vandalism” („Hip Hop Tourist“). (ruedi snare)


www.mbassador.ch


Release Date: 18.9.2009






Shafiq Husayn - Shafiq’ En A-Free-Ka

Shafiq Husayn ist ein Drittel der Soundtüfftler-Combo Sa-Ra Creative Partner und releast im Herbst sein Solo-Debüt „Shafiq’ En A-Free-Ka“ auf Plug Research / Rapster Records. Dabei sagt der Albumtitel allein schon mehr über die Konflikte der Schwarzen Bevölkerung in den Staaten aus, als die marketingtechnischen Images und Lippenbekenntnisse der grossen Namen der Rap-Szene.
So stammt der Begriff A-Free-Ka aus Alt-Ägypten (ca. 3000 v. Chr. bis 30 v. Chr.) und meint grenzenloser Spirit bzw. Geist. Oder wie der legendäre avantgardistische Jazzmusiker, Soundtüftler und Philosoph Sun Ra formulierte: The only limit is your imagination. Auch der Neopaganismus (Neuheidentum) greift den Begriff A-Free-Ka auf. Das Revival dieser vorchristlichen Spiritualität hat ihren Ursprung in der Afroamerikanischen Community der 70er-Jahre und deren Auseinandersetzung mit ihren Ursprüngen und der Unterdrückung der afrikanischen Bevölkerung im 19. Jahrhundert. Noch heute wird die Bevölkerung Afrikas vom Westen an der „kurzen Leine gehalten“ und, was Rechte und Lebensbedingungen anbelangt, unterdrückt. In dieses Konstrukt spielt auch der Afrozentrismus hinein, der von gewissen Kreisen der westlichen Welt als rassistisch gebrandmarkt wird. Setzt man sich mit dem etymologischen Aspekt des Albumstitels auseinander, so wird von Experten zumindest in Anbetracht gezogen, dass der Begriff A-Free-Ka bei der Namensgebung des Kontinents Afrika durch die römischen Eroberer Karthagos eine wesentlich Rolle gespielt haben könnte oder gar ausschlaggebend dafür war.
Diese geistige Konstrukt um den Albumtitel hat Shafiq Husayn auf „Shafiq’ En A-Free-Ka“ vertont bzw. in seine Klangwelten transferiert. Wer sich das Album anhört, dem wird auffallen, dass Husayn Elemente der traditionellen äthiopischen Musik, der Trommeln Westafrikas, des Jazz von Sun Ra, des Souls von Isaac Hayes, des Funks von George Clinton und der Old School Sounds von Afrika Bambaataa und Egyptian Lover in sein Werk hat einfliessen lassen. Auch Jimi Hendrix’ „Electric Ladyland“ und „Abbey Road“ der Beatles sollen Husayn entscheidende Impulse gegen haben, was sich auch bestätigt, wenn man sich den Song „Major Heavy“ zu Gemüte führt und zu den Lennon/McCartney-typsichen Akkordfolgen und Harmoniegesängen abtaucht. Das Hauptaugenmerk des Vergleichs mit diesen zwei Meilensteinen der Musikgeschichte liegt aber auf den Werken als solchen, der Liebe zum Ganzen sowie zu den Details. Den traditionellen äthiopischen Aspekt bringt Husayn mittels Azmari in seine Sounds ein. So sind Azmari durch die Lande ziehende Sänger-Poeten. Auf dem Longplayer wird der Rap denn auch im Sinne dieser Azmari- oder auch der Spoken Word-Tradition ausgelebt.
„Shafiq’ En A-Free-Ka“ ist eine Raum- und Zeitreise, die das Sein aus verschiedenen Perspektiven ausleuchtet und Grenzen in sich zusammen fallen lässt. Musik und Lyrics projizieren Bilder im Geiste und die Detailverliebtheit der Produktionen lässt auch beim Mehrfachhören keine Langeweile aufkommen. „Shafiq’ En A-Free-Ka“ ist ein Manifest auf Freiheit und Roots, eine Vereinigung von scheinbaren Gegensätzen. Klassifizieren oder Kategorisieren fällt schwer. Wem Sounds von Nobody, Luke Vibert oder Ras G gefallen, dürfte ohne Berührungsängste an Husayns Album herantreten.
Rapster Records kündigt „Shafiq’ En A-Free-Ka“ für die erste Septemberhälfte an. Andere Quellen sprechen von Oktober. (ruedi snare)


www.enafreeka.com


Release Date: 14.9.2009






Miles Bonny & DJ Day - Instant Saadiq

Seit dem 11. September steht „Instant Saadiq“ in den realen und virtuellen Ladengestellen in Deiner und meiner Nachbarschaft. Mit der EP huldigen Miles Bonny und DJ Day Raphael Saadiq, indem Bonny und Day 3 Tracks von Saadiqs LP „Instant Vintage“ (2002) neu in Szene setzten. So finden sich auf „Instant Saadiq“ die Tracks „Still Miles“, eine Coverversion des Songs „Still Ray“, einer Eigeninterpretation des Songs „What’s Life Like“ und einer instrumentalen Version von „Sky, Can You Feel Me“.
DJ Day äusserte sich auf seinem Blog zum Projekt wie folgt: „This is all Cosmo Baker’s fault. I mean, I’ve always loved Saadiq going back to the TTT days, but hearing Cosmo’s mix of his work really put it all in perspective. Raphael Saadiq is a genius. Period. Just listen and you’ll see. From Tony! Toni! Tone! & Stevie Wonder to Q-Tip & DJ Quik, he is just that dude.So, without jumping further on his nuts...fast forward a couple days later and I’m driving around town bumping this CD. Still Ray came on and stayed on and that’s when I knew I had to re-do it (now I know how Dre must’ve felt).I came home and listened to it, figured out the piano part and played everything else from there. Once I was finished I called my man Miles Bonny to lay down vocals and trumpet like only he can and here it is, free for you.“ Die Miles Bonny-DJ Day-Collabo „Instant Saadiq“ erscheint am 11. September auf Melting Pot Music.(ruedi snare)


www.mpmsite.com


Release Date: 11.9.2009






Declaime - Muzikillmind

„Back to the roots!“, scheint sich Dudley, ähm, Declaime mein ich natürlich, gesagt zu haben. Zehn Jahre nach seinem Album-Debüt „llmind Muzik“und sieben Jahre nach seiner Transformation in Über-Funker Dudley Perkins kehrt besagter multicharakterstarker Musiker aus Oxnard zurück zum Ursprung und releast den Longplayer „Mzikillmind“ Declaime stellt die Uhr also wieder auf Null, einfach unter spiegelverkehrten Vorzeichen sozusagen. Der Mann an Decks und Tasten auf „Mzikillmind“ ist Metro. Die Beats passen zu Declaimes Stimme und Flow wie die Faust aufs Auge. Metro muss tief in verstaubten Plattenkisten gewühlt haben. Da und dort werde ich den Eindruck nicht los, dass ihm Madlib beim Diggen über die Schulter gekuckt hat oder zumindest im Geiste bei ihm war. Nun gut, so wird es wohl kaum gewesen sein. „Muzikillmind“ erscheint schliesslich nicht auf dem Erdnussbutterwolf seinem Label Stones Throw Records, sondern auf dem polnischen Label Asfalt Records. Klingt komisch, is’ aber so. Der Qualität des Dargebotenen ist dies zu keinem Zeitpunkt abträglich. So ist „Muzikillmind“ ein rundum gelungenes Album, das gleichgeschalteten sogenannten „Heads“ ein wenig Farbe beschehren könnte, würden sie sich darauf einlassen. Dies obschon das Coverartwork nicht eben farbig ist. (ruedi snare)


www.asfalt.pl/index2.php


Release Date: 11.9.2009






Afrob - Der Letzte Seiner Art

Er ist einer jener aus dem Schoss der Kolchose. 1999 releaste er sein überaus erfolgreiches Debüt und stürmte mit Ferris und dem Track „Reimemonster“ Charts und Clubs. Aber schon auf seinem ersten Longplayer nahm Afrob kein Blatt vor dem Mund und verarbeitete in seinen Texten auch Eindrücke von den Schattenseiten des Lebens. Ein eindrückliches Beispiel dafür ist der Track „Hörst Du Diesen Schrei?“. Sein zweites Album „Made In Germany“ (2001) war dann mehr Sozialkritik denn Clubsound. So verarbeitete Afroasiat Afrob in seinen Texten vor allem Erfahrungen und Eindrücke von subtilem und offenem Rassismus gegenüber dunkelhäutigen Menschen im eigenen Umfeld und in der Politik. Dabei nahm er kein Blatt vor den Mund und zeichnete klare Bilder, was ihm Attribute wie „eindimensional“ oder „Afrozentrist“ beschehrte. Wer sagt, was er denkt, macht sich eben nicht nur Freunde. 2003 releaste Afrob zusammen mit Samy Delux als ASD das Album „Wer Hätte Das Gedacht“ und 2005 sein vorerst letztes Soloalbum „Hammer“. Danach wurde es still um denn MC aus Stuttgart.
Vier Jahre später ist Afrob nun zurück. Am 04. September 2009 wird sein neues Album „Der Letzte Seiner Art“ in den Ladenregalen stehen. Ich muss gestehen, dass ich schon ein wenig skeptisch war. Bis ich dann den Vorabtrack und den für die Presse gehört habe. Die Beats pumpen und Afrob strotz vor Energie. Er ist immer noch der Mann der klaren Worte, der Mann für den einfachen aber effektiven Reim. Afrob verliert sich nicht wie andere seiner Zunft in Mehrfachreimen. Zu viele Rapper reden viel und sagen nichts („Rapper gibt es nicht mehr nur noch Gangster die die Kohle juckt“ in „Mein Kampf“). Die Punchline ist mehr Wert als der doppelte Doppelreim. Afrob ist MC, nicht Techniker. Bezeichnenderweise heisst der Album-Opener denn auch „Wo Sind Die Rapper Hin“. Dabei flowt Afrob auf einer einfachen aber wuchtigen Synthesizer-Melodie, trockenem Clap und zappligem Hat. Synthesizer-Breitseiten sind zusammen mit Afrobs Wortgewalt die tragenden Elemente des Albums. „Ohne Frage ich stell Rap auf den Kopf, ich leg Rap in den Topf auf den Herd bis es kocht“, stellt Robe auf „Was Wollt Ihr“ fest, um dann verschrobene Weltbilder und verzerrte Medienberichterstattung in den Fokus zu rücken („Mal kuckn was der Afrob sagt, ich bin wie Obama wenn ich was sag wird nie nachgehakt“). Danach geht’s mit Dean und Brixx für ’ne „Schnelle Nummer“ ab in den Club, um dann mit ’nem Kayne-liken Autotune-Refrain die einzige Baisse des neuen Albums auszustehen. „Ihr seid nicht auf meiner Skala nicht auf meiner Gala, ja ich mach gerne Show aber bloss kein Theater“ stellt Afrob auf „So lange her“ klar und nimmt den Faden wieder auf. Und der Beat weckt Erinnerungen an Super Mario. Dann liefert er allein mit dem Tracktitel wieder Zündstoff für wirre Diskussionen. Auf „Mein Kampf“ rappt Afrob über das Nicht-Verstanden- bzw. Missinterpretiert-Werden: „Ich kommentiere nicht mehr jeden Dreck der übern Ähter kommt, ihr hattet doch Komplexe als ich sagte dass ein Neger kommt, und jetzt das eine noch, doch das tut nicht zu der Sache, (feiert alle mit!) das ist meine schlechteste Platte“. Der Track „Sie, Ich & Sie“ thematisiert ein Beziehungsdrama, bevor Afrob zusammen mit Samy auf einem kolossal-hymnischen Synthe-Beat das „ASD Comeback“ zelebriert. Im Track „Allein“ arbeitet der Familienvater Afrob den Albtraum des Alleinseins auf („Ich kauf das Brot nur für mich, es sitzt sonst niemand zu Tisch, man ist in grosser Not nur für sich, ich hab keinen der mich begleitet, nicht mal einen der sich mit mir streitet, ich war noch nie so verzweifelt“) und in „Gief Konjunkturpaket VI“ legt er seine Sicht der Dinge die Misswirtschaft des Bankenwesens und der grossen Player am Markt betreffend offen („Die Wirtschaft braucht Umsatz, du bist da um zu dienen, die Banken kriegen Kohle euch schickt man in den Ruin [...] ein normaler Bürger ist halt nicht systemrelevant“). Mit „Spektakulär 2009“ - dem letzten Track auf „Der Letzte Seiner Art“ - rundet Afrob sein neues Album auf einem Beat mit Samples im wahrsten Sinne des Wortes ab und baut musikalisch wie auch inhaltlich die Brücke zu seinem Debüt („Hier sitz ich wieder mit nem Block und Papier, vier Jahre ohne Platte bin so hochmotiviert [...] die Leute wollten dass ich bleib wie ich bin, doch ich bleibe niemals der der ich war es macht kein Sinn, ich mach mein Ding, ich bin 31 Jahre alt und hab ein Kind, alles ändert sich, die Leute die man trifft, Mann alles ändert sich“).
Unterstützung bekommt Afrob auf „Der Letzte Seiner Art“ aus seinem Umfeld, von Freunden und langjährigen Weggefährten, nicht von des Namens wegen eingekauften Szenegrössen. Die Features auf dem Album sind Dean Dawson, Brixx, Lisi, Cassandra Steen, Camouflow, Sarah Habesha, Jayson Biggz und Samy Deluxe. Die Beats wurden Afrob von DJ Rocky, Bazee, Bock Aufn Beat und Rafik auf den Leib geschneidert. „Der Letzte Seiner Art“ erscheint auf Afrobs Label G-Lette Music. (ruedi snare)


www.afrob.de


Release Date: 4.9.2009






Suff Daddy - Hi-Hat Club (Vol. 2): Suff Draft

Ende Mai eröffneten Testiculo Y Uno aka Hulk Hodn und Twit One den Reigen. Nun geht der Hi-Hat Club in die nächste Runde. Der Mann für die Beats ist in diesem Falle der Herr Suff Daddy. Deezy ist in Düsseldorf mit Kraftwerk und der Plattensammlung seines älteren Bruders aufgewachsen, bevor er nach Berlin übersiedelte. Er ist ein Addict. Alkaholics, Jaylib, Lord Quas, Pilsetten, Tanqueray, Lottahydro, MPC und Mini-Korg sind stets im Hinterkopf und Griffweite. 2007 war er mit seiner ersten 7“ am Start, 2008 folgte die wunderbare Debüt-EP „EFIL4FFUS“. Erst vor ein paar Wochen beglückte er die Welt (und vor allem mich alten Dilla-Junkie) mit seinem Look Of Love-Remix (hell yeah!).
Im Pressetext zu seinem Hi-Hat Club-Release werden die Deezy-Beats als „besoffener Boom-Bap Wahnsinn mit 09er Attitüde“ beschrieben. Dies trifft die Sache doch recht gut auf den Punkt. Suff Daddy lässt für meine Ohrmuscheln keinen Zweifel offen, wo sich Suff City befände, müsste man einen Stift hervor nehmen und ein Kreuz auf ’ne Karte schmieren (Grüsse nach Oxnard und Motor City beziehungsweise eine Etage höher). Gleich mit dem ersten Track macht er klar, wer hier up in this ist beziehungsweise wessen Schwanz hier gelutscht werden muss. Kein Zweifel, der Deezy diggt und chopt und flipt Samples wie kein zweiter. Und dann nimmt er seinen Mini-Korg und spielt Bassläufe - mal böse mal smooth - und Melodien - mal spährisch mal 80ties-like (shout out an Eurythmics) - ein. Er sippt Liquor mit Biggie, bastelt einen für den Herrn Rawls und erweist den Isley Brüdern die Ehre. All dies macht den „Hi-Hat Club (Vol. 2): Suff Draft“ nicht nur zu einer fabelhaften Pladde, sondern zu einem Erlebnis. Meine Favoriten sind das bittersüsse „Now That You’re Mine“, das fast schon frech minimalistische „Vices“, die Reminiszenz an die 80er „D.I.Luv“, das wunderbar jazzige „One For Rawls“ und der im wahrsten Sinne des Wortes krönende Abschluss „Lottahydro“. Yes, he is in this Muthafucka, Bitch!
Ach übrigens, bevor ich’s vergesse, auch der zweite Teil des Hi-Hat Clubs erscheint auf Melting Pot Music, den Garant für den richtig guten Stoff, yep. Teil 3 ist angeblich auch schon in the making. Und für das wiederum sehr geile Artwork ist wie bei Hodn und Twit der Herr Winter verantwortlich. (ruedi snare)


www.mpmsite.com/index.php?area=records&view=detail&id=676


Release Date: 4.9.2009






AEED - Synesthesia

Lecker Schoggi, Käse, Matterhorn, Edelweiss, Kuhglocken, Schwinget und Dimlite sind die Schweizer Exportschlager. Nun wird die Pallette erweitert. Der Tessiner Soundtüfftler Aid Copelj aka AEED hat vergangenen Freitag den 07. August 2009 seine Debüt-EP Synesthesia zum kostenlosen Download freigegeben. Das gute Stück ist 9 Beats stark und lässt Köpfe unentwegt nicken, ob nun gewollt oder nicht. Sollte man AEED in ein Koordinatensystem einbetten wollen, so führe man sich die Tracks More Time und Interstellar Travel zu Gemüte und konstatiere, dass AEED Dr. Dre und Flying Lotus in sich zu vereinen scheint, ohne den Eindruck zu hinterlassen, er sei bloss eine Blaupause, denn AEED gibt es nur im Original. Synesthesia stampft, stottert, rüttelt und schwebt durch den Raum und lässt keinen Nacken kalt. Der EP ein Etikett anzukleben, wäre Schwachsinn. Dem einem seinen IDM, dem andern seinen Elektro und diesem seinen Pop. Jedem das seine. Wenn man nach Track 9 auf die Play-Taste drückt, um sich Synesthesia noch einmal zu geben, ist die EP vor allem eines: richtig gute Musik nämlich. Downloaden kann man AEEDs Synesthesia auf error-broadcast.com. (ruedi snare)


error-broadcast.com/index.php/releases/show/release/ebc002


Release Date: 7.8.2009






Sareem Poems - Black & Read All Over

Mello Music Group ist ein junges aufstrebendes Label aus den Staaten, das wie damals Rawkus und Stones Throw Qualitätsgarant ist. So releasen Artists wie Oddisee, Georgia Anne Muldrow, Dudley Perkins, Trek Life und Kenn Starr auf MMG. Das neuste Release aus dem Hause Mello ist das Album „Black & Read All Over“ von Sareem Poems. Der MC aus Long Beach California hat als Mitglied der LA Symphony Crew seine Sporen am Mic abverdient (damals noch als Sherlock Poems) und legt nun auf Mello Music nach. Die Beats mit den Grundzutaten Gospel, Blues, Funk und Soul gehen auf die Konti von Oddisee und Theory Hazit, zwei der wohl talentiertesten Heads an MPC, Synthesizern und Drum-Machine. Verschnaufpausen werden auf dem 17 Tracks starken „Black & Read All Over“ keine gewährt. So gehen die Beats stets straight forward in die Nackenmuskulatur und Sareem setzt in seinen Poems auf Delivery und die Liebe zur Sache („Giving hard delivery, always on the raps ticking out and the beat is killing me“, Tell It). So macht sich Poems seine Gedanken über sich und sein Umfed. Die Realität, deren Wahrnehmung und Konstitution sind feste Konstanten in seinen Lyrics („Stop sleeping on reality and staying awake“, See What Happens). Am Mic erhält Sareem Poems von Theory Hazit, LMNO, Scarub, Georgia Anne Muldrow, Pigeon John, Akil, Stro, Othello, Ragen Fykes, Ohmega Watts und Propaganda Unterstützung. (ruedi snare)


www.myspace.com/iampoems


Release Date: 17.7.2009






Kush & Jake - Kush & Jake

Sie verbringen wohl viel Zeit zusammen im Studio, denn schliesslich soll im Oktober dieses Jahres ein Album über PW Records releaset werden. Das Album wird gemäss letzten Infos K-RISMA heissen. Die Rede ist von Kush am Mic und Jake an den Beats. Wer sich für die Szene interessiert, wird beide Namen schon gehört haben. Zu Jake gibt es nicht allzu viel zu sagen: Er gehört zu den Mannen der ersten Stunde und hat wohl schon so was wie einen Legendenstatus inne. Kush ist wohl einer der talentiertesten MCs, die die einheimische Szene zu bieten hat. Seit Anfang Juli steht nun so was wie eine Resteverwertung der beiden zum freien Download bereit. Resteverwertung mag wohl ein wenig despektierlich klingen. Wer sich die 17 Tracks zu Gemüte geführt hat, wird aber bemerken, auf welch bestechend hohem Niveau diese Resteverwertung spielt. So gesehen, können Jake und Kush dank perfekter Harmonie von Beat und Rap als ein Dreamteam bezeichnet werden. Der Mann am Mic scheint die Beats geradezu inhalieren. Und deshalb hat dieses so viel Album Soul wie nur wenige andere. So geht es nicht anders, als dass man Kush zuhört, zum Beispiel wenn er sich über das Paradoxon Schweiz seine Gedanken macht (Schwiiz was isch los, Helvetia was isch los, ich spit paar Flows und schtellse grad bloss, zum Biischpiil sind Zigarettä ab 18 jetzt, bringt wirklich viel wenns um fascht jeedä Eggä Automate hätt, und sie tönd uns no immer Weed verbiäte, paradox nur sie lönd Fixerschtube wo mä Heroin ka kriäge, ich kas nöd syyloh, spit dä Fruscht in mi Mikro, ka nöd syy dass es eifacher isch als an Kokain als an Weed zchom, isch es ich weiss es denn kännmi us i dem Business, und frog eu was ihr dänkäd was kaufäd sich Kids jetzt?, also Schwiiz ich verschtand euri Politik nid, dr Grund worums vo mir wieder massewiis Kritik git) oder die Sinnfrage unseren Lebensstil betreffend stellt (Macht das alles ä Sinn?, ich gsehn d Lüüt wiä sie lääbäd und d Angscht isch in dä Auge drinn, macht das alles ä Sinn was mir mache?, ich seh 90% lääbe hüt in dr Masse, kann das alles so syy?, ich seh kei Energie d Lüüt schaffe und kaufe denn ii, sie kaufe nur damit sie kauft händ, kas chum glaube bitte Lüüt öffne euri Auge). Die Bezeichnung Resteverwertung ist auch nur deshalb ins Feld geführt worden, weil die 17 Tracks nicht auf dem offiziellen Release erscheinen werden und nach eigenen Angaben spontan entstanden seien. Andere bezeichnen solche Tracks als Outtakes. Ob man diesen Tracks nun Resteverwertung oder Appetithäppchen sagt, ist eigentlich egal. Fakt ist, sie machen Lust auf mehr und schrauben die Erwartungen, was das Solodebüt von Kush anbelangt, in die Höhe. Das Warten auf Oktober hat hiermit offiziell begonnen, auf dass die Zeit schnell zerrinne. (ruedi snare)


www.pw-records.com/kushundjake/


Release Date: 9.7.2009






Mos Def - The Ecstatic

1997 gab Dante Terrell Smith mit dem Song The Universal Magnetic sein 12inch-Debüt. Als Gast am Mic auf dem Lyricists Lounge-Release Body Rock (zusammen mit Q-Tip und Tash) und dem Bush Babees-Track Love Song erlangte Mr. Smith aka Mos Def erstmals haufenweise Aufmerksamkeit. 1999 schliesslich wurde er dank zwei LPs bereits in den Rap-Olymp gehievt. Die Rede ist von den Rawkus-Classics Black On Both Sides und Black Star (zusammen mit Talib Kweli). 2004 legt Mos Def nach. Dass er durchaus offen für Experimente ist, wusste die geneigte Zuhörerschaft ja schon seit seinem Take Off. Was der MC aus Brooklyn aber mit The New Danger in die Regale stellte, sprengte den Horizont eines durchschnittlichen Rap-Hörers aber wohl zu sehr. Die Konstante auf The New Danger (Geffen) war Mos Def und seine Lyrics. Was die musikalische Seite des Albums angelangte, wurde gefunkt, gejazzt und gehardrockt, dass die Fetzen flogen. Ein Grossteil des Albums entstand in Zusammenarbeit mit Boogie Mans Band Black Jack Johnson (leider durften wir bis heute nicht in den Genuss eines offiziellen Releases dieser Truppe um Mighty Mos kommen). So bekam der Longplayer nicht die Aufmerksamkeit, die ihm durchaus zugestanden hätte. Dieses Scheitern gemessen an kommerziellen Massstäben war wohl mit ein Grund, dass sich Mos Def nicht mehr mit seinem Label Geffen Records verstand. So befreite sich Mos 2006 mit dem Album True Magic, das über weite Strecken mehr wie eine Proberaum-Session oder ein One Take-Jam anhörte als ein echtes Album, aus den Fesseln seines Arbeitgebers. Ausserdem erschien True Magic ohne Cover und Booklet. Ob Mighty Mos Def mit dieser Aktion Geffen einen Tritt ins Schienbein versetzte oder ob sich der MC und sein Label wegen eines Leaks und vorschnellen Reaktionen auf eben diesen ganz einfach verkalkulierten, das wird wohl das Geheimnis der Beteiligten bleiben. Fest steht, dass auch True Magic seine starken Momente hatte und durchaus als ein Wegweiser für das weitere Schaffen von Mos Def gesehen werden darf.

10 Jahre nach seinem Solo-Debüt legt Mos Def mit THE ECSTATIC – seinem nunmehr vierten Soloalbum – nach. Und er geht gleich in die Vollen. Auf einem Brett von einem Beat von Oh No, der harte Gitarrenriffs mit Soundfetzen aus dem Orient und Hendrix-liken Hippie-Melodien mischt, macht Mighty Mos klar wer hier Supermagic ist. Für Verschnaufpausen beleibt keine Zeit. Auch der nächste Song Twilite Speedball (produziert von Chad Hugo) geht straight nach vorne. Und just an dem Punkt, an dem ich dachte, nö, besser kann es nicht kommen, dropt Madlib mit einem Extrakt aus seiner Beat Konducta-Serie (In India) eine perfekte Steilvorlage für Mos Def und seinen Gast am Mic Slick Rick, die die Gesellschaft kritisch beäugen und ihre Eindrücke kundtun (Soul is the lion´s roar, voice is the siren, I swing round, wring out and bring down the tyrant, chop a small axe and knock a giant lopsided – Mos Def). Symbiotischer kann Beat und MC wohl nicht sein als auf diesem Track (Auditorium). Weiter geht es mit Madlibs Indienreise und dem Track Wahid, in dem Mos seine Gedanken zum aktuellen Weltgeschehen preisgibt (The old timers say we living in the final days, gunsmoke, young folk living any kinda way, gangster holiday, gritty states a hideaway, meanwhile soldiers take it straight through their armor plate). Weiter geht es mit einem souligen Beat von Preservation und Gedankengängen über Prioritäten, bevor dann was die Rhythmen des Tracks Quiet Dog Bite Hard (abermals von Preservation produziert) betrifft ein Abstecher auf den Dancefloor naheliegt, wozu sich Mos eine Schmährede auf das wacke MCing dieser Tage vom Leib posaunt . Mit der ersten Single Life In Marvelous Times (produziert von Mr. Flash) haben auch erstmals raumfüllende Synthie-Klänge Platz auf THE ECSTATIC. Beizeichnenderweise stellt The Mighty One auf diesem Track die Antipode zum Beat und lässt seinen Gedanken zu einer Jungend ohne markantes Eigenes freien Lauf. So reiht sich Highlight an Highlight, wie der Track No Hay Nada Mas (frei übersetzt: weiter nichts, nothing else), auf dem sich Mos Def auf jazzigen Satz Drums und lateinamerikanischen Gitarrenklängen (produziert von Preservation) auf Spanisch vor sich hin philosophiert, die Intruders-Reinterpretation Pistola (Oh No am Beat), dem Duett mit Georgia Anne Muldrow (Roses) oder der (kinda like) Blackstar-Reunion auf einem wunderbar souligen Dilla-Beat (History).

Wie schon die beiden Vorgängeralben steht auch THE ECSTATIC quer in der Rap-Landschaft, wenn man sich umhört und bemerkt, wie einfältig und immer wieder gleich sich Produktionen dieser Tage anhören. Bleibt zu hoffen, dass Mos Def mit seinem auf allen Ebenen grossartigen Album nicht an dieser die Kreativität geisselnden Schallmauer scheitert. (ruedi snare)


www.myspace.com/mosdef


Release Date: 9.6.2009






Tha Connection - Love Royale

Darf ich vorstellen (?) - ach was, ich machs einfach: Hus the King Pin und Smoovth aus Long Island New York sind THA CONNECTION. Nach Releases auf Goon Trax und Domination Recordings folgt nun das Album LOVE ROYALE auf Feelin Music, dem dieser Tage sehr umtriebigen und durch qualitativ hochstehende Releases bestechenden Label aus Lausanne. Der neuste Streich des Duos aus Long Island erinnert was den Mood der Produktionen anbelangt an die 36 Kammern, dann und wann auch an den Soul aus Detroid. Was die Raps anbelangt vermögen THA CONNECTION mittels ihres Storytellings und entspannten Flows vollends zu überzeugen. Oh doch - der Untergrund lebt! Und wer daran zweifelt sollte sich LOVE ROYALE zu Gemüte führen, um auch letzte Zweifel auszuräumen. (ruedi snare)


www.myspace.com/theconnectionteam


Release Date: 5.6.2009






J Dilla - Jay Stay Paid

Am Tag seines 32. Geburtstags, dem 7. Februar 2006, erschien das grossartige Instrumental-Album Donuts. 3 Tage später starb James J DILLA Yancey an den Folgen von Lupus.

Rückblende: 1993 erschien die 12inch No Place To Go, das erste Release von Jay Dee (zusammen mit Phat Kat als 1st Down). Zwei Jahre darauf veröffentlichten die beiden ihre zweite 12inch A Day With The Homiez. Von da an ging es Schlag auf Schlag. 1996 stand der erste Longplayer von Slum Village in den Ladenregalen, 1997 war der erste Solo-Joint Tatsache, unzählige folgten, 1999 releaste Dilla als ein Teil von J-88 The Look Of Love (Remix), ein Jahr darauf folgte die EP und 2003 schloss er sich mit Madlib zusammen (Jaylib) und releaste die LP Champion Sound. Dilla Dawg war auch massgeblich an vielen Classics der Hip Hop-Geschichte beteiligt, so zum Beispiel an Beats, Rhymes & Life und The Love Movement von A Tribe Called Quest, Amplified von Q-Tip, Labcabincalifornia von The Pharcyde, Like Water For Chocolate von Common oder Voodoo von DÀngelo. Auch auf den neusten Werken von A.G., Ghostface Killah, The Roots, Phat Kat, Q-Tip, Guilty Simpson und DOOM finden sich Produktionen von J Dilla. Das Debütalbum seines jüngeren Bruders Illa J (Yancey Boys) wartet mit Beats auf, die ausschliesslich von Dilla produziert worden sind. Die vollständige Diskographie findet man auf http://www.stonesthrow.com/jdilla/discography.

Posthum - zwischen 2006 und 2008 - wurden die Solo-Alben The Shining (BBE), Ruff Draft (Re-Release auf Stonesthrow) und Jay Love Japan (Operation Unknown) veröffentlicht. Nun folgt ein nächster Lonplayer. JAY STAY PAID heisst die Scheibe, die anfangs Juni auf Nature Sounds erscheint. 28 Tracks stark ist die LP, deren Mix und Arrangement unter der Schirmherrschaft von Soulbrother #1 Pete Rock steht. J$P erinnert mich was Beats und Aufbau betrifft stark an Donuts. Die Beats auf der LP sind denn auch grösstenteils kurz vor dem Ableben von Dilla entstanden. Es finden sich aber auch ein paar ältere nicht releaste Aufnahmen auf J$P. Die Mehrzahl der Songs kommen ohne Raps aus. Gäste am Mic sind Lil Fame, Phat Kat, Danny Brown & Constantine, Black Thought, DOOM, Diz Gibran, Havoc & Raekwon, Frank Nitty und Illa J & Cue D. Als Execituve Producer figuriert neben Pete Rock, der seinen Job grossartig gemacht hat, auch Js Mama Maureen. JAY STAY PAID vermag auf Albumlänge zu überzeugen, wird für alle von DILLAs Beats infizierten Seelen ihre persönlichen Highlights in petto haben und mit Sicherheit auch zusätzliche Addicts generieren.

James Yancey Rest In Peace! (ruedi snare)


www.nature-sounds.net


Release Date: 2.6.2009






Testiculo Y Uno - Hi-Hat Club Vol. 1

Das Kölner Indie-Label Melting Pot Music vermag dieser Tage mit jedem neuen Release auf ganzer Linie zu überzeugen. So auch mit dem neusten Streich HI-HAT CLUB VOL. 1 des Beatbastler-Duos TESTICULO Y UNO (also know as Hulk Hodn und Twit One). Die beiden haben sich wohl durch Kisten voller Jazz-Releases aus den 30er-, 40er- und 50er-Jahre gediggt, um die favorisierten Parts anschliessend am MPC zu choppen, mit Hingabe und dem Sinn fürs Detail neu zusammenzustellen und mit Drum-Patterns, wie wir sie aus der Golden Era kennen, zu versehen. Et voilà! Fertig ist der Soundtrack, der für heisse Sommertage und laue Sommernächte ebenso geeignet ist wie für beissend kalte Winternächte und veregnete Herbsttage. Seite A nimmt Hulk Hodn für seine acht Beats, die einer Raum- und Zeitreise gleichkommen, in Anspruch. Seite B steht dann ganz im Zeichen von Twit Ones elf kleinen Meisterwerken. Den HI-HAT CLUB VOL. 1 wird es ausschliesslich auf Vinyl und als Download zu erstehen geben. Pre-Ordern kann man die Scheibe schon vor dem offiziellen Veröffentlichungstermin, der auf Ende Mai angesetzt ist. Für Infos steuere man die Homepage von Melting Pot Music an. Wohl bekommts! (ruedi snare)


www.mpmsite.com


Release Date: 29.5.2009






Moka Only - Lowdown Suite 2 - The Box

Moka Only - Gründungsmitglied der Swollen Members - ist seit 1998 auf Solopfaden unterwegs und hat in zehn Jahren über 20 Alben releast. Mit dem Album LOWDOWN SUITE 2 - THE BOX legt der umtriebige MC und Producer aus Kanada sein sage und schreibe 23. Album in die Ladenregale. Und es sind weiterhin keinerlei Verschleisserscheinungen auszumachen. So vermag MOKA ONLY mit 18 entspannt souligen und jazzigen Produktionen und Flows auf ganzer Linie zu überzeugen und reiht auf seinem neusten Streich Highlight an Highlight. Gewisse Tracks herauszupicken, macht daher schlicht keinen Sinn. Gäste am Mic sind Bootie Brown (Pharcyde), Psy und Kissey Asplund. Enjoy! (ruedi snare)


www.myspace.com/mokaonly


Release Date: 19.5.2009






DJ Vadim - U Cant Lurn Imaginashun

Den in Kasten und festen Schematas denkenden neorotischen Realkeepern wird das neuste Release aus dem Hause VADIM wohl ebenso ein Dorn ihm Ohr sein wie den Grahlwächtern der neuen digitalen Generation, die mehr Wert auf Äusseres als auf Hörbares legen, denn der Schein soll gewahrt bleiben. VADIM ist sich so treu geblieben, wie er neue Wege geht, Schallmauern durchbricht und Wände einreist. Samples fehlen auf seinem neuen Album U CANT LURN IMAGINASHUN ebenso wenig wie Synthesizer, da wummernd bassig, dort shpährisch warm, hier blubbrig technoid. Auf bekannte Namen auf der Gästeliste verzichtet VADMIN vollständig und pflanzt instrumentale Odyseen zwischen Rap und Gesang. Dem Beat bleibt er treu. Denn der Beat ist die Grundlage. Alles andere variiert. Dub? House? Ska? Reagge? Alles Ansichtssache. Der Pressetext zum neuen Longplayer startet mit folgendem Zitat von Richard M. Nixon: If you want to make beautiful music, you must play the black and the white notes together. Und liest man weiter, stösst man in der Mitte des Textes auf ein Zitat von Albert Einstein: Imagination is more important than knowledge. VADIM fühlt, wie Farbe entsteht und geht seinen queren Weg kontinuierlich weiter. (ruedi snare)


www.djvadim.com


Release Date: 11.5.2009






Stockitown - Gäbig heiss

Da gammelten ein paar nicht releaste Tracks auf ner HD in der Schtubu vor sich hin. Und gegen Wallischertiiiitsch hat die Restschweiz ja eh nur Vorbehalte (man verstehts ja eh nicht). Weshalb also Energie und Zeit für neue Tracks, gutes Mastering und anschauliches Artwork verschwenden, um anschliessend eine CD in irgendwelche Ladenregale zu stellen, wenn man die Songs auch per freiem Download auf dem hauseigenen Internetportal an den Mann und die Frau bringen kann? Na weil das Zeugs eben doch GÄBIG HEISS ist! So hat sich Beatfanatic Spenzasequenza - Schtubu-Rocker, Bonzzajler und Kopf seines Overdub Orchestras - daran gemacht, neue jazz- und funkgeschwängerte Bomben von Beats an die 6 MCs des 11-köpfigens Kollektivs (Overdub-Liveband und Administrator bzw. Fotolaborant inklusive) zu verteilen, auf dass diese mit Raps auf Walliserdeutsch, Französisch und Portugisisch bestückt würden. Nun ist das dritten Release der Mannen aus dem Wallis für den Verkauf freigegeben. Der 20 Anspielpunkte starke Silberling hält neben einem kurzen Intro und 16 Tracks auch drei versteckte Highlights bereit, nämlich die beiden Interludes und das Outro, die allesamt grossartige instrumentale Onetake-Funk-Odyseen des Overdub Orchestras sind. Gemastert wurde GÄBIG HEISS von Tom Krüger im No Sé Studio. (ruedi snare)


www.stockitown.ch


Release Date: 4.5.2009






El Michels Affair - Enter The 37th Chamber

Die Köpfe hinter EL MICHELS AFFAIR sind Leon Michels (Saxophonist/Organist) und Jeff Silverman (Producer). Die Band hat ihre Ursprünge in Jam Sessions von Musikern der Bands The Dap Kings, Budos Band und Antibalas. Das Debütalbum Soundig Out The City erschien 2005. Nach Liveauftritten als Backingband des Wu-Tang Clans und Studioaufnahmen mit Raekwon sowie dem Release zweier 7inches entschloss sich EMA dazu, dem Clan mit Re-Interpretationen von Wu-Klassikern Tribut zu zollen. ENTER THE 37TH CHAMBER heisst das Album, dessen Titel als eine Hommage an das unvergessene Wu-Tang-Debüt Enter The Wu-Tang (36 Chambers) zu verstehen ist und die Lieberhaber des Vintage Souls der 60er- und diejenigen des Hip Hops der 90er-Jahre gleichermassen begeistern dürfte. (ruedi snare)


www.truthandsoulrecords.com


Release Date: 21.4.2009






Rize & Kronos - Orjazzm

RISE und KRONOS, zwei Beatbastler aus Lausanne, haben sich zusammen getan und das Producer-Album ORJAZZM releast. Das Wortspiel ist bezeichnend, durchaus wörtlich zu nehmen und könnte als Albumtitel treffender nicht sein. Die beiden Produzenten verzaubern die Zuhörer mit entspannten Sounds von Gitarren, Organs in allen Varianten, Flutes und Saxophonen - meist gesampelt, da und dort auch live eingespielt - und geben den Melodien mit smoothen Bassläufen und 90ties-like Drumpatterns den Groove. Am Mic finden sich Gäste aus der Schweiz, den Staaten, Frankreich und England ein. Zu den bekannten Namen wie Insight, Melodiq, Cee Know The Doodlebug (Digable Planets), Main Flow und Phyl The Ill Lyricists (Japrazz) sind aber mitnichten die einzigen Highlights am Mic. (ruedi snare)


www.myspace.com/rizekronos


Release Date: 20.4.2009






Big Tone - The Art Of Ink

Gut drei Jahre sind vergangen, seit Anthony Jackson unter seinem Alias BIG TONE sein Albumdebut auf ABB Records veröffentlichte. Der MC und Producer aus Detroit kommt diesen Frühling mit seinem Zweitling THE ART OF INK zurück ins Rampenlicht. Der aktuelle Longplayer ist zwölf Tracks stark. BIG TONE ist auf THE ART OF INK nicht nur der Mann am Mic, er hat gleich die ganze LP – sprich alle Beats – in Eigenregie produziert. Entstanden ist ein sehr souliges, sampling-basiertes Album mit tiefsinnigen Texten. Unterstützung am Mic hat sich BIG TONE von Guilty Simpson, Blu, TaRaach, Monica Blaire, L Renee und Breeze Brewin von den Juggaknots geholt. Mit THE ART OF INK hat der Mann aus Detroit ein Album-Highlight erschaffen. (ruedi snare)


www.myspace.com/bigtone


Release Date: 17.4.2009






Spooman - Irie Eye

Ah yeah er ist zurück, back on da set, Dr. Kimble aka SPOOMAN am Stizzart. Spoo rockt auf seinem neuen Longplayer IRIE EYE gewohnt geschmeidig-soulige Beats aus dem Hause TZA. Vier Jahre sind seit den letzten Outputs von Spoo ins Land gezogen. But don’t call it a comback! Mit IRIE EYE legen der Mann am Mic und der an Sampler und Drummachine ein 17 Anspielpunkte starkes Album vor, das durch die ureigenen Stärken der beiden Protagonisten zu überzeugen vermag. Nein, das Rad wird nicht neu erfunden und auch Trends wird kein Tribut gezollt. Was die Scheibe auszeichnet, ist die Liebe zur Sache von Spoo und TZA, die man fühlt, hört man sich durch IRIE EYE. Verkaufte Einheiten sind natürlich willkommen, aber im Gegensatz zu den Zeiten beim Major nur noch Nebensache. (ruedi snare)


www.spooman.ch


Release Date: 17.4.2009






Ras G - Brotha From Another Planet

Nicht einmal ein halbes Jahr ist verstrichen, seit RAS G sein Album GHETTO SCI-FI in die Regale der Plattendealer gestellt hat. Und schon legt der Beatbastler from outta space nach. Die aktuelle Odyssee heisst BROTHA FROM ANOTHER PLANET, was die Sounds auf dem Longplayer treffend charakterisiert. Es hinkt und quirlt und blubbert und raschelt und schleift und wimmert und knistert an allen Ecken und Enden. Erschienen ist die LP auf Brainfeeder, dem Label von RAS Gs Seelenverwandten Soundtüfftlers Flying Lotus. Wer sich auf das nicht eben leicht verdauliche Experiment BROTHA FROM ANOTHER PLANET einlässt, wird seine helle Freude an der dunklen Seite der Beats haben. (ruedi snare)



www.myspace.com/rasg


Release Date: 7.4.2009






Finale - A Pipe Dream And A Promise

Motor City is back on da set! Nein, sicher nicht weil Eminem gerade eben sein schnödes Comeback-Album in Ladenregale und Downloadportale gestellt hat, sondern weil FINALE ein Luftschloss baut und dazu ein Versprechen abgibt… A PIPE DREAM AND A PROMISE. Das Debütalbum des talentierten MCs aus Detroit stellt vieles in den Schatten, was dank (zu) grosser Werbebudgets über allem thront. FINALE liefert auf dem Longplayer grossartige 15 Tracks ab, die beat-technische durchaus Detroit-typisch und dennoch abwechslungsreich wie selten ein Release dieser Tage daherkommen und das Album zu einem Highlight machen (wozu FINALE mit seinem Rap, seinen Flows und Topics auch sein starkes Seines dazu beiträgt). Nicht zuletzt weil FINALE den Producern aus seiner Heimatstadt (J Dilla, Black Milk und Waajeed) Qualitätsgaranten aus anderen Gegenden der Staaten zur Seite stellt (Kev Brown, Oddisee, Khrysis 3, Flying Lotus, Slimkat, Apollo Brown, V-Tech und Nottz). Für einen der vielen Höhepunkte auf A PIPE DREAM AND A PROMISE ist aber ein Bastler aus Bern verantwortlich. So hat Dimlite das Soundgerüst für den Track Issues zusammengezimmert. Weitläufig, wie man es von Dimlite gewohnt ist, sind die Klanglandschaften auf dem Song, auf dem FINALE über Probleme und Inhalte des Lebens philosophiert. Obschon die Minderheit der Producer also nicht aus Motor City stammen, klingt A PIPE DREAM AND A PROMISE nach den unverwechselbaren Sounds aus Detroit City, dem roughen und gleichzeitig smoothen Soul, wie ihn J Dilla geprägt hat. Scheint so, als hätte FINALE beim Picken der Beats grössten Wert auf dieses Gesamtbild gelegt. Abschliessend zollt dann FINALE mit dem Track Paid Hommage (R.I.P. J Dilla) auf einem Beat von Flying Lotus (einer Re-Interpretation von Dillas Classic Fall In Love) der Legende Tribut und macht A PIPE DREAM AND A PROMISE zu einem in sich geschlossenen und vollends geglückten Hörerlebnis. (ruedi snare)


www.myspace.com/finale


Release Date: 7.4.2009






Huss und Hodn - Der Stoff, aus dem die Regenschirme sind

Und? Habt ihr euch die letzten zwei Jahre schön geschämt? Wir schrieben das Jahr 2007, als sich zwei Herren namens Kurt Hustle und Hulk Hodn mit ihrem Album „Jetzt schämst du dich“ eine gehörige Portion Aufmerksamkeit in der deutschen HipHop-Szene verschafft haben. Ihr Style war irgendwie anders und fand sofort Anklang. Denn zu jener Zeit bestand keine wirkliche Alternative zu dem „ich hau dir fester auf die Fresse wenn der Mond in mein Ghetto kracht – Rap“. Nun wurde sie wieder geboten, gepaart mit Beats, die sich anhörten, als wären sie aus den Mid-90ies importiert.
Diese zwei besagten Herren haben nun ein neues Album mit dem Titel „Der Stoff aus dem die Regenschirme sind“ an den Start gebracht. Und ja... das neue Album vermag mit Leichtigkeit an seinen Vorgänger anzuknüpfen. Die Synergien zwischen Kurts Raps und den Beats gestalten sich gewohnt optimal, weil die Tracks trotz eher sanften und relaxten Klängen nicht an Dampf und Punch verlieren. Textlich kann der Retrogott mit einem breit gefächerten „Rapertoire“ aufwarten, welches trotz eher auf Battlerap fixierten Phrasen sehr vielseitig erscheint und oftmals ein Quäntchen Weisheit enthält. Das Werk ist ein würdiger Nachfolger, welcher zeigt, dass eine spürbare Weiterentwicklung nicht unmittelbar das Umsteigen auf Synthie-Beats und R’n’B-Hooks bedingt. Die gefeaturten MC’s beschränken sich mit Noy Riches, Sylabil Spill und Audio 88 aufs Entourage-Umfeld. Fazit: Wer tiefsinnigen Battle-Rap mag, ist mit diesem Release gut bedient und erwirbt ein Album, das definitiv auch beim zweiten Durchhören noch Freude bereiten wird. (zaid)


www.huss-hodn.de


Release Date: 27.3.2009






Dabu Fantastic - Agglo Disco

Ende 2007 stellten DABU FANTASTIC ihre Swing-EP in die CD-Regale, ernteten dafür Lob von allen Seiten und strapazierten gleichzeitig festgefahrene Klischees was Rap-Musik und deren Protagonisten anbelangt aufs Äusserste. Nun legen Dabu, Djohn und DJ Arts mit dem Release von AGGLO DISCO nach. Wie der Albumtitel schon erahnen lässt, werden auch mit diesem Album keine gängigen Weltanschauungen gefestigt. Drück auf die Play-Taste und dir werden Beats mit Anleihen von Funk, House, Reagge, Blues und Soul, sowie Raps mit genre-untypischen Inhalten wie Jack Johnson oder das Erwachsenwerden und andere Gedanken-Odysseen in die Ohrmuscheln klatschen. So vermag das 13 Tracks starke Album musikalisch wie auch textlich auf ganzer Linie zu überzeugen. (ruedi snare)


www.dabufantastic.ch


Release Date: 27.3.2009






Fleur Earth Experiment - Soul Des Cabots

2008 hat Madame Mouanga aka FLEUR EARTH auf der EP Skurreal dank unvergleichlich souliger Stimme und Beats von Hulk Hodn, The Ins und Twit Uno auf ganzer Linie überzeugt. Nun legt sie mit 5-köpfiger Band im Rücken nach. Das Kollektiv FLEUR EARTH EXPERIMENT stellt SOUL DES CABOTS in die Ladenregale der Plattendealer und stielt mit einem einzigartigen Mix aus Soul, Funk, Dub und Rock, der im Endeffekt mehr Hip Hop ist als viele Releases in eben jener Schublade, so manchem MC mit bösem Blick und synthetischen immer gleich klingenden Beats die Show. FLEUR EARTH besticht mit ihrem ureigenen Sinn für Lyrics und vermag Gefühlen mit Worten Ausdruck zu verleihen, was SOUL DES CABOTS zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk macht. Definitiv ein frühes Highlight für 2009. (ruedi snare)


www.mpmsite.com


Release Date: 20.3.2009






Oddisee - Oddisee 101

Amir ODDISEE Mohamed, MC und Producer aus Washington DC mit Wurzeln im Sudan, ist Teil der Low Budget Crew um Kev Brown, Cy Young und Kenn Starr. Seit 1999 ist er mit dem Virus Hip Hop infiziert. Spätestens seit dem Feature auf Jazzy Jeffs Magnificent-LP ist ODDISEE nicht mehr nur den Crate Diggern ein Begriff. Ende 2008 hat er den Longplayer ODDISEE 101 auf CD und als Download veröffentlicht. Nun stellt er Auszüge dieses Releases auf einer 7 Tracks starken Vinyl-EP in die Plattenläden. Diese EP vermag von A bis Z zu überzeugen. Sowohl die souligen Beats, die meistens in Eigenregie entstanden, als auch die intelligenten Raps und smoothen Flows vermögen auf ganzer Linie zu überzeugen. Wer sich die EP holt, wird die Finger kaum vom Album lassen können, auch wenn dieses leider nicht auf Vinyl gebannt wurde. (ruedi snare)


www.myspace.com/oddisee720


Release Date: 16.3.2009






DOOM - Born Like This

Daniel Dumile aka Zev Love X, seines Zeichens Gründer der legendären KMD, zog sich nach dem Tod seines Bruders (ebenfalls KMD-Mitglied) 1994 aus dem Rap-Business zurück. 1997 kehrte er als der Mann hinter der eisernen Maske zurück und releaste 1998 Operation Doomsday. 11 Jahre später streicht Dumile das MF aus seinem Künstlernamen und legt als DOOM seine dritte Solo-LP BORN LIKE THIS nach. Dazwischen veröffentlichte er MM..Food (von den Releases als King Geedorah und Viktor Vaughn und Kollabos mit Madlib und Dangermouse ganz zu schweigen). DOOM geht seinen Weg kompromisslos weiter. So vermag er auf BORN LIKE THIS mit seinen ureigenen Flows, seinem Storytelling und seinen unverkennbaren Samplingkünsten erneut zu überzeugen. (ruedi snare)


www.myspace.com/mfdoom


Release Date: 12.3.2009






Pax & Pry - A day off

PAX & PRY, MC & Beatmaker. 2007 releasten die beiden Heads aus den Niederlanden ihre erste LP (A Day At The Office), limitiert auf 300 von Hand nummerierte Exemplare. Knapp 2 Jahre später geht die Story nun in die nächste Runde. A DAY OFF heisst der Nachfolger, ebenfalls auf 300 Stück limitiert und handnummiert. 14 verspielt-soulige, vertrackt-jazzige Songs stark ist das Album, progressiv und doch smooth, mit versteckten Finessen bestückt, so dass auch nach dem x-ten Durchhören - was in diesem Falle übrigens problemlos am Stück möglich ist - immer wieder neue Raffinessen auffallen und Langweile nicht in Hörweite ist. Ausserdem haben PAX & PRY auf ihrer Hompage eine Überraschung der ersten Güteklasse zum Download bereitgestellt. Better check it out! (ruedi snare)


www.paxandpry.com


Release Date: 7.3.2009






Exile - Radio

Exile – Wurzeln in Italien, geboren in San Diego, wohnhaft in LA, produziert Beats seit 1995, zusammen mit Aloe Blacc bekannt als Emanon – veröffentlichte eben sein zweites Soloalbum RADIO. Der Titel ist Programm. So hat EXILE mit Samples, die er ausschliesslich aus Sendungen und Berichten lokaler Radiosender – sei es nur ein Störgeräusch, ein Rauschen, ein Raunen, ein Wort, eine Harmoniefolge oder ein einzelnes Instrument – gezogen, mit Kompressoren und anderen Effektgeräten bearbeitet und seinem MPC zu Soundcollagen verarbeitet hat, ein Album wie kein zweites geschaffen. EXILEs RADIO ist einzigartig in seiner Machart, Wirkung und Detailverliebtheit und lässt den Hörer immer und immer wieder neue Aspekte und Gesichtspunkte in den Beats entdecken. (ruedi snare)


www.myspace.com/alexile


Release Date: 27.2.2009






Chocolococolo - Chocolococolo

CHOCOLOCOCOLO, seines Zeichens Mundartist, der sich – wie er dies im Track SCHWENGER kund tut – nicht als Teil der Szene sieht. Sein Solodebüt passt denn auch weder soundtechnisch noch textlich in gängige Schemata von dem, was mehr oder weniger Interessierten als Rap oder Hip Hop verkauft wird. Mal soulig, dann wieder dubig technoid, nie aber so wie die anderen, die Texte mal philosophisch, immer aber entwaffnend persönlich. Und wenn uns CHOCOLOCOCOLO im Track GOHINDA erklärt, wir müssten alle de Kreyslouf durbräche, uf Guäts folgt Guäts, uf Schlächts folgt Schlächts, jetzt figg mol uf din Schtolz und gibem Schlächtä nume no Guäts zrügg, dann hat er Recht. (ruedi snare)


www.myspace.com/chocolococolo


Release Date: 20.2.2009






Onra - 1.0.8

Auf Chinoiseries, dem Vorgänger zum aktuellen Album, arbeitete ONRA, der Mann aus Paris, der seine Wurzeln in Asien hat, ausschliesslich mit chinesischen und südostasiatischen Klangschnipseln. Auf seinem neusten Streich 1.0.8 richtet ONRA seinen Fokus nun auf Bollywood/Indien. Erstaunliche Klangwelten klatschen dem geneigten Zuhörer da in die Ohrmuscheln, wiegen hin und her und rollen auf und ab, mal smooth, dann wieder grotesk, eine Reise durch Raum und Zeit, oder - um es in den Worten von Hartmut Engler zu sagen: Komm mit mir ins Abenteuerland. (ruedi snare)




www.myspace.com/onra


Release Date: 13.2.2009






Myka 9 - 1969

Sein erstes Release liegt nun geschlagene 18 Jahre zurück. Er ist Gründungsmitglied der legendären FREESTYLE FELLOWSHIP. Heute zieht er solo oder als ein Teil von HAIKU D ETAT durch die Lande. Die Rede ist von MYKA 9 oder MYKANYNE. Der Pionier aus Kalifornien legt mit dem Album 1969 einen sehr abwechslungsreichen ersten Gradmesser für kommende Releases in diesem Jahr vor. 1969 besticht durch MYKAs ureigenen Umgang mit Worten, mal schnell wie aus der Pistole geschossen und doch gestochen scharf, mal laid back soulig und dann wieder mehr die Sparte Spoken Word bedienend. Die Beats stammen allesamt aus der Feder von Factor. Dieser lässt in den meisten Fällen funky Drums auf Samples aus allen nur erdenklichen Genres treffen. (ruedi snare)


www.myspace.com/mykanyne


Release Date: 20.1.2009






DJ Signify - Of cities

Gut vier Jahre sind vergangen, seit DJ SIGNIFY sein letztes Album veröffentlichte. Nun ist der Mann aus Brooklyn zurück. Mit OF CITIES, dem Follow-Up zu Sleep No More, stellt SIGNIFY seinen neusten Streich in die Ladenregale. Das Album kommt beinahe gänzlich ohne Vocals aus. Lediglich Aespo Rock und Matt Kelly geben sich die Ehre. Ansonsten nimmt SIGNIFY Interessierte mit auf eine Reise in seinen weitläufigen und düsteren Soundkomsos. Nicht zu wenig Reverb auf der Snare ist keine Ausnahme. Diese - in Form knochentrockener Drums - folgt sogleich und bestätigt die Regeln. Was den Umgang mit Samples betrifft, lässt DJ SIGNIFY Erinnerungen an die Herren Krush und Shadow aufkommen. (ruedi snare)



www.bullyrecords.com


Release Date: 20.1.2009






E.d - The Cirkus Part.2

„The Cirkus Part.2“ ist nicht mehr so frisch aufm Teller wie Köhler am Nordatlantik. Die Instrumental-LP von Beatbastler E.d ist im Januar dieses Jahres erschienen. Der Weg zum heimischen Vinyl-Dealer wurde indes erst im August angetreten. Da tauchte der Longplayer in den Regalen an der Ankerstrasse in Zürich auf. Das Cover stach mir sofort ins Auge, als ich mich auf der Homepage durch die Vinyl-News klickte. Sogleich stellte sich mir zwei Fragen: Zum einen „Who the f**k is E.d?!“ und zum andern „What the hell is 7 Gates Records?!“. Noch nie gehört von dem Typen. Und auf den Myspace-Accounts des Artists wie auch des Labels wird mit Infos regelrecht gegeizt. So beschloss ich, eine offensive Strategie zu fahren und beim Label anzufragen, ob ich wohl so ein Teil bekommen könnte, egal ob in Form eines Downloads oder „in Echt“. Eine Woche später hatte ich Post. Nicht Inbox, sondern Briefkasten. Nicht klein, sondern gross. Schwarzgold. Also ab zu den Turns, Verstärker an und ab damit. Knister. „The Cirkus Part.2“ ist sechszehn Anspielpunkte stark. Soul und Jazz sind die Basics. Aber auch Folk, Soundtracks, Funk und Rock aus den 70ern musste herhalten, um geflippt und anschliessend mit einem Satz Drums versehen zu werden. „For fans of Madlib, J Dilla etc.“ steht auf der Packungsbeilage, die dem Release von Michel, einem der Jungs an der Theke im Ladenlokal unweit des Bezirksgebäudes im Chreis 4, ausgestellt wurde. Michel hat durchaus recht. Im kurzen Pressetext von 7 Gates Records wird E.d aber „HIS way of music“ attestiert. Und auch dieses Attribut trifft ins Schwarze, denn eine Kopie anderer Releases mit den Stempeln „Hip Hop“ und „Instrumental“ ist „The Cirkus Part.2“ beleibe nicht. Mittlerweile stehen zwei Exemplare in meinem Plattenregal, denn die 20 Franken sind mir die Beats von E.d allemal wert.


www.7gatesrecords.com/


Release Date: 1.1.2009






The Tones - Dreamtalk

Ist die Rede von DREAMTALK, dem aktuellen Longplayer des Bay Area Duos THE TONES, dann werden Retro und Suhn, die beiden Heads hinter dem Projekt, mit klingenden Namen wie Slum Village, A Tribe Called Quest oder Blackstar verglichen. Dies mag ein wenig verwegen klingen, aber solche Vergleiche sind nicht einfach aus der Luft gegriffen. Die Raps bestechen durch relaxte Flows und Storytelling und die Beats wecken Erinnerungen an den Sound aus Detroit, vor allem derjenige von J Dilla. Was die Message des Albms betrifft, so ist der Titel DREAMTALK durchaus wörtlich zu nehmen. Retro und Suhn erzählen von ihren Träumen. Die Lyrics erinnern an die positiven Raps der 90er Jahren, wie wir es aus dem Native Tongues-Umfeld kennen. (ruedi snare)



www.myspace.com/thetonesblacktierecords


Release Date: 15.12.2008






La Fine Equipe presente - La Boulangerie Part 1

Die Beatbastler rund um den Globus sind fleissig wie nie, allen voran Oxnard, Detroid, Los Angeles, Japan und Südamerika. Aber auch Europa schläft nicht. So erreichte uns dieser Tage ein Release aus dem Hause LA FINE EQUIPE. Diesem Konglomerat gehören die Herren Blanka, Oogo, Mr.Gib, Mattic and Chomsky an. Aber auch Creestal, Mister Modo, Onra und Quetzal haben diesem Projekt ihr Stück Patisserie beigesteuert. Inspiration war wohl neben dem Soul und Jazz aus den 70ern vor allem J Dillas Umgang mit Samples und Sounds. Der erste Teil von LA BOULANGERIE macht definitv Appetit auf mehr Süsses der Beatpatissiers aus Frankreich. Bis dahin müssen wir Ogoos SABLE FRAISE, Chomskys TARTE AU CITRON und Quetzals BABA AU RHUM die Zeit vertreiben. Bon Appétit! (ruedi snare)


www.myspace.com/laboulangeriealbum


Release Date: 5.12.2008






Ras G & The African Space Program - Ghetto Sci-Fi

Detroid, Japan und Poobah Records sind die Epizentren der neuen Beats. RAS G ist Teil der zuletzt genannten Splittergruppe und versammelt um sich Beatbarden wie Mr. Dibiase, Samiyam, Nobody, Flying Lotus, The Gaslamp Killer, Black Monk oder auch den Berner Soundtüfftler Dimlite. Mit GHETTO SCI-FI veröffentlicht RAS G nun sein erstes offizielles Album. Die Soundspektren sind breit. Jazz-Extrakte und Spacecake-Synthies treffen auf brachiale Bässe und Kicks. Was man hier zu hören bekommt, ist sowas wie der Blick, den man in die Ferne schweifen lässt. Wer sich darauf einlässt, wird sich frei fühlen. Was für ein eigenartiges Gefühl. (ruedi snare)



www.myspace.com/rasg


Release Date: 21.11.2008






John Robinson & MF Doom - Who is this man?

Who is this man? JOHN ROBINSON? Nie gehört. Oder doch? Hm. Ach, von diesem JOHN ROBINSON ist die Rede. Er ist Teil der Crew SCIENCE OF LIFE und wird dem einen oder andern unter seinem Alias LIL SCI eher in Begriff sein. Eben dieser Mr. Robsinson hat 13 Beats aus dem Hause DOOM gepickt. Der Mann mit Maske und Fingern aus Metall hat dem MC aus New Jersey Soundkonstrukte auf den Leib geschneidert. Experimente werden keine gemacht. DOOM hat seinen ureigenen Style im Umgang mit Soul-, Jazz- und Soundtrack-Samples ausgepackt und LIL SCI ist mit seiner hellen rauchigen Stimme der perfekte Gegenpol zum DOOMschen Kosmos. (ruedi snare)


www.myspace.com/thejohnrobinsonproject


Release Date: 7.11.2008






Illa J - Yancey Brothers

ILLA J? Er ist der kleine Bruder von J Dilla. Ein D weniger und das J nicht Action sondern Cut. Quasi. Wem dieser Erklärungsansatz ein wenig zu abstrakt ist, dem sei folgendes gesagt: Das Album von ILLA J heisst YANCEY BROTHERS. Und tatsächlich, die gesamte LP ist von Dilla produziert. Jetzt nur noch die Nadel in die Rille legen und ab geht die Reise in Dillas Vergangenheit und die Gegenwart von ILLA J. Die Beats sind – wie man es nicht anders erwarten konnte? – ein weiteres grosses Kapitel von Jay Dee. Und sein kleiner Bruder? Der macht seine Sache mehr als gut, ist keine blosse Kopie von Dilla am Mic und bündelt dessen soulige Sounds in relaxten Flows und Storytelling vom feinsten. (ruedi snare)


www.myspace.com/illajmusic


Release Date: 4.11.2008






Q-Tip - Live At The Renaissance

Oh yes he’s back! Nach seinem Solo-Debut AMPLIFIED vor neun Jahren hat Q-TIP aka KAMAAL THE ABSTRACT mit der gleichnamigen EP 2002 auf sich und sein neues Projekt aufmerksam gemacht. Für zu wenig erfolgversprechend weil nicht dem Mainstream und seinen Trends entsprechend befand Arista Records die Songs von Q-TIP. Vor etwa einem Jahr ist dann ein Bootleg von LIVE AT THE RENAISSANCE aufgetaucht. Ein Jahr später steht nun THE RENAISSANCE in den Regalen, klingt aber nicht wie das Bootleg, sondern besticht durch brandneue, soulig-smoothe Songs, vom Meister selber mit seinen ureigenen Flows veredelt. Definitiv eines der Highlights des Jahres. (ruedi snare)


www.myspace.com/qtip


Release Date: 31.10.2008






Mighty Underdogs - Droppin Science Fiction

We’re not keepin it real cause we’re droppin science fiction! Dies machen Gift Of Gab, Lateef und Headnodic aka THE MIGHTY UNDERDOGS im Song Hands In The Air klar. Aktuelle Erfolgsrezepte anderer Acts, sind kein Massstab. Die drei MCs machen, was ihnen gefällt. Und was ihnen gefällt, das sind Beats mit Funk im Tank, wie dies ein gewisser Shape vom Dynamischen Duo ausdrücken würde. Es groovt an allen Ecken und Ende auf DROPPIN SCIENCE FICTION. So gesehen ist das Album der MIGHTY UNDERDOGS Retrofiktion, oder so was in die Richtung. Mit DROPPIN SCIENCE FICTION haben die Herren ein sehr abwechslungsreiches, eigenständiges an den Start gebracht. Erschienen ist die Scheibe über Definitive Jux Records. (ruedi snare)


www.myspace.com/themightyunderdogs


Release Date: 14.10.2008






Sweatshop Union - Water Street

Sie gehören zu den bekanntesten Protagonisten an Mic, Turntabels und MPC Kanadas. Mit WATER STREET stellen die Mannen von SWEATSHOP UNION ihren mittlerweile fünften Longplayer in die Ladenregale der Plattendealer (leider nur als Silberling, nicht auf Schwarzem Gold, was meine Kenntnisse betrifft). Dieses Werk ist ohne den Hidden Track aber inklusive der Skits 23 Anspielpunkte stark und besticht durch sehr soulige Produktionen. Andere würden die Scheibe wohl als laid back charakterisieren, was aber meist den fahlen Beigeschmack von Langweile miteinschliesst, was im Falle von WATER STREET nicht zurtrifft. SWEATSHOP UNION ist es gelungen, mit dem Release von WATER STREET für ein Highlight des Jahres zu sorgen. (ruedi snare)


www.myspace.com/sweatshopunion7


Release Date: 14.10.2008






Fleur Earth - Skurreal

FLEUR EARTH - Erdenblume. Oder vielleicht besser die Blume Planet Erde, Leben mit Seele, ein wenig skuerreal. SKURREAL heisst auch das Album-Debut der Sängerin aus Köln, wo sich FLEUR EARTH nach ihrer Jugendzeit in der DDR und dem Umweg über ihre Heimat - dem Kongo - niedergelassen hat. Ihre Musik bezeichnet sie selbst als Strassensoul. Ihre Stimme umfasst nicht mehrere Oktaven, sondern zeichnet sich durch Charakter und Lebensnähe aus und die Beats erinnern an den neuen Soul von Loopdiggern wie Madlib oder Jneiro Jarel. Mit SKURREAL gelingt es FLEUR EARTH, Soul auch auf Deutsch Leben einzuhauchen, wie dies zuvor nur Max Herre zustande brachte. (ruedi snare)


www.mpmsite.com


Release Date: 10.10.2008






Madlib - WLIB AM: King Of The Wigflip

Pete Rock, Marley Marl, DJ Spinna, Will.I.Am und J Dilla haben vorgelegt, jetzt legt MADLIB The Bad Kid nach und wird mit dem aktuellen Album Teil der Beat Generation. Dass Madlib ein Beatbarde erster Güteklasse ist, wird niemand abstreiten wollen. Nichts desto trotz wird dem einen oder anderen ein Stern vom Herzen fallen, wenn er nach dem Drücken der Play-Taste feststellen wird, dass der Mann aus Oxnard neben seinen Eskapaden als Beatkonducta, Quasimoto oder Jackson Conti noch immer im Stande ist, geradelinige Beats zu bauen, um diese mit straighten Raps von MCs wie Talib Kweli, Guilty Simpson oder Prince Po zu veredeln. (ruedi snare)



www.stonesthrow.com


Release Date: 29.9.2008






People Under The Stairs - Fun DMC

Darf ein Rap-Album Ende 2008 noch so klingen, wie FUN DMC klingt? Sicher nicht, werden sich all diejenigen sagen, die dank ihrer Baggies auf den eigenen Schritt stehen und allabendlich für jeden ihrer Dunks eine Kerze anzünden, um danach ihren Abscheu auf Backpacker zu beichten. Von allen True School Homies werden sie dafür Spott und Hohn ernten. Thes One und Double K wird dies egal sein. Sie halten ihr Niveau über dem Durchschnitt und den Ball flach. Wer den Funk in seinen Venen pulsieren spürt, für den wird auch der neuste Streich des Duos aus LA das Highlight des Jahres sein. (ruedi snare)



www.golddust-media.com/FunDMC/soulstrut


Release Date: 26.9.2008




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